Jahrgang 
1906
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IV. Geschichte der Anstalt.

Das neue Schuljahr begann Montag, den 1. Mai 1905; es brachte eine erhebliche Steigerung der Anmeldungen für Sexta.

Durch Verfügung Gr. M. d. I., A. f. Sch. vom 10. April wurde Herr Lehramtsassessor Dr. Ruhl mit der provisorischen Verwaltung einer Lehrerstelle ab 1. Mai betraut.

Einem vielfach geäusserten Wunsche aus Elternkreisen entsprechend, entschloss sich das Gymnasium zu einer Anderung seiuer bisherigen Ferienordnung, die durch Ministerialverfügung vom 7. April Genehmigung fand. Darnach sind mit Wirkung von dem Schuljahr 1905/6 an folgende Ferien eingeführt:

1. Osterferien 2 ½ Wochen und zwar 1 Woche vor und 1 ½ Wochen nach Ostern. Pfingstferien ½ Woche von Pfingstmontag bis Mittwoch einschliesslich. Sommerferien 4 Wochen, beginnend mit dem 2. Montag im Juli.

Herbstferien 2 Wochen vom 1. Montag des Oktober an. Weihnachtsferien 2 Wochen wie bisher.

Die Einführung einer Niederdruck-Dampfheizung im Gymnasialgebäude hatte erhebliche bauliche Veränderungen im Gefolge und mussten daher die Sommerferien um 1 Woche verlängert werden. Zur teilweisen Ausgleichung dieser Verlängerung werden gemäss Ministerialverfügung vom 31. März die Osterferien 1906 um eine halbe Woche gekürzt, so dass das Schuljahr erst Mittwoch, den 11. April schliesst.

Am 9. Mai veranstaltete das Gymnasium in den geräumigen Sälen des HotelsDeutsches Haus eine öffentliche Schillerfeier, die sehr stark besucht war. Herr Prof. Becker hielt die Festrede, in der er ein treffendes Bild von Schiller als Dichter und Mensch entwarf und namentlich seine hohe Bedeutung für die deutsche Jugend eindringlich betonte. Schüler der einzelnen Klassen trugen Gedichte und dramatische Scenen vor, die für den Lebensgang des Dichters besonders charakteristisch sind, und der Schülerchor verschönte die Feier durch entsprechende Gesänge.

Am 24. August unternahm die Anstalt unter Leitung des Lehrerkollegiums einen Ausflug in die Blumenausstellung zu Darmstadt und machte von da grössere und kleinere Spaziergänge.

Der Geburtstag Ihrer Kgl. Hoheit der Grossherzogin(17. September) wurde am voraus- gehenden Samstag durch Ausfall des Unterrichts gefeiert.

Am Schlusse des Sommerhalbjahrs fand unter dem Vorsitz des Direktors als Regierungs- kommissärs eine ausserordentliche mündliche Reifeprüfung statt, der sich 1 Schüler mit Erfolg unterzog.

Der Geburtstag Seiner Kgl. Hoheit des Grossherzogs wurde am 25. November durch eine Schulfeier in der Turnhalle festlich begangen. Herr Oberlehrer Bodenstein entwarf in seiner gehaltvollen Ansprache ein anziehendes Lebensbild des Grossherzogs Ludwigs I. und Schüler trugen entsprechende Gedichte vor.

Durch die Gnade Seiner Kgl. Hoheit wurde zum gleichen Tage dem Unterzeichneten das Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Grossmütigen verliehen.

An einem Kursus zur Ausbildung freiwilliger Krankenträger beteiligten sich 24 Schüler der Prima. Herr Prof. May führte die Aufsicht und der praktische Arzt Herr Dr. Neumann dahier übernahm die Unterweisung der Schüler, wofür beiden Herren auch an dieser Stelle der ge- bührende Dank ausgesprochen werden soll.

Einen Anfänger-Kursus für Gabelsberger Stenographie leitete wie im vorhergehenden