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V. Zur Geschichte der Anstalt.
Auf die Freude über die überſtandenen Arbeiten des Schuljahres 1906/07 fiel ein düſterer Schatten. Kurz vor Schluß, am 14. März 1907, ſtarb plötzlich in Folge eines Schlaganfalls Herr Oberlehrer Ludwig Reeb in jugendlichem Alter von 34 Jahren. Sieben Jahre hatte er dem Kollegium angehört und war durch Pflichttreue und Fleiß, durch wiſſenſchaftliche und praktiſche Tüchtigkeit ein leuchtendes Vorbild für Alle. Seine Schüler hat er durch anregenden Unterricht in hohem Maße gefördert und war ihnen ein wohlwollender, treuer Berater. Seine Mitarbeiter betrauern einen liebenswürdigen Amtsgenoſſen von edlem Charakter. Bei der Leichenfeier am 16. März, die fich durch die Mitwirkung des Männerchors des Cäcilienvereins, ſowie unſeres Schülerchors überaus ergreifend gestaltete, legte der Direktor mit ehrendem Nachruf im Namen der Amtsgenoſſen, ebenſo die Klaffen Ila G und VI G einen Kranz nieder. Die ſterblichen Ueberreste des Dahingeſchiedenen wurden nach Mainz gebracht.
Ludwig Reeb, geb. 19. Dezember 1872 zu Friedrichsdorf bei Bad Homburg, Reifeprüfung 1891 am Gymnaſium in Mainz, Staatsprüfung März 1895 in Gießen, Volontär am Gymnasium zu Mainz, verw. am Gymnasium zu Offenbach, der höheren Bürgerschule zu Lauterbach, Dirigent der höheren Bürgerschule zu Nidda, verw. am Gymnasium zu Friedberg, Realgymnasium und Oberrealschule zu Mainz, seit Ostern 1900 in Bingen, definitiv seit 1. April 1901.
Durch Allerhöchste Entschliessung wurden mit Mitwirkung vom 1. April 1907 die Herren Profeffor Sebaſtian Joſt an das Realgymnaſium nach Mainz, Oberlehrer Philipp Gütlich an die Viktoriaſchule und das Lehrerinnenſeminar nach Darmſtadt und Oberlehrer FEriedrich Wenzel, Leiter der höheren Bürgerſchule in Rimbach, an hieſfige Anſtalt verſetzt; letzterer jedoch nach kurzer Tätigkeit mit Wirkung vom 7. Mai als Rektor an die hieſige höhere Bürger- ſchule(Mädchenſchule) berufen.
Am 26. März 1907 wurde Herr Lehramtsreferendar Wilhelm Schuchmann zum Aſſfeffor ernannt und mit Wirkung vom 1. April 1907 an die Realſchule nach Heppenheim verſetzt.
Mit Beginn des Schuljahres(7. April 1907) wurden die Herren Lehramtsaſſeſſor Karl Ensgraber in Worms, Lehramtsaffeſſor Arthur Jungk in Alzey, Lehramtsreferendar(ſeit 1. Oktober 1907 Aſſeffor) Heinrich Mischler in Offenbach, am 7. Mai 1907 Lehramts- referendar Dr. Karl Brück in Worms mit der Verwaltung von Lehrerſtellen an hieſiger Anſtalt betraut.
Durch Allerhöchſte Entfchließung wurde Herr Lehramtsaffeſſfor Dr. Blecher am 1. Mai 1907 zum Oberlehrer ernannt.
Zu militäriſchen Uebungen waren einberufen Herr Oberlehrer Flach am 10. April 1907 auf 8 Wochen, vertreten durch Herrn Referendar Heinrich Schneider von Darmſtadt, ferner Herr Oberlehrer Kraemer am 1. Juli 1907 auf 6 Wochen, ſowie Herr Oberlehrer Dr. Blecher am 1. Auguſt 1907 auf 8 Wochen, vertreten vom 16. bis 25. September durch Herrn Referendar Heinrich Metzner von Mainz.
Den Wünschen der bedeutend überwiegendenden Mehrheit der Eltern entſprechend hat Großh. Miniſterium genehmigt, daß fernerhin die Sommerferien an dem Donnerstag, der dem 15. Juli zunächſt liegt, beginnen.
Der Sedantag wurde in der üblichen Weiſe gefeiert, indem ſämtliche Klaffen Aus- flüge nach verſchiedenen Zielen unternahmen, wobei an geeigneten Punkten durch Anſprachen auf die Bedeutung des Tages hingewieſen wurde.
Die Herbſt-(Weinleſe) Ferien fielen in dieſem Schuljahr in die Zeit vom 6.— 20. Oktober.
Am 1. Oktober 1907 verließ Herr Referendar Dr. Brück unſere Anſtalt, um ſeiner ein- jährigen Militärpflicht in München zu genügen. An ſeine Stelle trat Herr Referendar Dr. Ernſt Ofenloch aus Alzey.
Mit Beginn des Winterhalbjahres(21. Oktober) trat Herr Referendar Dr. Heinrich Gepp an unſerer Anſtalt als Volontär ein und übernahm 2 St. Phyfik in IIb G., 2 St. Geometrie in IV G., 3 St. Geographie in V R. und 3 St. Rechnen in VI G.
Zur 300 jährigen Jubelfeier des Landgraf-Ludwig-Gymnaſiums in Gießen am 11. Oktober 1907 fandte das Lehrerkollegium ein Glückwunſchſchreiben.


