Unwürdiges Verhalten von Schülern außerhalb der Schule zwang den Direktor immer wieder, gegen mancherlei Vergehen wie Wirtshausbeſuch, Kartenſpiel einzuſchreiten; ſchwere Strafen wur⸗ den verhängt, ſo Karzer von ein⸗ ſelbſt dreitägiger Dauer(an ſchul⸗ freien Tagen natürlich). Eine Zeitlang(1863) beſtand ſogar eine Schülerverbindung Concordia mit den Farben Schwarz⸗weiß⸗ rot; die Mitglieder verſammelten ſich in einem Wirtshaus, das zur Ver⸗ meidung einer Entdeckung von Zeit zu Zeit gewechſelt wurde, an Wo⸗ chentagen von 4 Uhr ab bis zum Abendeſſen. Das Kneiplokal war mit einem Schild in den Farben der Verbindung und dem heſſiſchen Löwen geſchmückt; Satzungen waren ausgearbeitet, und die Mitglieder zahlten einen wöchentlichen Beitrag von 6 Kr.— Dieſe Schülerherrlichkeit wurde ſchließlich entdeckt, die 2 Hauptbeteiligten wurden auf ein Jahr„exclu⸗ diert“ und warfen dem Direktor zum Dank in einer Nacht 5 Fenſter⸗ ſcheiben ſeiner Wohnung ein.
In der Folgezeit begegnen wir immer wieder den Verſuchen zur Gründung von Schülerverbindungen; manche(Teutonia) hatten eine kurze Lebensdauer; aber ihr Schickſal war immer das gleiche: ſofortige Auflöſung der Verbindung und ſchwere Beſtrafung— meiſt consilium abeundi— der Schuldigen.
Sogar ein Piſtolenduell verzeichnen die Annalen zwiſchen 2 Schü⸗ lern der Untertertia und einem Nichtſchüler aus Darmſtadt,„das durch eine bübiſche Einfältigkeit hervorgerufen wurde.“„Der Neuheit der Sache wegen“ wurden die Uebeltäter mit der Ausweiſung beſtraft.
Die Leitung des Gymnaſiums lag von 1861 bis 1867 in den Hän⸗ den des Direktors Schoeller. Sein Nachfolger war von da ab bis 1877 Dr. Joh. B. Geyer. Unter ihm ſiedelte das Gymnaſium im Herbſt 1869 in das alte Kreisamtsgebäude(heute Polizei⸗ amt) über, das durch zweckmäßige Umbauten zu einem Schulhaus her⸗ gerichtet wurde. Die Koſten betrugen etwa 6 000 Gulden, und als im Jahre 1874 ein dritter Stock aufgeeſetzt wurde, ſchoß die Stadt Bensheim auch hierfür die Koſten in Höhe von 13 400 Gulden vor, und der Staat übernahm die Zahlung von jährlich 600 Gulden Zinſen an die Stadt..
Die Dauer des gymnaſialen Lehrgangs wurde in den dreißiger Jahren auf 8 Jahre für alle Schüler feſtgeſetzt, und das Gym⸗ naſium zählte 4 Klaſſen: Quarta, Tertia, Sekunda und Prima, deren
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