Jahrgang 
1872
Einzelbild herunterladen

9

18. Jan. 1872. Eine die Vermeidung der Kolliſion von Schulſtunden mit Konfirmandenſtunden be⸗ zweckende theilweiſe Aenderung des Stundenplanes erhält Genehmigung.

18. Jan. 1872. Für den Zweck der anzubahnenden Uebereinkunft über die deutſche Orthographie wird empfohlen: Regeln und Wörterverzeichniß für deutſche Orthographie(Berlin, Ebeling und Plahn), ſowie: Erörterungen über deutſche Orthographie(Berlin, Weidmann).

D. Zur Chronik der Schule.

Das abgelaufene Schuljahr war ein für die Anſtalt, und insbeſondere für deren Fortentwicklung zu einer höheren Bürgerſchule im Sinne der Unterrichts⸗ und Prüfungsordnung vom 6. Oktober 1859, in mancher Hinſicht förderliches. Für das Jahr 1871 zum erſtenmal in dem Genuß des durch die großartige Fürſorge Königlicher Behörden über die frühere Staatsbeihülfe hinaus noch gewährten ſehr bedeutenden Bedürfnißzuſchuſſes, konnte die Schule ſeit dem Beginn des Winterſemeſters mit den für ihr dermaliges Klaſſenſyſtem ausreichenden Lehrkräften verſehen werden; ſie erhielt zugleich mit dieſem Termin in der Perſon des unterzeichneten Rektors einen Leiter, welcher in einmüthigem Zuſammenwirken mit den übrigen Lehrern bemüht iſt, das von dieſen be⸗ gonnene Werk weiter⸗ und die Schule dem ihr geſteckten Ziele zuzuführen.

Die nächſte Obſorge für die Bedürfniſſe derſelben wurde von Königlichem Provinzial⸗Schulkollegium in die Hände des nach dem Amtseintritt des Rektors an die Stelle der bisherigen Lokal⸗Schulkommiſſion einge⸗ ſetzten Kuratoriums gelegt, welches aus dem Königlichen Landrath(als Vorſitzenden), dem erſten Ortsgeiſtlichen (als Stellvertreter des Vorſitzenden), dem Bürgermeiſter(oder, bei deſſen Verhinderung, aus dem erſten Beige⸗ ordneten) und dem Rektor beſteht. Leider mußte das Kuratorium ſchon etliche Wochen nach ſeiner Konſtituierung das vorſitzende Mitglied, den, zur Uebernahme der Polizeidirektion nach Wiesbaden berufenen, Königlichen Land⸗ rath Dr. von Strauß aus ſeiner Mitte ſcheiden ſehen, ein Verluſt, den ebenſo ſehr die Schule empfindet, bei welcher es unvergeſſen bleiben wird, mit welch reger und anregender Theilnahme Herr Landrath von Strauß für deren Fortentwicklung eintrat, als das Kuratorium, welches ſich ungern der in jeder Hinſicht förderlichen Wirkſamkeit ſeines Vorſitzenden zumal bei Erledigung der zunächſt obliegenden Aufgaben beraubt ſah. Es fand nämlich das Kuratorium zur Bethätigung der ihm übertragenen Fürſorge für die Schulbedürfniſſe alsbald reich⸗ liche und erfreuliche Gelegenheit dadurch, daß die anſehnlichen Ueberſchüſſe der 1871er Rechnung geſtatteten, Königlichem Provinzial⸗Schulkollegio Anträge auf bedeutende Anſchaffungen nothwendiger Lehrmittel und Schul⸗ utenſilien vorzulegen. Zu einer ſchon bei dem jetzigen Klaſſenbeſtand nothwendig befundenen Vermehrung der Schullokalitäten ließ ſich die Gemeindebehörde bereitwillig finden, indem ſie mehrere Räume des gemeinſchaftlich mit der Stadtſchule benutzten Schulhauſes, welche bisher andern Zwecken gedient hatten, der höheren Bürgerſchule überwies, ſodaß es nur der, von der ſtädtiſchen Behörde zugeſagten, vollſtändigen Herrichtung des einen dieſer Räume bedürfte, damit die Anſtalt die für ihren jetzigen Umfang ausreichende Arbeitsſtätte beſäße. Der aller⸗ dings auch dann noch vorhandene Mangel eines die ſämmtlichen Schüler faſſenden Zimmers wurde weniger ſtörend durch die Bereitwilligkeit, wit welcher ein größeres Klaſſenzimmer von der Stadtſchule für gewiſſe Stunden freigeſtellt wurde, ſowie auch eine Verſtändigung mit derſelben über die beide Schulen gemeinſam angehenden Punkte der Hausordnung den Störungen nach Möglichkeit vorbeugte, welche die Benutzung des nämlichen Hauſes von zwei verſchiedenartigen Anſtalten leicht im Gefolge haben kann.

Das Schuljahr nahm am 17. April 1871 ſeinen Anfang. Zum Erſatz des an das Progymnaſium zu Dillenburg übergegangenen Lehrers Kegel, welcher während eines Jahres der Schule eine eifrige und er⸗

d