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IV. Geschichte der Anstalt.
Das neue Schuljahr begann Montag, den 20. April 1903.
Am 27. April starb Herr Prof. Wilhelm Kaufmann, der von 1854— 1889, fast 36 Jahre lang, ununterbrochen dem Lehrerkollegium angehört hatte und durch seine Liebens- würdigkeit und Berufstreue allenthalben geachtet und geehrt war. An seinem Leichen- begängnis beteiligte sich das ganze Kollegium und der Unterzeichnete widmete in dessen Namen am Grabe des Entschlafenen einen Kranz.
Vom 23. März bis 2. Mai war Herr Prof. Dr. Langstroff zu einer sechswöchigen militärischen Ubung eingezogen. Desgl. nahm während der Osterferien Herr Prof. Dr. Biel an dem naturwissenschaftlichen Fortbildungskursus in Giessen und Herr Oberlehrer Bodenstein in der Zeit vom 2.—10. Juni an dem archäologischen Anschauungskursus für Gymnasiallehrer teil. Die Vertretung der genannten Herren übernahm, soweit sie-
die Schulzeit fiel, der Direktor und das Lehrerkollegium.
Am 23. Juni starb der Geheime Schulrat Mühr, ehemaliger Direktor des Schul- lebrerseminars dahier. Der Unterzeichnete gedachte bei der Leichenfeier im Namen des Lehrerkollegiums unserer Anstalt der grossen Verdienste und der gewinnenden Persön- lichkeit des Verewigten und legte als Zeichen pietätvoller Erinnerung am Grabe eine Blumenspende nieder.
Durch den Tod des Oberprimaners Reinig, der am 23. September unerwartet im Elternhause starb, hatte die Anstalt den Verlust eines braven Schülers zu beklagen. Die Klasse des Verstorbenen gab unter Führung des Herrn Pfarrer Ausfeld ihrem toten Kameraden das letzte Geleite bei der Beerdigung in Neu-Jsenburg und ehrte ihn durch echt kameradschaftliche Treue.
Im Laufe des Schuljahres fand ein Schönschreibkursus an der Anstalt, sowie unter Leitung des Herrn Lehrers Michel in der Gewerbeschule dahier ein Kursus zur Erlernung der Gabelsberger'schen Stenographie statt, an denen sich je 13 Schüler beteiligten.
Endlich wurde wie im vorigen Jahre ein Kursus für freiwillige Krankenträger abge- halten, an dem sich 20 Schüler der Prima unter Aufsicht des Herrn Oberlehrers Dr. Mayer beteiligten. Die Ausbildung übernahm abermals in liebenswürdigster Bereit- willigkeit der praktische Arzt Herr Dr. Neumann dahier, wofür ihm auch an dieser Stelle der gebübrende Dank abgestattet wird.
Am 4. November unterzog der Grossh. Landesrabbiner Dr. Marx zu Darmstadt die israelitischen Schüler der Anstalt einer Religionsprüfung.
Dienstag, den 16. November, wurde das ganze Hessenland durch den jähen Tod. Ihrer Königl. Hoheit der Prinzessin Elisabeth, des einzigen Kindes unseres geliebten Grassherzogs Ernst Ludwig, in tiefe Trauer versetzt. Demzufolge wurde auch der hohe- Geburtstag unseres Landesfürsten am 25. November von der Schule in ernster Feier begangen. Der Unterzeichnete gedachte in seiner Ansprache der improvisa vis leti und- mahnte die Schüler an das Gelöbnis unverbrüchlicher Hessentreue.
Am 27. Januar fand in der festlich geschmückten Turnhalle eine öffentliche Kaiser- feier statt, welche sich eines ausserordentlich starken Besuches zu erfreuen hatte. Zur Aufführung gelangte Schillers Glocke, komponiert von Romberg, wührend Herr Prof.


