Jahrgang 
1936
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Für die Unterrichtsgeſtaltung war der von der Regie⸗ rung aufgeſtellteStudienplan für die Bensheimer Schulen vom Jahre 1804 von einſchneidender Bedeutung. Der erſte Abſchnitt dieſer Schulordnung beſchäftigt ſich mit der Volksſchule, der zweite Teil beſtimmt die Aufgaben, die methodiſchen Grundſätze und die Schulzucht für das Gymnaſium. Es heißt da wörtlich:Das Gymnaſium ſoll eine ſolche Einrichtung bekommen, daß zwar alle Kenntniſſe, ſo als Vorbereitung zu den höheren Wiſſenſchaften anzu⸗ ſehen ſind, darauf vorgetragen werden; daß aber auch ſolche Jünglinge, die ſich keiner ſogen. Fakultätswiſſenſchaft widmen wollen, mit Ueber⸗ gehung der toten Sprachen an demjenigen Realunterricht teilnehmen können, der ihnen in ihrem bürgerlichen Leben nützlich ſein kann, was bei dem mathematiſchen, geographiſchen, naturgeſchichtlichen und deut⸗ ſchen Sprachunterricht häufig der Fall iſt. So hat man damals ſchon den Gedanken derGabelung, einer freieren Geſtaltung des Unter⸗ richts, vertreten, die in den Jahren vor dem Weltkrieg als pädagogiſch empfehlenswert oder gar notwendig viel von ſich reden machte.

Religion, Deutſch, Latein, Griechiſch, Aeſthetik, Erdbeſchreibung, Ge⸗ ſchichte, Naturgeſchichte und Pſychologie waren die Lehrfächer; zu jedem enthält jene Schulordnung wertvolle didaktiſche und methodiſche Winke, ſpricht über Inhalt und Bildungswert der Lehrgegenſtände und zeigt ſo, wie damals ſchon die Anfänge einer wiſſenſchaftlichen Pädagogik ſich ent⸗ wickelten.

Hauptgrundſatz bei allem Unterricht war,von dem, was der Schü⸗ ler wiſſe, auf Reues überzugehen; die Lehrart ſolle analytiſch, die Form katechetiſch oder ſokratiſch ſein.

Es iſt nicht ohne Reiz, ſich in dieſe Fülle pädagogiſcher Winke, An⸗ ſichten und Forderungen zu vertiefen; viele von ihnen ſind gewiß ver⸗ altet, manche aber gelten auch heute noch als Forderungen unſeres Schulunterrichts: Mathematikz. B. iſtnicht nur allen Klaſſen von Menſchen in ihren bürgerlichen Verhältniſſen mehr oder weniger nötig und unentbehrlich, ſondern auch ein vorzügliches Mittel, die Verſtandes⸗ kräfte zu entwickeln. der Geſchichtsunterricht ſtellt dem Lehrer die Aufgabe,ſie für Verſtand und Herz nützlich zu machen, den Unter⸗ richt durch Fragen und untermiſchte Erzählungen zu beleben, Beiſpiele guter und böſer Handlungen aufzuſtellen, geeignete Lehren daraus zu abſtrahieren und die noch ſchwache Menſchenkenntnis ſeiner Zöglinge zu bereichern. Der lateiniſche Unterricht ſoll beſonders die

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