Jahrgang 
1893
Einzelbild herunterladen

V. Chronik der Anſtalt.

Wegen des am 13. März 1892 erfolgten Hinſcheidens Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwig IV. fielen die öffentliche Prüfung und Entlaſſungsfeier am Schluſſe des vorigen Schuljahres aus. Am Donnerstag den 17. März, dem Tage der Beiſetzung, wurde in der Turnhalle des Seminars eine Gedächtnisfeier abgehalten, bei welcher der Direktor in einer Anſprache die perſönlichen und Regententugenden des höchſtſeligen Großherzogs und die Wohl⸗ thaten und Segnungen, welche das Großherzogthum, beſonders auch die Schulanſtalten, Ihm zu danken haben, gebührend hervorhob.

Der Sedantag wurde in Verbindung mit Ausflügen, welche die drei Klaſſen in Begleitung von Lehrern vornahmen, durch muſikaliſche und deklamatoriſche Vorträge an den Raſtorten gefeiert.

Am 15. November 1892 beſuchte der Direktor der Lehrerbildungsanſtalt für Knabenhand⸗ arbeit in Leipzig, Dr. Götze, das Seminar und nahm Einſicht von den Handarbeiten der Se⸗ minariſten, insbeſondere von den Apparaten, die ſie zum zukünftigen Gebrauche in der Volksſchule angefertigt hatten. Mit Bewilligung der oberſten Schulbehörde wird demſelben nach ſeinem Wunſche, eine größere Anzahl in den heſſiſchen Seminarien hergeſtellter Apparate im Laufe d. J. nach Leipzig überſchickt werden, da ihm dieſe Art der Handarbeiten, die ſchon ſeit einer Reihe von Jahren in unſern Lehrerbildungsanſtalten betrieben werden, neu und von großem Intereſſe war.

Der 25. November 1892, der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Groß⸗ herzogs Ernſt Ludwig, wurde durch eine in muſikaliſchen und deklamatoriſchen Vorträgen be⸗ ſtehende Feier in der Turnhalle des Seminars feſtlich begangen. Seminarlehrer Dr. Moſer hielt dabei einen Vortrag über den Anteil der heſſiſchen Truppen an den Waffenthaten der Jahre 1870 und 1871 und der Direktor brachte nach einer Anſprache ein mit Begeiſterung auf⸗ genommenes dreimaligesHoch auf den neuen Landesfürſten aus, worauf die Feier mit dem GeſangeHeil Dir ꝛc. geſchloſſen wurde.

Am 1. Dezember 1892 beſuchten die Herren Geheimer Staatsrat Dr. von Knorr und Geheimer Oberſchulrat Greim die Anſtalt und wohnten mehreren Unterrichtsſtunden bei.

Am 11. Dezember 1892 ſtarb nach längerem, zuletzt ſehr ſchmerzlichem Leiden, im St. Jo⸗ ſephshauſe zu Heidelberg der Großherzogliche Seminarlehrer i. P. Guſtav Martin Helm. Die großen Verdienſte, die er ſich in ſeiner mehr als zwanzigjährigen Wirkſamkeit um das Se⸗ minar erworben hat, ſind bereits im vorjährigen Programme bei Gelegenheit ſeiner Verſetzung in den Ruheſtand gewürdigt worden. Sein Hinſcheiden iſt als ein ſchmerzliches Ereignis von der höchſten Schulbehörde, dem Lehrercollegium des Seminars und von ſeinen zahlreichen Schülern empfunden worden. Am 14. Dezember 1892 fand ein feierliches Seelenamt für den Verſtorbenen in der hieſigen Pfarrkirche ſtatt, während deſſen die Seminariſten Teile eines Requiems von Or- lando di Lasso ſangen. Herr Gymnaſiallehrer und Benefiziat Sommer ſchilderte in längerer Rede den Lebenslauf des Entſchlafenen und hob ſeine edlen Charaktereigenſchaften hervor. Herr Geheimer Oberſchulrat Greim, die Lehrer und Schüler des hieſigen Seminars, ſo⸗ wie Deputationen der Seminare zu Alzey und Friedberg, welche dem erwähnten Gottes⸗ dienſte beigewohnt hatten, gaben dem Hingeſchiedenen hiernach das letzte Geleite zum Friedhofe. Herr Domkapitular und geiſtlicher Rat Dr. Selbſt und eine große Anzahl von katho⸗ liſchen Geiſtlichen ehrten ihn gleichfalls durch ihre Anweſenheit im Seelenamte und ihre Begleitung zur letzten Ruheſtätte. Vor und nach den kirchlichen Ceremonien am Grabe ſangen die Semina⸗ riſten entſprechende Trauerchöre, worauf der Direktor im Namen der Lehrer und Schüler des hieſigen Seminars mit Worten der Anerkennung einen Lorberkranz auf das Grab niederlegte. Ein Gleiches thaten die Seminarlehrer Ohly von Alzey und Schwarz von Friedberg. Das Andenken an den Verſtorbenen wird bei uns ein geſegnetes bleiben. R. i. p

Der 27. Januar 1893, der Geburtstag Seiner Majeſtät des deutſchen Kaiſers