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F. Gottesdienſt.
Die Schüler nahmen regelmäßig am Gottesdienſt ihrer Konfeſſion teil und ſangen mehr⸗ mals während desſelben geiſtliche Chöre.
G. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Das Schuljahr 1900/01 nahm ſeinen Anfang am 3. Mai 1900 und ſchließt am 2. April 1901 mit einer Zahl von Zöglingen, welche der des Vorjahres ungefähr gleichkommt. Während desſelben ſind Veränderungen im Lehrkörper nicht eingetreten.
Der Geſundheitszuſtand war bei Lehrern und Schülern von einigen ſchweren Fällen abge⸗ ſehen im allgemeinen gut. Dagegen verſtarb nach längerem ſchwerem Leiden am 17. Auguſt 1900 im Elternhauſe zu Fauſtenbach bei Lindenfels der Zögling der Oberklaſſe Nikolaus Vetter, den ſeine zu Weihnachten 1899 eingetretene Erkrankung ſchon von der Teilnahme an der Ent⸗ laſſungsprüfung ſeiner Klaſſenkameraden abgehalten hatte. Der Direktor, mehrere Lehrer und die Zöglinge der Oberklaſſe beteiligten ſich am 20. Auguſt an der Beiſetzung des fleißigen und braven Schülers und widmeten ihm, der kurz vor der Erreichung ſeines Ziels aus dem Leben abberufen worden war, Kranzſpenden, Worte des Abſchiedes und ein letztes Lied.
Einige Tage ſpäter wohnten ein Teil des Lehrerkollegiums und die meiſten Zöglinge in Biblis dem Begräbnis der Haushälterin Fräulein Babette Keil bei, welche am 20. Auguſt 1900 nach ſchwerem Leiden verſchieden war. Auch hierbei widmete der Direktor der pflichttreuen, allzeit für das leibliche Wohl der Zöglinge beſorgten Entſchlafenen Worte der Anerkennung und der Trauer.
Die alljährlich üblichen größeren Ausflüge wurden am 23. Mai von der Oberklaſſe in den Odenwald nach Wald⸗Michelbach und zurück nach Weinheim, von der Mittelklaſſe von Ober⸗Ramſtadt aus über Schloß Lichtenberg, den Otzberg nach Breuberg und von der Unter⸗ klaſſe von Station Lengfeld aus nach dem Otzberg und weiter nach dem Breuberg unternommen. Die herrliche Umgegend unſerer Stadt bot des Weiteren am Ludwigs⸗ und Sedantag Gelegen⸗ heit zu kleineren Ausflügen.
Um die Zöglinge zur Unterweiſung in den Bewegungsſpielen und Freiſpielen zu befähigen, wurde im Laufe des Schuljahres gemeinſam mit dem hieſigen Gymnaſium in freier Lage ein fünfviertel Morgen großer Spielplatz angelegt, ſodaß während eines Teiles der Turnſtunden und an den freien Nachmittagen Gelegenheit zur Ausführung von Bewegungsſpielen aller Art geboten iſt. Während der Eistage in der erſten Hälfte des Januar wurde, um den Schülern des Ofteren zum Schlittſchuhlaufen auf unſerer hieſigen Eisbahn Gelegenheitzu bieten, nach⸗ mittags frei gegeben.
Im Anſchtuß an die Lektüre einiger Dramen beſuchten die Zöglinge mehreremal die Vor⸗ ſtellungen im Großh. Hoftheater zu Darmſtadt, wobei die Direktion uns jedesmal durch Ge⸗ währung von Preisermäßigung und Anweiſung günſtiger Plätze zu großem Danke verpflichtete.
Die patriotiſchen Gedenktage boten Veranlaſſung zu muſikaliſchen und deklamatoriſchen Darbietungen und paſſenden Anſprachen. Zufolge Verfügung Großh. Miniſteriums wurde am 23. Juni eine Feier zur Erinnerung an Gutenbergs 500 jährigen Geburtstag in der Turnhalle abgehalten. Hierbei gab Kollege Eck in ſeiner Feſtrede ein anſchauliches Bild von der Erfindung, Ausbreitung und Enwickelung ſowie der Bedeutung der Buchdruckerkunſt. Am gemeinſamen Ge⸗ burtstage Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin hielt Kollege Oberlehrer Lenhart die Rede und behandelte die Geſchichte des Kapuzinerkloſters Bensheim und des Seminargebäudes, das während nahezu 170 Jahren dem Orden gehört hatte und 1821 zu einem Schullehrer⸗Seminar umgebaut und erweitert worden war. Oberlehrer Werner hielt am Geburtstage ſeiner Majeſtät des Kaiſers die Anſprache und erläuterte dabei die Entſtehung und Umwandlung der deutſchen Kaiſerſage.
Von Großh. Miniſterium des Innern beauftragt und mit einem anſehnlichen Reiſeſtipendium bedacht, beſuchte Kollege Buxbaum kurz vor den Herbſtferien die Pariſer Weltausſtellung. Sein ausführlicher Reiſebericht an Großh. Schulabteilung, ſowie mehrere Vorträge beweiſen, welche


