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Bensheim hatte für die beiden Tage großen Beſuch erwartet. Doch als das„alte Neſt“ am ſonnenhellen Samstag Nachmittag fahnengeſchmückt ſeine lieben Gäſte be⸗ grüßte, da war es erſtaunt, und erfreut, daß ſeine Erwartungen weit, weit übertroffen wurden. Es waren viel mehr ehemalige Schüler eingetroffen, als man bei großer Zu⸗ verſicht erwarten durfte. Alle Jahrgänge ſeit dem letzten Schultag im Jahre 1869 wa⸗ ren vertreten.
Eingeleitet wurde das Feſt durch einen Fackelzug der jetzigen Gymnaſiaſten. Beim Halt vor dem Hotel Deutſches Haus brachte Oberprimaner Boehe den Gäſten den Gruß der Jugend, der ebenſo wie die Antwort des Herrn Amtsgerichtsrats Schül⸗Offenbach die enge Zuſamengehörigkeit von„Jung und Alt“, von„Jetzt und Einſt“ betonte. Der Fackelzug endete mit einer zündenden Feuerrede des Herrn Studienrats Lüke und dem Abſingen des Deutſchlandliedes vor der ſtädt. Turnhalle in der Anlage.
Für den nun folgenden Begrüßungsabend hätten die beiden Säle des Deutſchen Hauſes größer ſein müſſen. Dem Vorſitzenden, Hern Amtsgerichtsrat Schül, wurde es ſchwer, mit der Begrüßungsanſprache durchzudringen. Denn Kopf an Kopf ſaßen die alten Pennäler jahrgangweiſe zuſammen in eifriger Unterhaltung und waren in ihrer erſten Wiederſehensfreude nicht auf Zuhören abgeſtimmt. Die überſchäumende Gewalt der gemeinſamen Erinnerungen war allzu ſtark. Nach den Worten herzlicher Begrüßung gab der Vorſitzende bekannt, daß in einer„Ausſchuß⸗Tagung“ die Vereinigung der ehe⸗ maligen Bensheimer Gymnaſiaſten beſchloſſen und gegründet worden ſei.
Zweck der Vereinigung iſt nicht nur die Abhaltung von Wiederſehensfeiern, ſon⸗ dern auch die Förderung des humaniſtiſchen Gymnaſiums und die Ermöglichung des Aufſtiegs würdiger und begabter Schüler. Mitglied der Vereinigung, deren Jahres⸗ beitrag auf 2 Mark feſtgeſetzt iſt, kann jeder ehemalige Schüler werden, der das Gym⸗ naſium bis Unterſekunda beſucht hat. Der Schultag ſoll alle 5 Jahre ſtattfinden. Die beiden kommenden Schultage ſind jedoch im Abſtand von 4 Jahren geplant, 1932 und 1936, da das Gymnaſium im letzteren Jahre ſein 250 jähriges Beſtehen feiert. Dieſe Vorſchläge des Ausſchuſſes wurden von der Allgemeinheit gebilligt und zum Beſchluß erhoben.
Herr Oberſtudiendirektor Kraemer, der jetzige Leiter der Anſtalt, begrüßte nun die Anweſenden im Namen desgeſchäftsführenden Ausſchuſſes und lud gleichzeitig zu einer im Gymnaſium von Herrn Studienrat Wolf zuſammengeſtellten Saun alter Gymnaſialbilder und Akten ein.
Herr Bürgermeiſter Dr. Angermeier begrüßte die Gäſte im Namen der Elndt. Seine Anſprache gipfelte in dem Wunſch, daß es den alten Pennälern auch heute in Bensheim wohlgefallen möge. Den gleichen Wunſch hatte auch die Ortspreſſe in warm⸗ herzigen Begrüßungsartikeln zum Ausdruck gebracht.
Die frohe Stimung der alten Pennäler ließ nichts zu wünſchen übrig. Gemeinſame Lieder, Muſikvorträge und reger Gedankenaustauſch ließen den munteren„Kneipgeiſt“ verfloſſener Studenten⸗ und Jugendjahre wieder fröhlich lebendig werden, der alle Gäſte bis zu frühen Stunden zuſammenhielt.—
Der Sonntag gehörte zuerſt den Toten. Im Schulhof des Gymnaſiums, vor dem Gedenkſtein, fand eine erhebende Feier ſtatt, in deren Mittelpunkt die weihevolle Ge⸗ dächtnisrede des Herrn Prof. Hattemer aus Worms ſtand. Nach der Totengedenk⸗ feier marſchierten die Teilnehmer in geſchloſſenem Zuge zum„Deutſchen Haus“ zum Feſt⸗ akt, für den folgende Vortragsfolge vorgeſehen war:


