Jahrgang 
1927
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Jahre die Verwaltung der Baumschule und Erdbeeranlage obliegen, nachdem sie dieses Jahr Gemüse und Blumen gepflanzt hatten. Ueber die Beschäftigung von einzelnen Schülern in der Bienenanlage wird später noch zu berichten sein. Der grösste Teil der Schüler entstammt den mittleren Klassen. Ihre Arbeit ist eine freiwillige, die nachmittags 1 bis 2 mal in der Woche, meist von 2 bis 4 Uhr, geleistet wird. Darüber hinaus steht der Garten den beschäftigten Schülern auch ausserhalb dieser Zeit auf Anmeldung zur Verfügung. Bei diesem Interesse der Schüler und in Anbetracht des Wertes der Arbeit, die sich auch im häuslichen Garten auswirkt, wäre es zu erwägen, ob man nicht für eine bestimmte Klasse den Unterricht im Gartenbau für verbindlich erklären sollte. Die interessierten Schüler der anderen Klassen würden, da genügend Boden zur Verfügung steht, dadurch nicht benachteiligt werden. Mit der Uebernahme des Gartens ergaben sich für die Schüler der Oberstufe zwei praktische Aufgaben. Nach trigonometrischem Verfahren wurde die Grösse des Gartens bestimmt. Wichtig war ferner die Untersuchung der Bodenbeschaffenheit und die Bestimmung der Lage. Es wurde schiefriger Lehmboden festgestellt. Die Muttererde ist an vielen Stellen kaum 30 cm hoch. Der Unterboden ist vielfach durch das ablaufende, sich oftmals stauende Bergwasser sumpfig. Die dadurch notwendige Ent- wässerung durch Grabensysteme erwies sich als brauchbar und bodenverbessernd. Es folgten für die einzelnen Teilnehmer der Obstgartengemeinde einige theoretische Unterweisungen über die Grundvoraussetzungen im Obstbau, wie Lage, Bodenart, Unterlagen für Formobstzucht, Baumschnitt. Dann begann die praktische Arbeit. Wildling und Edelobst wurden bestimint, die Pfropfstelle, wenn noch möglich, festgestellt und aus der Wurzel und Baumform auf die Unterlage(Wildling, Doucin, Paradies) geschlossen Die Bäume wurden in Pflege genommen, abgekratzt, gekalkt. Baumscheiben wurden hergestellt. Mit dem Baumschnitt wurde begonnen; Pfropfreiser wurden geschnitten und neu beschafft. Es nahte die Zeit für Veredelungen. Vorgefundene Wild- linge und Doucin wurden veredelt. Von 40 Veredelungen, darunter auch Mirabellen und Kirschen, gelangen, von Schülerhand ausgeführt, etwa 30. Wir erlebten eine reiche Baumblüte. Schädlinge traten auf. Es ergab sich Gelegenheit zur Schädlingsbekämpfung. Das Spritzen der Bäume mußte leider aus finanziellen Gründen unterbleiben. Die Bedeutung des Vogelschutzes wurde erkannt. Eine ganze Anzahl Nistkasten, welche der Kreisausschuß des Kreises Biedenkopf der Schule überließ, wurde aufgehängt, und sehr bald waren fast alle beflogen. Die reiche Obstblüte lenkte die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung der Bienen. Aus den Reihen der Schüler wurde der Wunsch laut, durch Beschaffung von Bienen und Aufstellung von Stöcken den Obstbau zu fördern. Die Eltern einiger Schüler stifteten eine Anzahl Beuten, andere schenkten Schwärme. Aus vor- handenen Holzbeständen wurde ein Bienenhaus, welches acht Völkern Raum gewährt, gezimmert, in das Mitte Juni 4 Völker(Schwärme) untergebracht wurden. Die interessierten Schüler schlossen sich zu einer Bienen- zuchtgemeinde zusammen, die auch die notwendigen Bienenzuchtgeräte beschaffte. Die gegebenen Anregungen führten dazu, daß einige Schüler sich selbst Bienenstöcke zulegten und in eigne Verwaltung nahmen. Sie wurden teils im Garten aufgestellt, teils zu Hause untergebracht, da vorerst kein Raum zur Unterbringung vor- nanden war. Im Frühjahr ist eine Erweiterung des Bienenhauses geplant, sodaß dann sämtliche Völker der Bienenzuchtgemeinde im Garten neben denen der Anstalt aufgestellt werden. Dadurch ergibt sich eine Ein- sparung an Gerätschaften und eine sachgemäße Behandlung der Völker. Der Rest der Sommermonate gab reichlich Gelegenheit für Wegeverbesserungen, Ausrodungen und Vorbereitungen für die Anlage einer Baum- schule und Erdbeeranlage in größerem Maßstabe. Die ersten 100 Sämlinge wurden dieser Tage verpflanzt. Dadurch werden wir im nächsten Herbst über den eigenen Bedarf hinaus Obstbäume zur Verfügung haben. Schon im Frühjahr hatte die Anstalt durch den Verwalter der Obstanlage, Studienassessor Dr. Nold 120 einjährige Veredelungen von Holstein bezogen, die zum Preise von 0,35 Mark das Stück an die Schüler bei regster Nach- frage abgegeben werden konnten. Diese Bäumchen kamen in den Hausgärten der Schüler zur Anpflanzung. Bereits für den kommenden Herbst lagen wieder zahlreiche Anmeldungen für den abermaligen Bezug von Ver- edelungen und Hochstämmen vor. So sind geliefert worden: 78 Stück einjährige Veredelungen zu 0,45 Mark und 49 Stück Apfelschnurbäume zu 2 Mark. Propfreiser gaben wir an Interessenten aus eigenen Beständen in reicher Zahl ab, da doch der Garten mit seinen zahlreichen Obstsorten Gelegenheit gibt, an Ort und Stelle festzustellen, welche Sorten für Boden und Klima der hiesigen Gegend am besten geeignet erscheinen. Anfang April wurden 120 Bäume veredelt.

Stiftungen für den Schulobstgarten:

Herr Kaufmann Achenbach: 2 Hinterladerbeuten. Herr Lehrer Wiegand: 1 Bienenschwarm. Ober- sekundaner Thomas: 1 Bienenschwarm. Herr Kaufmann Kilian: 1 Einbeute. Quintaner Eberhard und Walter Hecker: eine Anzahl Rähmchen mit Waben und Kunstwaben, 2 Strohmatten zur Einwinterung. Quintaner Gilges: 1 Strohkorb, eine Anzahl Rähmchen mit Kunstwaben. Sextaner Lenz und Sextaner Jakobi: eine Anzahl Rähmchen. Weitere Stiftungen werden dankbar augenommen.

In Betreff des seit 11 Jahren bestehenden, 1925 neu angelegten Schulgärtchens der Anstalt vergl. das vorjährige Programm.