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IV. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr 1914/15 begann Donnerstag, den 23. April mit der Aufnahme- prüfung der neuangemeldeten Schüler und der allgemeine Unterricht tags darauf.
Am 16. Juli verschied in Darmstadt Lehramtsassessor Dr. Wilhelm Heyl an den Folgen einer Operation, die eine schwere Ohrentzündung nötig gemacht hatte. Seit Ostern 1910 mit Unterbrechungen an unserer Anstalt tätig, wusste er sich durch Gewissenhaftigkeit in seinem Berufe und freundliches Wesen im Umgang die Achtung seiner Amtsgenossen und die Anhänglichkeit seiner Schüler in hohem Masse zu er- werben. Bei der Beerdigung am 19. Juli widmete Prof. Dr. Biel als Vertreter des ab- wesenden Direktors dem allzufrüh Entschlafenen einen ehrenden Nachruf und legte im Namen des Lehrkörpers eine Kranzspende am Grabe nieder.
Mitten aus seiner friedlichen Beschäftigung wurde Ende juli unser deutsches Volk jäh herausgerissen. Ruhmsucht und Rachsucht, Ländergier und Herrschafts- dünkel, Krämergeist und Neid, Heimtücke und Heuchelei, Mordsinn und Diebsgelüste, Lüge und Verleumdung,— kurz alle Mächte der Finsternis liessen Frankreich und Russ- land, England und Belgien, Serbien, Montenegro und Japan zu einem höllischen Ver- schwörerbund gegen den friedlichen Wettbewerb werktätiger Arbeit und die sittlichen Mächte völkerverbrüdernder Kultur zusammentreten, um unser deutsches Vaterland und seinen treuen Bundesgenossen Oesterreich-Ungarn, zu dem später noch die Türkei hin- zutrat, zu überfallen, zu berauben, zu zerstückeln und von der Erde zu tilgen. Und während noch ringsum die Wetterwolken eines Weltkrieges sich drohend zusammenballten, brachen auch schon die Schrecken der Kriegserklärung, die Aufregungen der Mobil- machung und die bangen Sorgen um die Zukunft mit Urgewalt über uns herein. Aber die einmütige Erhebung aller deutschen Stämme und Volksgenossen, das ununter- brochene Fluten begeisterter Kämpferscharen an die bedrohten Reichsgrenzen und bald auch die Kunde herrlicher Waffenerfolge milderten schon nach kurzer Zeit die qualvolle Spannung ab und lösten allenthalben felsenfestes Vertrauen auf den Sieg unserer gerechten Sache und frohe Zuversicht auf die Stärke der Kräfte aus, die unser Volk zu einem Leib, einem Geist und einem Willen zusammenschmiedeten.
Dass dieses grauenvoll-erhabene Schauspiel des Weltkampfes zweier Kultur- und Völkergruppen, diese Schicksalsstunde Deutschlands auch unsere Schule in ihrem äusseren Gefüge und ihrem inneren Wesen aufs mächtigste ergriff, ist nur natürlich. Das klare Verständnis für die trübe Not unserer Heimat und die hehre Begeisterungs- fähigkeit für die Ildeale warmherziger Vaterlandsliebe und hingebender Treue rissen sofort nach der Kriegserklärung nicht wenige Lehrer und Schüler von dem Verbande der Anstalt los und trieben sie zu pflichtgemässer und freiwilliger Dienstleistung bei der Waffe oder unter dem Zeichen des Roten Kreuzes.
Zunächst wurde der Lehrkörper durch den Kriegsausbruch stark in Mit- leidenschaft gezogen. Die Amtsgenossen Prof. Dr. Biel und Prof. Dr. Langstroff erboten sich trotz ihres schon erfolgten Ausscheidens aus dem Heeresverband sofort zu militärischen Dienstleistungen; ersterer übernahm als Oberleutnant der Landwehr a. D. vom 1.— 17. August die Bahnhofswache zu COross-Gerau, letzterer versah in gleicher Eigenschaft das Amt eines Kompagnieführers im Ersatz-Bataillon Inf.-Reg. 118 zu Worms vom 6. September bis 3. Oktober, musste es aber dann wegen Erkrankung niederlegen.
Lehramtsassessor Zwissler wurde am 5. August zur Ersatzreserve eingezogen und bis Ende September bei Befestigungsarbeiten in der Umgegend von Mainz]ver- wendet, dann aber wieder beurlaubt; Lehramtsassessor Wolf trat am 3. August als Lt. der Res. im Inf.-Reg. 117 bei dem Rekrutendepot Gonsenheim, später bei dem Land- sturm-Bataillon Erbach i. O. in Tätigkeit und ist seit Dezember 1914 in dem Kriegs- gefangenenlager zu Meschede i. W. beschäftigt; Oberlehrer Dr. Köhler wurde am gleichen Tage als Lt. der Res. beim Inf.-Reg. 118 zum Adjutanten bei der Kommandantur


