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Zur Geſchichte der Anſtalt
Ein ausführlicher Bericht über die Einwirkungen, die der große Krieg auf unſere Anſtalt ausgeübt hat, und über die Teilnahme unſerer Schüler an dieſem Krieg, ſowie auch derer, die früher unſere Schüler waren, wird erſt nach dem Friedensſchluß möglich ſein. Vorläufig begnügen wir uns mit einem kurzen Überblick über die für unſere Schule wichtigſten Ereigniſſe.
Gleich am 2. Auguſt, dem erſten Tage der Mobilmachung, wurde Prof. Dr. Kraemer als Haupt⸗ mann d. L. eingezogen. Freiwillig trat, ebenfalls gleich zu Beginn des Krieges, Prof. Kraft als Vize⸗ feldwebel d. R. ein; ſchon am 22. Auguſt fand er bei Anloy in Belgien den Heldentod, den er ſich ſelbſt von Jugend auf gewünſcht und bei ſeinem Auszug vorausgeahnt hatte. Lehrer und Schüler betrauern von Herzen den Verluſt dieſes Mannes, der ſich wegen ſeiner unbedingt zuverläſſigen, ehrenhaften und ideal gerichteten Geſinnung bei jung und alt der allgemeinen Liebe und Hochachtung erfreute. Am 7. Auguſt wurde Oberlehrer Keller als Unteroffizier d. R., am 3. September auch noch Lehramts⸗ referendar Dr. Gatzert zur Erſatzreſerve einberufen.
Der Unterricht mußte natürlich unter dieſen Umſtänden zum Teil leiden und war überhaupt nur dadurch aufrecht zu erhalten, daß alle zurückbleibenden Lehrer bereitwillig in die Breſche ſprangen. Außer⸗ dem wurden Lehramtsaſſeſſor Schwarz und Lehramtsreferendar Hugovon Muralt, der Oſtern 1914 zur Fortſetzung ſeines Vorbereitungsdienſtes hierher überwieſen war, zu ſelbſtändigerer Tätigkeit mit herangezogen.
Doch wäre auch ſo ein voller Erſatz für die uns entzogenen Lehrer nicht vorhanden geweſen, wenn ſich nicht von den 16 Oberprimanern 14 nach beſtandener Notreifeprüfung(am 8. und 10. Auguſt) zum Heeresdienſt gemeldet hätten. Die Oberprima wurde nun ganz aufgehoben, die 2 übrigbleibenden Ober⸗ primaner Lindheimer und Xandry der Unterprima zugewieſen; ihre Prüfung wird am Schluß des Schul⸗ jahres unter dem Vorſitz des Direktors ſtattfinden. Einer Notprüfung unterzogen ſich am 13. Auguſt auch die 4 Unterprimaner Halle, Hühn, Rullmann und Traudt, die dieſer Klaſſe im dritten Halbjahr an⸗ gehörten, um ſofort unter die Waffen zu treten. Zu dem gleichen Zweck erhielten 7 Unterprimaner das Zeugnis der Reife für La, 3 Oberſekundaner das Zeugnis der Reife für Ib, 5 Unterſekundaner das Zeugnis der wiſſenſchaftlichen Befähigung für den einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt. Im ganzen ſind alſo von unſern Schülern 33 bei dem Heer eingetreten; ihre Namen ſind aus dem angefügten Schüler⸗ verzeichnis zu erſehen. Leider haben wir von dieſen ſchon den Verluſt von vier hoffnungsvollen Jünglingen zu beklagen, die im Kampfe fürs Vaterland ſtarben. Es ſind dies Heinz Steinhäußer, Otto Holzapfel, Willy Henrich und Erich Krück, dieſer Ritter des Eiſernen Kreuzes. Lehrer und Mitſchüler werden ihnen ein freundliches Andenken bewahren, auch wird in irgend einer Weiſe dafür geſorgt werden, daß ihre Namen den künftigen Schülern zu dauernder Erinnerung vor Augen ſtehen.
Auch ſonſt hat der Krieg in der verſchiedenſten Hinſicht in unſer Schulleben eingegriffen. Für die Sommerferien war die Anlage einer Zentralheizung geplant; ſie wäre auch rechtzeitig fertiggeſtellt worden, wenn uns nicht infolge der Mobilmachnng der größte Teil der Arbeiter entzogen worden wäre. Die Arbeiten wurden eingeſtellt, dann in den Herbſtferien wieder aufgenommen und nach dreitägiger Ver⸗ längerung der Ferien glücklich und zur vollen Zufriedenheit zu Ende geführt. Auch die Sommerferien waren um drei Tage verlängert worden, da die Schüler großenteils bei Erntearbeiten, Wachtdienſten und dgl. tätig waren, außerdem aber die auswärtigen Schüler wegen mangelnder Zugverbindung nicht hierher gelangen konnten.


