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4. Auch Herr Oberlehrer Dr. Kiesel sah sich genötigt, wegen Erkrankung einige Zeit zu fehlen. Schliesslich wurde der verehrte Kollege vom Arzt gezwungen, nur eine ganz geringe Stundenzahl zu übernehmen. In liebenswürdigster und entgegenkommendster Weise wurde von der Königl. Provinzial-Schulbehörde sofort die Stundenzahl des Herrn Dr. Kiesel auf acht herabgesetzt.
5. Der Gesundheitszustand der Lehrer war sonst im allgemeinen gut, ebenso auch der Schüler.
6. Die Kaisersgeburtstagsfeier fand am Montag, den 27. Januar, statt; das Programm derselben lassen wir, um das Interesse für diese Schulfeier im besonderen und für unsere Anstalt im allgemeinen zu heben, hier folgen.
1.„Ouvertüre zum PFreischütz“ von Karl Maria v. Weber, vorgetragen von Jul. Hoffmann und Gottfr. Reuter. 2. Gesang:„Der 23. Psalm“ von B. Klein 3. Deklamation: a)„Das Lied von Düppel 1864“ von Emanuel Geibel, vorgetragen von Karl Bald. b)„Bei Königgrätz 1866“ von Ferd. Suhle, vorgetragen von Gg. Oft. 4.„Grossmütterchen“, Violinsolo von G Langer, vorgetragen von Rich. Grebe 5. Gesang:„Lützows wilde Jagd“ von K. M. v. Weber. 6. Deklamation: a)„Das Volk in Waffen“ von G. Gerok, vorgetragen von W. Frohnhäuser b)„Die Rosse von Gravelotte, 16. Aug. 1870“, von Ferd. Freiligrath, vorgetragen von Otto Achenbach. c)„Des deutschen Knaben Tischgebet, 2. Septbr 1870“, von K. Gerok, vorgetragen von Heinz v. Breidenbach. d)„Die Fahne der Einundsechziger 1871“ von J. Wolff, vorgetragen von Fritz Funk. 7. Gesang:„Mein Deutschland steht so stolz und gross“ von Eickhoff. 8. Festrede des Herrn Professors Ludwig Wehmeyer über Kaiser Wilhelm I.,„eine der bedeutendsten, sympathischsten und edelsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte“. 9. Schlussgesang:„Ieil dir im Siegerkranz“.
7. Mit dem Schlusse des Schuljahres verlässt Herr Oberlehrer Dr. Heinrich Dörrie unsere Anstalt, um eine Oberlehrerstelle an der Oberrealschule in Wiesbaden anzutreten. In Herrn Dr. Dörrie verlieren die Schüler einen kenntnisreichen, wohlwollenden, humanen, sie zu selbständigem Denken anregenden und in jeder Hinsicht fördernden Lehrer, das Kollegium aber einen Amtsgenossen, der durch seine humorvollen, oft sarkastischen Bemerkungen allezeit ein belebendes Element seiner Versammlungen war. Wir wünschen dem scheidenden Kollegen von Herzen, dass er in Wirklichkeit das Glück finde, das er in dem sonnigeren Wiesbaden zu finden hofft.


