Jahrgang 
1871
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Seit dem Schlusse des Schuljahres am 15. April 1867 tritt in diesem Jahre zum ersten Male wieder die höhere Bildungs-Anstalt Mosbach-Biebrich's mit einem Programme vor die Oeffentlichkeit. Die Ilerausgabe gedruckter Jahresberichte,) die fortan stets zu Ostern erfolgen soll, glaubten wir während der drei letzten Jahre unterlassen zu dürfen, weil die Reorganisation der Anstalt, zu welcher die Königliche Regierung im März 1867 Anregung gab, noch nicht vollständig durchgeführt war.

Heute aber, da die innere Organisation zum Abschlusse gekommen ist, da ein neues Schulhaus mit hellen, gosunden Räumen, mit höchst zweckentsprechender Einrichtung und einem geräumigen Spielplatze von der Stadt uns überwiesen wird, fühlen wir die Pflicht, unsern innigsten Dank öffentlich auszusprechen und ein Gedenk-Blatt des unserer Schule so wichtigen Tages zu überreichen. Hat sich doch in dem Kriegssturm der letzten Zeit auch dieses Friedenswerk vollendet, das für alle kommenden Zeiten eine Quelle immer neuen Segens zu sein bestimmt ist. A m Hioie fu lo2 15 34

Die Nothwendigkeit der Erweiterung unserer seit 1847 bestehenden Realschule zu einer Schule, welche ihren Zöglingen neben einer vollständigeren Ausbildung auch solche Berechtigungen sichert, wie sie in den älteren Provinzen den höheren Schulen zuerkannt sind, sah unsere intelligente Bürgerschaft sofort mit uns ein; die Beschaffung der Mittel hierzu durfte und konnte nicht abschrecken. In einer Stadt mit nahezu 6000 Einwohnern darf auf eine Schülerzahl von 150 mit Sicherheit gerechnet werden. Wird diese annähernd erreicht, so nimmt die Schule die Mittel der Gèemeinde keineswegs zu stark in Anspruch, während sie andrerseits in der Lage ist, ein vollständiges und gecignetes Lehrer-Collegium zusammen zu halten, einen ausreichenden Lehrapparat und gute Bibliothek zu verschaffen und solchen Söhnen ärmerer Familien, die als geeignet empfohlen werden, Freistellen zu gewähren. Die zunehmende Schüler-Frequenz, die vermehrte Bevölkerung, der wachsende Wohlstand und vor Allem der immer weitér sich verbreitende Bildungstrieb sind die Grundlage, auf welcher sich eine höhere Schule baut, und dass dieses Fundament unserer Anstalt nie fehleu wird, dafür bürgt uns die Lage der Stadt, der gesunde Sinn ihrer Bewohner und der Staat, dem wir angehören. Das Bildungsbedürfniss steigt mit jedem Jahre und in dem Grade, wie die Gemeinde demselben in ihrer öffentlichen Schule Rech- nung trägt, sichert sie sich eine glückliche Gegenwart und den Dank der Zukunft.

Von diesen Ansichten ausgehend beschloss unser verehrter Gemeinderath in seiner Sitzung vom 28. März 1868 die Umwandlung der bestehenden Anstalt in eine höhere Bürgerschule, d. h. in eine Schule, welche das Classensystem einer Realschule erster Ordnung(eines Real-Gymnasiums) von Sexta bis Secunda, also fünf Classen, die letztere mit zweijährigem Cursus, umfasst. Durch sie wird dem Schüler, der den sechs- jährigen Cursus absolvirt, einerseits der Eintritt in die entsprechenden Classen anderer

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