Fuſammenlegung der Bensheimer Benifizien durch Anſelm Franz von Ingelheim 1686. Von Geistl. Rat Prof. E. Seipel.
Der Kurmainzer Amtmann Georg Hans von Ingelheim(† 8. Juni 1639) in Groß⸗Steinheim erſtattete am 15. April 1638 dem Kurfürſten Anſelm Caſimir von Wambold, dem„Sämann von Kurmainz'“, deſſen Gedächtnis der St. Sebaſtianus⸗Altar in der Bensheimer Pfarrkirche dient, einen Bericht über die troſtloſe Lage der Bevölkerung ſeines Amts⸗ bezirkes nach dem Schwedeneinfall in das Kurmainzer Gebiet und machte dann auf die Aufforderung ſeines Fürſten vom 22. April Vorſchläge über die Beſetzung einiger Pfarreien, zu denen die ſtark zuſammengeſchmol⸗ zene Bevölkerung der verſchiedenen Orte eingepfarrt werden könne, um doch wenigſtens der äußerſten religiöſen und ſittlichen Not zu ſteuern. Man wird das düſtere Bild, das er in ſeinem erſten Bericht entwirft, auch auf die anderen durch den Krieg heimgeſuchten Gebiete des Kur⸗ ſtaates, namentlich auch auf das Oberamt Starkenburg anwenden kön⸗ nen. Georg Hans konnte nicht ahnen, daß ſein damls noch nicht vier Jahre alter Sohn Anſelm Franz(geboren zu Köln 16. September 1634) berufen ſein werde, faſt ein halbes Jahrhundert ſpäter mitzuarbeiten an der Beſeitigung der von ihm berichteten Notſtände, beſonders auf kul⸗ turellem Gebiet.
Im rüſtigen Mannesalter am 7. November 1679 zum Erzbiſchof von Mainz gewählt und auf den erſten Kurſtuhl des Reiches erhoben, hat Anſelm Franz von Ingelheim das Werk des erſten Schönborners in Mainz auf dem Gebiet des Schulweſens fortgeführt. Am 20. April 1682 verfügte er: alle Kinder von ſechs bis zwölf Jahren ſollen auf den Dör⸗ fern im Winter, nemlich von Allerheiligen bis Oſtern zur Schul gehalten werden, und erneuerte dieſen Erlaß am 12. November desſelben Jahres mit dem Anfügen: Falls Eltern ihre Kinder nicht in die Schule ſchicken, ſollen dieſelben dennoch einen als den andern Weg den Schulmeiſtern das gewöhnliche Schulgeld zu geben genötigt werden. Im folgenden Jahre begannen die großen Volksmiſſionen durch die Jeſuitenpatres Eichbrodt, Mergel, Metz und Walraff auf Koſten der kurfürſtlichen Kam⸗ mer, die ſich mehrere Jahre über das ganze Erzſtift erſteckten, und mit denen auf beſondere Anweiſung des Erzbiſchofs vom 25. Oktober 1685
53


