Humanismus(ſeit 1916) das Griechentum— denn dieſes ſteht im Vor⸗ dergrund— als„Leitbild der Kultur und erſtmalige Prägung der gei⸗ ſtigen Formen überhaupt, mit denen ſich alle folgende Geſtaltung euro⸗ päiſcher Kultur auseinandergeſetzt und dadurch ſich ſelbſt geformt hat.“
Spürbaren Einfluß zu gewinnen, hat der„erneuerte“ Humanis⸗ mus keine Zeit mehr gehabt, denn alle Anſätze wurden durch den Aus⸗ bruch der nationalen Revolution wieder erſtickt. Dafür hat ſie, die die Erziehung des deutſchen in ſeiner Volksgemeinſchaft aufgehenden Men⸗ ſchen als oberſtes Geſetz verkündet,— gerade den Weg zu einer Wieder⸗ geburt der Antike frei gemacht, ſo verblüffend das zunächſt für den Uneingeweihten klingen mag. Denn ſie brachte uns die Erkenntnis, daß ſich in den ſchöpferiſchen Leiſtungen des klaſſiſchen Altertums die Aus⸗ wirkungen nordiſchen Menſchentums wiederfinden, daß alſo die Er⸗ ſcheinungen dieſer Antike nunmehr als„urſprünglicher Ausdruck einer trotz aller Unterſchiede ähnlichen Geſamtlebenshaltung... anzuſehen ſind,.. die nur aus Blut, Inſtinkt und Urverwandtſchaft erklärt wer⸗ den kann.“ Damit iſt dem Gymnaſium neue fruchtbare Arbeit ermöglicht, indem es— um wenigſtens dieſes eine Beiſpiel aus der unterrichtlichen Wirklichkeit zu bringen— bei der Auswahl und Behandlung ſeines Bildungsſtoffes das Schwergewicht nicht nur verlegt vom Literariſch⸗ Aeſthetiſch⸗Ethiſchen aufs Politiſch⸗Geſchichtliche, ſondern auch auf„die Prinzipien der Raſſe und des Volkstums.“*) In dem Maße, wie ihm das gelingt, wird es, das ſich ſeiner Vergangenheit nicht zu ſchämen braucht, ſeine Zukunft ſichern. Dabei ſpielt die Frage der äußeren Form, der Organiſation, nur eine untergeordnete Rolle in einer Zeit, die mit ſo vielem Althergebrachten hat brechen müſſen. Indeſſen hat Miniſterial⸗ rat Dr. Benze auf der Gautagung der Fachſchaft„Höhere Schule“ im Dezember 1935 in Magdeburg erklärt, neben der der Deutſchen Ober⸗ ſchule naheſtehenden Einheitsform werde vermutlich da, wo ein Bedürf⸗ nis vorliege, als Sonderform das Gymnaſium beſtehen bleiben. Und
*) Die Fachſchaften des NS.⸗Lehrerbundes ſind eben damit beſchäftigt, neue Leſe⸗ pläne aufzuſtellen oder durchzuprüfen; darauf kann hier nicht eingegangen wer⸗ den. Aber es ergeben ſich in ungeahnter Fülle Möglichkeiten, antikes Geiſtes⸗ gut zum Verſtändnis brennender Gegenwartsfragen heranzuziehen. Dafür nur ein kurzer Hinweis! Wie iſt z. B. die Bedeutung eines Cäſar oder eines Tacitus für die germaniſche Frühzeit gewachſen! Wie wertvoll erweiſen ſich Thukydides mit ſeinen tiefgründigen politiſchen Reden und Platon, von dem wir wegen ſeiner Zucht⸗ und Erziehungsgedanken und ſeiner ſtaatsphilo⸗ ſophiſchen Betrachtungen auch die bezeichnendſten Stellen aus dem„Staat“ und den„Geſetzen“ in unſeren Kanon aufgenommen haben!
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