Jahrgang 
1907
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Kus Anlaß des Geburtsfeſtes Sr. Ugl. Hoheit des Großherzogs erhielt der Vorſteher der präparandenanſtalt zu Lindenfels Peter Joſeph Jans das Ritterkreuz 2ter Klaſſe des Der⸗ dienſtordens Philipps des Großmütigen, während dem Seminardiener heinrich Werle das all⸗ gemeine Ehrenzeichen für langjährige und treue Dienſte verliehen wurde.

Die Anſprache bei der Feier des kaiſerlichen Geburtsfeſtes hielt diesmal Kollege Dr. Made, und ſeine Ausführungen behandelten die Errichtung des deutſchen Reiches.

Die vorgeſchriebenen Spaziergänge wurden in die Umgebung der Stadt Bensheim unter⸗ nommen, und die 5öglinge hatten dieſen Winter auch endlich Gelegenheit, öfters dem Eis⸗ ſport zu huldigen.

Am 16. Dezember wurde der Geburtstag Ludwigs van Beethoven durch Vortrag eini⸗ ger ſeiner Lieder und Sonaten feſtlich begangen.

Erwähnt ſeien außer einigen Beſuchen des hoftheaters in Darmſtadt auch der der AKus⸗ ſtellung im Schloß Lichtenberg, wohin die Oberklaſſe unter Führung des Direktors nach einer kräftigen Fußwanderung gelangte.

Die Abiturienten wohnten am 15. Dezember dem Unterricht in der einklaſſigen Schule zu Reiſen und am 19. Januar in der 1. Klaſſe der zweiklaſſigen Schule zu Schönberg bei. Den Herren Lehrer Thomasberger und Krauß ſei auch hier beſtens für ihr Entgegenkom⸗ men gedankt, ebenſo dem hHerrn Lehrer Michel von hier, der auch im verfloſſenen Schul⸗ jahre die Zöglinge der Unterklaſſe in der Gabelsberger Stenographie unterrichtete.

Freude wird es auch bei unſeren früheren Söglingen erwecken zu hören, daß in einer Sitzung bei Großh. Miniſt. in Darmſtadt am 6. Kuguſt 1906 das Programm zu unſerem Reubau aufgeſtellt, die Nusarbeitung der Pläne Großh. Bauabteilung übertragen und die erſte Baurate mit 100 000 Mk. in den Staatsvoranſchlag für 1907 eingeſtellt wurde. Im Falle der Genehmigung durch die Landſtände kann im nächſten Sommer mit den Erdar⸗ beiten und der herſtellung der Fundamente zum neuen Seminar begonnen werden.

Leider hatte die Anſtalt im letzten Jahre den ſchmerzlichen Derluſt zweier braven und fleißigen Söglinge zu erfahren. Am 10. April 19006 ſtarb im elterlichen hauſe zu Nauheim bei Groß⸗Gerau der Kbiturient Friedrich Dammel, der ſich noch kurz zuvor unter Auf⸗ bietung ſeiner ganzen Kraft an der ſchriftlichen Entlaſſungsprüfung beteiligt hatte. Der Direktor, 3 Lehrer und eine größere Anzahl der im vorigen Jahre entlaſſenen und der jetzigen Zöglinge gaben am Charfreitag dem braven und tüchtigen Jünglinge das letzte Geleit. Der Direktor widmete im Namen der Unſtalt dem Verſtorbenen an ſeinem Grabe einen Rranz unter paſſender Anſprache.

Beim Turnen am Reck während der Mittagspauſe fiel am 1. September der Semi⸗ nariſt Wilhelm Angelberger aus Wimpfen, ein gewandter und eifriger Turner, ſo unglück⸗ lich, daß eine Derletzung eines halswirbels und eine vollſtändige Lähmung erfolgte. Am 1. Oktober ſtarb der einzige hoffnungsvolle Sohn ſeiner tiefgebeugten Eltern, und ſeine Leiche wurde nach einer würdigen Trauerfeier vom hHoſpital Bensheim von den während der herbſt⸗ ferien hier anweſenden Lehrern und Schülern zum Bahnhof geleitet, nach ſeiner Vater⸗ ſtadt überführt und dort unter allgemeiner Beteiligung der Bevölkerung beerdigt. Am Grabe legte ein Freund des Verſtorbenen, Seminariſt Rittersberger aus heppenheim, im Ramen des Lehrerkollegiums und der Zöglinge mit geziemenden Worten eine Kranzſpende nieder.