Jahrgang 
1936
Einzelbild herunterladen
  

drei höheren Lehranſtalten wurde jede in den Stand geſetzt, ihre Eigen⸗ art nunmehr kräftig zu betonen. Das bedeutete für das Gymnaſium nach der bereits früher erfolgten Preisgabe u. a. des lateiniſchen Aufſatzes und unter Verzicht auf einige altſprachliche Stunden Zurückdrängung der vorherrſchenden formaliſtiſchen und grammatiziſtiſchen Geſichtspunkte zugunſten eines tieferen Eindringens in den geiſtigen Gehalt der zu behandelnden Schriftſteller und damit des antiken Kulturlebens über⸗ haupt. Ein zielbewußteres Zuſammenarbeiten des griechiſchen und latei⸗ niſchen Unterrichts unter ſich wurde hinfort angeſtrebt und ebenſo ſeine innigere Verknüpfung mit den Kernfächern des Deutſchen und der Ge⸗ ſchichte. Umfangreiche Sitzungsberichte und eingehende Sonderlehrpläne für die einzelnen Fächer zeugen auch in unſeren Schränken von der auf dieſe Abſicht gerichteten Tätigkeit, deren Auswirkung ſich freilich in den uns zur Verfügung ſtehenden Quellen nicht ohne weiteres erkennen läßt. Darüber Auskunft zu geben, würden die Ueberlebenden der damaligen Lehrergeneration und der von ihnen betreuten Schüler am eheſten be⸗ rufen ſein.

Gerade in dieſem Abſchnitt findet auch die Tätigkeit eines Mannes ihren Abſchluß, der vielleicht als die eigenartigſte Perſönlichkeit in der Geſchichte des Bensheimer Gymnaſiums anzuſprechen iſt: 1893 trat nach faſt 50jährigem Wirken Prof. Dr. Stoll in den Ruheſtand. Was ihn, den vielſeitigen Gelehrten und originellen Menſchen auszeichnete, der ſich nach uns vorliegenden Erinnerungsblättern ein unvergängliches Denkmal in den Herzen ſeiner Schüler geſetzt haben muß, iſt ſeiner Zeit von Prof. Henkelmanniin der Feſtzeitung zur erſtenWiederſehens⸗ feier 1928 teilweiſe unter Benutzung ſchon früher von Prof. Dr. Kief⸗ fer bearbeiteten Materials ausführlich gewürdigt worden.

Die friedliche Arbeit wurde bis zum Ausbruch des Weltkriegs nicht geſtört. Und auch diejenigen Ereigniſſe, die in den üblichen alljährlichen Kreislauf des Unterrichtsbetriebes eine gewiſſe Abwechſlung hineinbrach⸗ ten, bildeten ſchließlich ſelbſt wieder nur eine regelmäßige Erſcheinung, wie z. B. die Beſuche durch Vertreter der ſtaatlichen vorgeſetzten Behörde und kirchlicher Würdenträger. Die meiſt auf die unteren Klaſſen be⸗ ſchränkten öffentlichen Prüfungen, die zum letzten Mal 1896 abge⸗ halten wurden und bis 1890 mit einer ſogenannten Schlußfeier verbun⸗ den waren, ſowie die feſtlichen Akte an patriotiſchen Gedenktagen übten ihre Anziehungskraft auch immer wieder aus auf einen Teil der Eltern⸗ ſchaft und Freunde des Gymnaſiums. Gerade die Schilderungen der zuletzt

36