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V. Chronik der Anſtalt.
Die Unterrichtsräume des Seminars ſind im abgelaufenen Schuljahre in zweckmäßiger Weiſe erweitert worden, indem aus den durch die hohen Ständekammern bewilligten Mitteln der⸗ jenige Theil des Seminargebäudes, welcher bis dahin noch zweiſtöckig war, einen dritten Stock erhielt. Dadurch wurden ein Muſikſaal und ein anderer Lehrſaal gewonnen, welche dem Ge⸗ bäude zur Zierde gereichen. Außerdem wurde mancher Beengung und dem Mißſtande, daß der Speiſeſaal bisher auch als Lehrſaal und die Turnhalle als Muſikſaal hatten benützt werden müſſen, abgeholfen. Die ſchöne und geſchmackvolle Herrichtung der neuen Räume iſt weſentlich der regen Thätigkeit und Sorgfalt der Herren Kreisbaumeiſter Grimm und Baumeiſter Lucius zu danken. Es war ein gluͤckliches Zuſammentreffen, daß der in Mainz verſtorbene Rentner Karl Schion, der früher in Bensheim gewohnt hatte, noch bei Lebzeiten dem Lehrercollegium des Seminars 200 Mark zur Anſchaffung von guten Kupferſtichen zur Verfügung ſtellte und es da⸗ durch ermöglichte, die neuen Säle auch innerlich in höchſt anſprechender Weiſe auszuſchmücken. Auch die Seminarkirche wurde im Innern in würdiger Weiſe hergeſtellt. Die Herren Geheimer Staatsrat Knorr, Miniſterialrat Horſt und Geheimer Oberſchulrat Greim überzeugten ſich zeitweiſe von dem Fortgange des Neubaues. Allen, welche zu dieſer weſentlichen Verbeſſerung beigetragen haben, ſei hiermit der wärmſte Dank ausgeſprochen.
Dem Direktor und ſämmtlichen Seminarlehrern wurden vom 1. April 1885 an Gehalts⸗ zulagen bewilligt und dem Seminarlehrer Kleinſchmidt die Rechte eines Civilſtaatsdieners verliehen.
Am 9. und 10. April 1885 hielt der Direktor als beauftragter Regierungscommiſſär die Abgangsprüfung an der Präparandenanſtalt zu Lindenfels ab.
Bei den Definitorialprüfungen der Schulamts⸗Aſpiranten im Frühjahr und Herbſt 1885 waren außer dem Direktor auch die Seminarlehrer Helm und Flegler Mitglieder der Prüfungscommiſſion.
Am 25. Juni machten Lehrer und Schüler des Seminars einen Ausflug nach dem Franken⸗ ſtein bei Eberſtadt und am 17. Auguſt einen ſolchen auf den Otzberg.
Der Sedantag und der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Groß⸗ herzogs wurden feſtlich begangen..
Aus Staatsmitteln wurden für das Jahr 1885/86 an bedürftige und würdige Semina⸗ riſten 4480 Mark, aus den Zinſen der Weinheim'ſchen Stiftung 140 Mark und aus den Zinſen des Gräff'ſchen Legates 120 Mark verteilt. Außerdem wurden einem Schüler 100 Mark aus dem Lehrerwaiſenſtift bewilligt. 6
Am 9. Februar d. J. beehrte Herr Geheimer Oberſchulrat Greim die Anſtalt mit einem längeren Beſuch, wohnte dem Unterrichte verſchiedener Lehrer bei und beſichtigte die neuen Räume, ſowie die Bibliothek.
An Geſchenken erhielt die Anſtalt im Laufe des Schuljahres:
Von Herrn Profeſſor Kumpa in Darmſtadt: Deſſen Farbenſchule mit allem Zubehör.
Von dem Kaiſerlich⸗Königlich⸗Oſterreichiſchen Landes⸗Schulinſpektor V. Adam in Wien, einem geborenen Bensheimer, folgende von ihm verfaßte Schriften: Taſchenbuch der Logarithmen; Bruch⸗ ſtücke aus der mathematiſchen Geographie mit beſonderer Berückſichtigung einiger Beleuchtungs⸗ verhältniſſe; Grundformeln der Dioptrik; Anwendung der ſtereometriſchen Lehrſätze auf die Be⸗ rechnung des Inhaltes verſchiedener Körperformen; das Entwerfen geographiſcher Kartennetze in Verbindung mit dem mathematiſchen Unterrichte am Obergymnaſium(Brünn). Den Schriften war das photographiſche Portrait des Herrn Adam beigefügt.
Von Max Groſſes Verlag in Halle a. S.: Neuhochdeutſche Elementargrammatik von K. A. J. Hoffmann.


