Jahrgang 
1936
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ſenſchaftliche Bildung von höherer menſchlicher Bildung getrennt gedacht werden kann, daß es alſo wiſſenſchaftlich gebildete Männer geben kann, denen höhere menſchliche Bildung abgeht, daß es aber die Aufgabe des Gymnaſiums ſei, durch das Mittel wiſſenſchaftli⸗ cher Bildung zugleich auch höhere menſchliche Bildung zu bewirken, weil alles Wiſſen ohne Humanität dem künftigen Diener des Staates und der Kirche nur eine unzureichende Vorbereitung zu gewähren vermag.“ „Ein Gymnaſiallehrer wird ſich nicht damit begnügen, ſeinen Schülern eine gewiſſe Summe von poſitiven Kenntniſſen und Fertigkeiten mitzu⸗ teilen, von denen im ſpäteren Leben je nach der Abnahme des Gedächt⸗ niſſes und der Unterlaſſung fortgeſetzter Uebung naturgemäß ein großer Teil verloren gehen wird. Er wird vielmehr ſtets vor Augen haben, daß, wie das Gymnaſium der alten Griechen zuerſt dem Schönheitsſinn diente und Gewandtheit und Kraft der Glieder des Leibes zu entwickeln ſuchte, ſo das deutſche Gymnaſium ſittliche Schönheit und geiſtige Kraft und Gewandtheit zu bewirken die Aufgabe habe.“

„Das Beſte, Wertvollſte und Höchſte, was der Menſch beſitzt, iſt ein normal ausgebildeter Geiſt..„ da nun erlangtes Wiſſen durch eine allſeitige Ausbildung des Geiſtes erſt die rechte Raſchheit der Bewegung, Planmäßigkeit der Richtung, Kraft und Schönheit der Entfaltung ge⸗ winnt, ſo kann in Wahrheit geſagt werden, daß der Jugend auf einem anderen Wege als dem bezeichneten eine große Wohltat nicht zugewen⸗ det werden wird.“

Seinen Bericht über das Feſt der Einweihung ſchließt der Direktor mit den Worten:„Möge das Haus unter Gottes gnädigem Schutz recht lange den erhabenen Zwecken dienen, zu welchen es erbaut ward; möge es immerdar ſein eine Pflanzſtätte des Wahren, Guten und Schönen zur Bildung des Verſtandes durch Wiſſenſchaft, des Geſchmackes durch Kunſt, der Sittlichkeit durch Religion und Tugend. Möge es allen, die es zum Zwecke ihrer Bildung aufſuchen, beim Scheiden mitgeben, was es in goldenen Buchſtaben auf weißer Marmortafel am Eingang verſpricht: „Haec studia adolescentiam alunt, senectutem oblectant, secundas res ornant, adversis perfugium ac solatium praebent, delectant domi, non impediunt foris, pernoctant nobiscum, peregrinantur, rusticantur.“

„Dieſe unſere Wiſſenſchaften nähren die Jugend, ergötzen das Alter, ſind im Glücke eine Zierde, gewähren im Unglück Zuflucht und Troſt, ſind daheim ein Gegenſtand des Wohlgefallens, draußen kein Hindernis, übernachten mit uns, begleiten uns auf Reiſen und aufs Land.“

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