Jahrgang 
1907
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III. Chronik der Anstalt.

Zur Aufnahmeprüfung, die am Montag, den 23. April, stattfand, hatten sich 24 Schüler eingefunden, von denen 21 in Sexta und je einer in die Quarta, Untertertia und Obertertia auf- genommen wurden.

Mit der kommissarischen Verwaltung der durch die Pensionierung des Prof. Dr. Wertsch erledigten Oberlehrerstelle wurde der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. Kiesel beauftragt, der schon einmal, im Jahre 1896, kurze Zeit an der Anstalt gewirkt hatte. Nachdem er sich in gesundheit- licher Beziehung den Anforderungen des Dienstes vollkommen gewachsen gezeigt hatte, wurde er im September mit Rückdatierung auf den 1. April definitiv angestellt.

Arthur Kiesel. geboren am 25. Mai 1865 zu Hörde n Westfalen, besuchte das Kgl. Realgymnasium in Berlin und in Wiesbaden. Nachdem er hier Ostern 1885 das Zeugnis der Reife erhalten hatte, studierte er in Berlin und Marburg Naturwissenschaft und Mathematik und bestand an der ersteren Universität die Prüfung pro facultate docendi, während er an letzterer promovierte. Während des pädagogischen Seminar- jahres von Ostern 1896 bis Ostern 1897 dem Kgl. Realprogymnasium zu Biedenkopf und dann dem Kgl. Realgymnasium zu Wiesbaden überwiesen. Nachdem er aus Gesundheitsrücksichten eine Reihe von Jahren seine Tätigkeit im öffentlichen Unterrichte unterbrochen hatte. trat er wieder in den Schuldienst ein und wurde Ostern 1906 an das Kgl. Realprogymnasium zu Biedenkopf berufen.

Am 20. und 21. Juni fand eine Revision der Anstalt durch den Herrn Provinzial-Schulrat

Dr. Baier statt. Eine Revision des Zeichenunterrichts wurde am 6. September durch den vom Ministerium beauftragten Maler Jung vorgenommen. Am 3. bis 5. September fand dahier ein grosses landwirtschaftliches Fest statt, an dem auch die Beteiligung der Schule gewünscht worden war. Da der Sedantag auf einen Sonntag fiel, wurde mit Genehmigung des Prov.-Schulkollegs die Gedächtnisfeier auf den 3. September verlegt und der 4. September zum Zwecke der Teilnahme an dem genannten Feste freigegeben.

Für die Monate November bis März wurde Herr Henkel zu einem Zeichenkurse in Berlin, zu dem er sich bei seiner Anstellung bereit erklärt hatte, einberufen. Zur Aushülfe erhielt die Anstalt den Probekandidaten Ahrens.

Herrn Lehrer Merkel ist die Anstalt zu Dank verpflichtet dafür, dass er sich bereit erklärte, den Gesangunterricht während seiner Freistunden zu übernehmen und dazu auch die Genehmigung seitens seiner Aufsichtsbehörde erwirkte.

Die Kaisersgeburtstagsfeier fand am 26. Januar in üblicher Weise statt. Die Festrede hielt Herr Dr. Kiesel.

Der Gesundheitszustand war während des Schuljahres bei Lehrern und Schülern im all- gemeinen gut. Nur in den letzten Wintermonaten kamen viele Versäumnisse namentlich in Quarta und Sexta vor.

Nachdem der Turnbetrieb über 20 Jahre ohne irgend einen Untall, der Schulversäumnisse zur Folge hatte, verlaufen war, sind in diesem Jahre leider zwei Unfälle vorgekommen, die eine längere Unterbrechung des Schulbesuchs verursachten.

Ein Schüler kam beim Hochsprung zu Fall und brach die Speiche des linken Armes, ein: anderer fiel vom Reck und zog sich einen mehrfachen Bruch der beiden Knochen des linken Vorderarmes zu. Beide Fälle sind glücklicherweise ohne dauernde Schädigung der Betroffenen verlaufen. Eine Verschuldung irgend eines mit der Aufsicht und Hilfeleistung Betrauten lag nicht vor.

Einschliesslich der durch diese beiden Unfälle bewirkten Versäumnisse hat im Durchschnitt jeder Schüler wie im vorigen Jahre nur 16 Unterrichtsstunden nicht besucht.