Das Schuljahr begann nach Allerheiligen, alſo am 3. oder 4. November und ſchloß Ende Auguſt. Die Ferien umfaßten die Monate September und Oktober und 2 Wochen nach Palmſonntag.— Der Unter⸗ richt fing nach dem gemeinſamen Beſuch der hl. Meſſe an und dauerte bis 10 Uhr und von 1—3 Uhr.
Wiederholt erhielt der Präfekt von dem erzbiſchöfl. Vikariat die Weiſung, häufig Viſitationen vorzunehmen und monatliche compositiones pro locis und am Ende des Schuljahres pro ascensu et pro praemiis zu ent-⸗ werfen. Ja, eine Verordnung von 1782 verpflichtet den Pfarrer, jähr⸗ lich dem Kurfürſten unmittelbar ſogar einen Bericht über Fleiß und Betragen der beiden Benefiziaten vorzulegen.— Solche Berichte über die Leiſtungen der unterrichtlichen Wirkſamkeit der beiden Benefiziaten lauteten nicht ſelten recht ungünſtig und ſtellten mit tiefem Bedauern den mangelhaften Zuſtand der Lateinſchule feſt. Es hat alſo auch damals ſchon ſchlechte Lehrer gegeben und nicht immer„taugliche, ge⸗ lehrte und fromme, die Luſt und Liebe zum Dozieren und Studieren bezeigten.“
An Prüfungen während der Schulzeit hat es damals nicht gefehlt; alle Schüler mußten ſich am Schluſſe eines jeden Vierteljahres einer öffentlichen und bei Jahresſchluß einer Hauptprüfung mit anſchlie⸗ ßender Preisverteilung unterziehen. Wie gut hat es da doch das heu⸗ tige Schülergeſchlecht!
Mit dem Uebergang der Stadt Bensheiman Heſſen auf Grund der Beſtimmungen des Reichsdeputationshauptſchluſſes(1803) beginnt auch in der Geſchichte des Bensheimer Gymna⸗ ſiumsein neuer Abſchnitt und einneuer Aufſtieg.
Unter dem Landgrafen Ludwig X., dem ſpäteren Großher⸗ zog Ludwig IJ., der als eifriger Förderer von Kunſt und Wiſſenſchaft ſich in der Geſchichte unſeres Heſſenlandes einen verdienten Namen ge⸗ macht hat, wurde die Bensheimer Lateinſchule zueinem Gym⸗ naſium erweitert. Für den Gedanken einer Erweiterung hat ſich beſonders der Geheime Staatsrat von Wreden mit allem Eifer ein⸗ geſetzt.„Aus ſeiner Feder floſſen ſeit der Zeit, da Bensheim heſſiſch ge⸗ worden, über 25 Jahre lang alle Verfügungen, denen das Bensheimer Gymnaſium ſeine Schöpfung, Entwicklung und neue Belebung in dieſer Periode verdankt.“
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