Jahrgang 
1885
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V. Chronik der Anſtalt.

Bei der am 31. März, 1., und 2. April 1884 ſtattgehabten Entlaſſungsprüfung wohnte außer dem Herrn Geheimen Oberſchulrat Greim der Religionsprüfung der Katholiken Herr Domkapitular und geiſtlicher Rat Ohler und derjenigen der Proteſtanten der Großherzogliche Oberkonſiſtorialrat und Superintendent Herr Dr. Köhler bei.

Am 17. und 18. April 1884 hielt der Direktor als beauftragter Regierungscommiſſär die Abgangsprüfung an der Präparanden⸗Anſtalt in Lindenfels ab.

Bei den Definitorialprüfungen der Schulamts⸗Aſpiranten im Frühjahre und Herbſt 1884 waren der Direktor, ſowie die Seminarlehrer Helm und Flegler Mitglieder der Prüfungs⸗ commiſſion.

Am 3. Juli 1884 machten der Direktor und 4 Seminarlehrer mit den Schülern einen Ausflug auf den Niederwald. Frühe Morgenzüge brachten die Reiſegeſellſchaft nach Darmſtadt und Mainz, von wo aus nach Beſichtigung der neuen Stadthalle und des Domes die Reiſe auf einem Dampfboot nach Rüdesheim fortgeſetzt wurde. Die Waſſerfahrt durch eine der an⸗ mutigſten und geſegnetſten Gegenden Deutſchlands, ſowie der Aufgang auf den Niederwald mit ſeinen herrlichen Ausſichtspunkten verſetzten die Reiſenden ſchon in gehobene Stimmung, die in⸗ deſſen bei dem Anblicke des Niederwald⸗Denkmals, jenes ausgezeichneten Kunſtwerkes, ihren Höhe⸗ punkt erreichte. Nach eingehender Beſichtigung desſelben, nach dem Beſuche der Eremitage, der Roſſel und Zauberhöhle, ſowie nach kürzerer Raſt vor dem Jagdſchloſſe, während welcher die Freude über die gebotenen Natur⸗ und Kunſtgenüſſe in entſprechenden Geſängen, bei denen ſelbſt⸗ verſtändlich die patriotiſchen die erſte Stelle einnahmen, Ausdruck fand, wurde der Rückweg nach Rüdesheim angetreten. Das gegenüberliegende, reizend gelegene Bingen wurde durch die Überfahrt in Nachen bald erreicht. Im Gaſthauſe zumDeutſchen Haus erwartete die Reiſenden das beſtellte Mittagsmahl, dem von allen die gebührende Ehre angethan wurde. Nach einem Spaziergange auf den Rochusberg, wo in dem von dem jetzigen Beſitzer, Herrn Wilhelm, prächtig hergerichteten Gaſthauſe bei einem Glaſe feurigen Rheinweins noch einige vergnügte Stunden zugebracht wurden, mußte der Rückweg zur Eiſenbahn angetreten werden, welche die Reiſegeſell⸗ ſchaft wohlbehalten und ſehr befriedigt von dem an Genüſſen ſchönſter Art reichen Tage nach Bensheim zurückbrachte.

Der Sedantag und der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Groß⸗ herzogs wurden feſtlich begangen.

Vom 22. bis 24. September 1884 wurde durch das von Großherzoglichem Mini⸗ ſterium des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten, hierzu beauftragte Lehrercollegium des Seminars in dieſer Anſtalt die erſte Prüfung der Schul⸗ amts⸗Aſpirantinnen, zu welcher ſich 14 Aſpirantinnen gemeldet hatten, abgehalten. Der mündlichen Prüfung am 24. September wohnte Herr Geheimer Oberſchulrat Greim bei.

Durch Allerhöchſte Entſchließung Seiner Königlichen Hoheit des Groß⸗ herzogs vom 22. Januar 1885 wurden dem in der Eigenſchaft als Volksſchullehrer angeſtellten Seminarlehrer Franz Schrod die Rechte eines Civilbeamten verliehen.

Bei der vom 4. bis 7. Februar d. J. in Darmſtadt ſtattgehabten erweiterten Prüfung war der Direktor Mitglied der Prüfungscommiſſion.

Am 30. Januar d. J. ſtarb nach längerem Leiden der Seminararzt Dr. Karl Krauß. Die Anſtalt hat in ihm einen gewiſſenhaften, liebevollen und geliebten Beamten verloren, deſſen Verdienſte um dieſelbe hiermit gebührend anerkannt werden. Lehrer und Schüler gaben ihm bei ſeiner Beerdigung am 1. Februar d. J. das letzte Geleite.

Nachdem die erledigte Stelle eines Seminararztes durch Dekret Großherzoglichen Miniſteriums des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegen⸗