Jahrgang 
1896
Einzelbild herunterladen

Schulnachrichten.

1. Schulgeſchichte. Zunächſt iſt ein ſchmerzlicher Verluſt zu verzeichnen. Am 2. April 1895 verſchied nach längerem Krankenlager das älteſte Mitglied des Lehrerkollegiums, der Lehrer an der Realſchule Joſef Schmitz. In aufrichtiger Trauer gaben ſämtliche Lehrer und Schüler dem ver⸗ ehrten Kollegen und geliebten Lehrer das letzte Geleite. Seine Herzensfrömmigkeit und ſeine unerſchütter⸗

liche Pflichttrene ſichern dem Entſchlafenen bei Lehrern und Schülern ein dauerndes Andenken. Er ruhe in Frieden!

Als Vertreter der durch den Tod des Herrn Schmitz erledigten Stelle verblieb der Gr. Lehr⸗ amtsaſſeſſor Dr. Auguſt Köhler vorläufig noch weiter an der Anſtalt. Am 17. Juni 1895 wurde dann der ſeitherige Dirigent der höheren Bürgerſchule zu Gernsheim, Herr Sebaſtian Joſt, durch Allerhöchſtes Dekret mit Wirkung vom 16. Juni 95 an die Gr. Realſchule zu Bingen verſetzt.

Sebaſtian Joſt ſtudierte, nachdem er das Gymnaſium ſeiner Vaterſtadt Bensheim abſolviert hatte, auf den Univerſitäten Gießen, Freiburg i. B. und Leipzig klaſſ. Philologie. Seinen Aeceß machte er an dem Gym⸗ naſium zu Bensheim und wurde dann an der Realſchule und dem Progymnaſium zu Friedberg, an dem Gym⸗ naſium zu Bensheim, an dem Gymnaſium und der Realſchule zu Worms und an dem Realgymnaſium und der Realſchule zu Gießen verwendet. Von Oſtern 1890 ab wurde er zum Dirigenten der höheren Bürgerſchule zu Gernsheim ernannt. Nachdem dieſe Schule nach und nach zu einer Realſchule umgewandelt worden war und verſtaatlicht werden konnte, wurde er mit Wirkung vom 16. Juni 1895 zum Lehrer an der Realſchule zu Bingen ernannt.

Aber auch nach Eintritt des Gr. Reallehrers Joſt verblieb Herr Dr. Köhler an der An⸗ ſtalt, da wegen längerer Erkrankung des Kollegen Braun ein Vertreter deſſelben für das Sommer⸗ halbjahr notwendig war. Auch der Großh. Reallehrer Engelmann mußte wegen Erkrankung um Urlaub für die Dauer des Sommerhalbjahrs nachſuchen. Zu ſeinem Vertreter wurde der Lehramts⸗ acceſſit Dr. Karl Bernbeck aus Leerbach in Oberheſſen(früher am Ludwig⸗Georgs⸗Gymnaſium zu Darmſtadt) ernannt und am 1. Mai in ſeinen Dienſt eingewieſen. Am 16. September 1895 wurde der Großh. Reallehrer Engelmann als Lehrer an die Real⸗ und Landwirtſchaftsſchule zu Groß⸗ Umſtadt verſetzt. An ſeine Stelle kam der Großh. Lehramtsaſſeſſor Dr. Auguſt Köhler aus Darm⸗ ſtadt, der ſeither bereits vertretungsweiſe beſchäftigt geweſen war.

Dr. Auguſt Köhler wurde am 4. März 1866 zu Darmſtadt geboren. Oſtern 1884 beſtand er an dem Gymnaſium daſelbſt die Reifeprüfung. Er ſtudierte ſodann an der techniſchen Hochſchule zu Darmſtadt und an den Univerſitäten zu Heidelberg und Gießen beſchreibende Naturwiſſenſchaften, Phyſik und Chemie. Das Examen in dieſen Fächern legte er Weihnachten 1888 zu Gießen ab. Darauf abſolvierte er den Acceß am Ludwig⸗Georgs⸗ Gymnaſium zu Darmſtadt und unterrichtete als Volontär an dieſer Anſtalt bis Oſtern 1891. Bis zum erbſt 1894 bekleidete er dann die Stelle eines Aſſiſtenten am zoologiſchen Inſtitut der Univerſität Gießen, darauf trat er als Volontär an dem Realgymnaſium zu Darmſtadt ein, und kam am 11. März 1895 als proviſoriſcher Real⸗

lehrer an die Realſchule zu Bingen.

Durch Allerhöchſtes Dekret vom 18. Mai 1895 wurde der ſeitherige Lehramtsaſſeſſor Auguſt Braun zun definitiven Großh. Reallehrer an der Anſtalt ernannt. Leider mußte Herr Braun im Herbſt um weiteren Urlaub auch für das Winterhalbjahr einkommen, um im Süden Heilung eines hart⸗ näckigen Lungenkatarrhs zu ſuchen. Zu ſeinem Vertreter für die Dauer des Winterhalbjahres wurde der Großh. Lehramtsaſſeſſor Dr. Anton Schlamp aus Mainz(ſeither Aſſiſtent am phyſikaliſchen Inſtitut der Univerſität Gießen) ernannt und am 26. Sept. in ſeinen Dienſt eingewieſen.

Am 12. Oktober beehrte Herr Geh. Oberſchulrat Soldan unſere Anſtalt mit ſeinem Be⸗ ſuche und wohnte dem Unterricht in mehreren Klaſſen bei.

Am 16. Dezember 1895 fand eine Reviſion des evangeliſchen Religionsunterrichts durch Herrn Superintendenten Dr. Walz aus Darmſtadt ſtatt.