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V. Zur Geſchichte der Anſtalt.
Die Freude über eine in gewiſſenhafter Pflichterfüllung vollbrachte Jahresarbeit wurde Lehrern und Schülern des Seminars am Schluſſe des Schuljahres 1894/95 weſentlich getrübt durch den Umſtand, daß Herr Geheimer Oberſchulrat Greim, der ſeit 1874 als tech⸗ niſcher Referent für das Volksſchulweſen in der Miniſterialabteilung für Schulangelegenheiten thätig war, in den Ruheſtand trat. Seine unermüdliche Sorgfalt für das Gedeihen des Volks⸗ ſchulweſens überhaupt, ſowie insbeſondere für dasjenige der Lehrerbildungsanſtalten, ſein gerader und rechtlicher Sinn, ſowie ſeine bei aller Strenge der Anforderungen ſtets humane Art und Weiſe des Verkehrs mit ſeinen Untergebenen hatten ihm die Herzen derſelben gewonnen, wie ſich dies bei der Feier ſeines 70. Geburtstages und bei ſeinem Rücktritte allerwärts zeigte. Heſſens Lehrerſchaft wird ihm ein dankbares Andenken bewahren. Möge dem hochverehrten Herrn nach langjähriger erfolgreicher Arbeit noch manches Jahr in körperlicher und geiſtiger Rüſtigkeit beſchieden ſein!
Am 9. und 14. September 1895 und am 14. Januar 1896 beſuchte Herr Oberſchulrat Dr. Eiſenhuth das Seminar und wohnte verſchiedenen Unterrichtsſtunden bei.
Die Sedanfeier wurde in Verbindung mit einem Ausfluge in Weinheim durch Geſänge, Deklamationen und entſprechende Vorträge begangen.
Seminarlehrer Kleinſchmidt, der ſeit März 1881 am hieſigen Seminar wirkte, wurde durch Allerhöchſtes Dekret Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 31. Auguſt 1895 mit Wirkung vom 1. Oktober 1895 zum Kreis⸗Schulinſpektor bei der Kreis⸗Schulkommiſſion Erbach ernannt. Am 29. September 1895 wurde derſelbe vor dem verſammelten Seminar⸗ lehrerkollegium und den Zöglingen durch den Direktor aus dem Verbande dieſes Kollegiums entlaſſen und ihm der Dank für ſein 14 jähriges treues, geſchicktes und erfolgreiches Wirken an der Anſtalt ausgeſprochen. Die beſten Wünſche der Lehrer und Schüler begleiteten ihn in ſeinen neuen Arbeitskreis.
Zum Verwalter der erledigten Stelle wurde Lehramtsaſſeſſor Heinrich Werner von Turnuſzad ernannt und gleichzeitig mit Wirkung vom 1. Oktober 1895 in den Dienſt einge⸗ wieſen.
Der Geburtstag Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin wurde durch Gottesdienſt in der Seminarkirche und einen Feſtaktus in der Turnhalle gefeiert, wobei Seminarlehrer Lenhart einen Vortrag über die große Landgräfin Karoline hielt. Der Direktor brachte nach einer Anſprache das Hoch auf die Allerhöchſten Herrſchaften aus.
Am 18. Januar wurde in gleicher Weiſe die Erinnerung an die vor 25 Jahren erfolgte Wiederaufrichtung des deutſchen Kaiſerreichs feſtlich begangen, wobei Lehramtsaſſeſſor Werner die Feſtrede hielt.
Der Geburtstag Seiner Majeſtät des deutſchen Kaiſers Wilhelm II. wurde in herkömmlicher Weiſe gefeiert.
Im Laufe des Sommers wurden mit den Schülern verſchiedene Ausflüge gemacht, während dieſelben im Winter den Vorſtellungen„Wallenſtein“ und„die Räuber“ von Friedr. v. Schiller im Großherzoglichen Hoftheater in Darmſtadt beiwohnten.
Durch Allerhöchſtes Dekret Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs vom 12. Februar 1896 wurde der ſeitherige proviſoriſche Seminarlehrer Lenhart definitiv zum Lehrer an der Anſtalt ernannt..
Am 20. Februar 1896 nahm Herr Turninſpektor Marx in der Ober⸗ und Mittelklaſſe eine Inſpektion des Turnunterrichts vor.
Aus Staatsmitteln wurden für das Jahr 1895/96 an bedürftige und würdige Semi⸗ nariſten 4729 Mark, aus den Zinſen der Weinheimſchen Stiftung 140 Mark und aus den Zinſen des Gräffſchen Legats 120 Mark als Stipendien gewährt.


