16. Februar Königl. Prov.-Schul-Collegium theilt mit, dass der Herr
— Minister der Unterrichts-Angelegenheiten die Abhaltung einer Entlassungsprüfung in unserer Schule mit Schülern, welche an dem Unterricht im Lateinischen nicht Theil genommen haben, genehmigt hat. Termin wird auf den 6. März an- beraumt.
III. Chronik des Schuljahres.
Die Aufnahme-Prüfung, sowie die Eröffnung des Sommer-Semesters fand am 28. April statt, der Unterricht begann am folgenden Tage.
Wegen grosser Hitze fiel der Unterricht an zwei Nachmittagen für je zwei Stunden aus und anstatt der Turnstunden wurden bei hoher Temperatur die Bade- und Schwimm- Anstalten besucht.
Die Herbstprüfung ward am 9. und 10. September abgehalten und die Ferien dauerten bis zum 17. Oktober.
Die schriftliche Prüfung der Abiturienten begann am 24. Februar und das münd- liche Examen hielt Herr Provinzial-Schul-Rath Dr. Rumpel am 6. März ab.
Die Frühjahrsprüfung am 4. und 5. April konnte schon im Saale der neuen Schule stattfinden.
Bei der schriftlichen Prüfung waren folgende Aufgaben gestellt:
a) ein deutscher Aufsatz über das Thema: Gebrauch der Zeit nach Schiller's »Spruch des Confuzius», b) ein französisches Exercitium, c) ein englisches Exercitium, d) vier mathematische: 1) Die ersten gedruckten Bibeln wurden mit 50 Goldgulden bezahlt; wieviel macht dieses in unserem Gelde, wenn aus der kölnischen Mark fein 70 ²⁸ Goldgulden geprägt wurden? 2) Vier Zahlen bilden eine arithmetische Progression; ihre Summeè ist 28, das Quadrat über der Summe der beiden ersten Zahlen verhält sich zu dem Producte der beiden letzten wie 5: 4, wie heissen die Zahlen? 3) Eine Röhre von Gusseisen(spezifisches Gewicht 7, 5) hat einen äusseren Umfang von 2“ 4“(nass. Mass), eine Röhrenweite von 5“, eine Höhe von 4 5 Wie gross ist das Gewicht der Säule? 4) In einem Dreiecke ist a— b= 48;= 79⁰ 36 40,“ 6= 330 23 54˙6“; Seiten und Dreiecksinhalt sollen gesucht werden! Unvergleichlich reich war das Schuljahr an erhebenden Momenten wie für das ganze Volk so besonders auch für die Jugend. Denn wo wie bei uns die Tüchtigkeit des Heeres in der Volksbildung wurzelt, da nimmt auch schon der Knabe den regsten Autheil an dessen Thaten. Mit Spannung sahen wir die Blüte von Deutschlands Jugend über unsern lieben Rhein, dessen Wacht zu sein sie geschworen, hinüber ziehen; ver- trauensvoll jubelte unsere Jugend den kräftigen Gestalten entgegen, die sich von Nord und Ost hier sammelten und gab ihnèn Segenswünsche mit auf den Weg. Und als dann die Siegesnachrichten zu uns herüber tönten, da jauchzte die muntere Knabenschaar— lieh aber auch bald nach Kräften hilfreiche Hand, als es galt, der verwundeten Helden Schmerzen zu lindern. Wir wollen hier nicht alle die Ruhmes- und Sieges-Tage aufzählen, deren keiner ungefeiert vorüberging, war es durch Dankgéebet und Ansprache, war es mit einem Vaterlandsliede. Der Aufruf unseres Königs, der die Wiederherstellung der deutschen Kajsermürde verkündigte, und die Friedensbotschaft fanden jubelnden Wiederhall in Aller erzen.


