c) Einrichtung des wiſſenſchaftlichen Unterrichts.
Oehrziele und Unterrichtsſtoffe unſerer Realſchule werden dadurch beſtimmt, daß ſie als die einzige höhere Schule einer Oandſtadt und der zugehörigen, vorwiegend landwirtſchaftlichen Umgebung zwei Auf⸗ gaben zugleich zu erfüllen hat: einer Mehrzahl von Schülern dasjenige Maß von Renntniſſen und Ein⸗ ſichten zu vermitteln, welches ſie befähigt, gehobene Stellungen in praktiſchen Berufen oder als Beamte einzunehmen; einen kleineren Teil der Schüler aber wiſſenſchaftlich ſoweit zu fördern, daß ſie nach dem Beſuche der oberen Klaſſen einer Vollanſtalt ſich auf einer Hochſchule irgenodwelcher Art für die höheren Aufgaben in Wirtſchaft, Technik, Wiſſenſchaft und Verwaltung ausbilden können. Die Realſchule hat alſo praktiſche und wiſſenſchaftliche Ziele zugleich im Auge zu behalten und findet dabei noch eine beſondere dankbare Aufgabe darin, daß ſie ihre ſpäter in die verſchiedenſten Berufe und Oebensſtellungen übergehen⸗ den Schüler dazu befähigt, auch Oeiſtungen auderer Berufsklaſſen nach ihren Anforderungen wie nach ihrem Werte verſtändnisvoll zu würdigen.
Die Realſchule iſt keine Fachſchule; ſie bemüht ſich um die allgemeine intellektuelle und ſittliche Ent⸗ wicklung ihrer Schuͤler, vermittelt ihnen die für alle Oebens⸗ und Arbeitsgebiete notwendigen Vorkenntniſſe, Ein⸗ ſichten und Fahigkeiten und eröffnet ihnen nur die erſten Einblicke in die Sonderaufgaben der verſchiedenen Berufe. Da ſie nur die Unter⸗ und Mittelſtufe einer höheren Schule umfaßt, ſind ihre Unterrichtsauf⸗ gaben mehr grundlegenden und allgemeinverbindlichen Charakters. Doch ſucht ſie in ihren oberen Klaſſen auch der erwachenden Individualität ihrer Schüler entgegenzukommen und ſie zu immer ſelbſtändigerem Arbeiten anzuleiten, wie es auf der Oberſtufe einer Vollanſtalt gefordert werden muß, aber auch in prak⸗ tiſchen Berufen heute unerläßlich iſt.
Der Sonderlehrplan der Wildunger Realſchule bezeichnet als die Kerngebiete, um welche ſich die Sonderaufgaben der einzelnen Unterrichtsfächer oroͤnen, für Kl. VI: Das häusliche und öffentliche Oeben; die Heimat— fuͤr V: Das Vaterland; Grundzüge ſeiner Oandſchaft, Natur, Volksart, Seſchichte und ſtaat⸗ lichen Oroͤnung— für IV: Das Altertum und ſein Erbe; Deutſchlands Frühzeit im Verbande des römiſch⸗ germaniſchen Kulturkreiſes— für U III: Das deutſche Mittelalter und ſein Erbe; Deutſchlands Beziehungen zu den außereuropäiſchen Erdteilen— für O III: Die Grundlegung des neuzeitlichen Geiſtes⸗, Wirtſchafts⸗ und Staatslebens in Deutſchland, Frankreich und England vom 16. bis 18. Jahrhundert— für U’IlI: Deutſche Sonderart und Deutſchlands Stellung in der heutigen Welt; Oebensverhältniſſe und Aufgaben der Gegenwart.
Die in den drei oberen Klaſſen im abgelaufenen Schuljahre dem Unterricht im Deutſchen und in den Fremoͤſprachen zu Grunde gelegten literariſchen Werke waren folgende:
Deutſch: U III S. H. Nibelungenlied(Auszug) Alexis, Die Hoſen des Herrn von Bredow W. H. Hoffmann, Meiſter Martin der Küfner Wildenbruch, Die Quitzows
O III S. H. Hans Sachs(Auswahl) Grimmelshauſen, Der Jäger von Soeſt(aus dem Simpliziſſimus) Homers Ooͤyſſee(Auszug) W. H. Porger, Moderne erzählende Proſa I. Schiller, Wilhelm Tell
UII1. V.⸗J. Oeſſing, Minna von Barnhelm dauff Das Bild des Kaiſers roſte⸗Hülshoff, Die Judenbuche 2. V.⸗J. Goethe, Henmann und Dorothea „ ichtung und Wahrheit(Auswahl) 3. V.⸗J. Hebbel, Agnes Bernauer Storm, Der Schimmelreiter 4. V.⸗J. Bürgel, Vom Arbeiter zum Aſtronomen Shakeſpeare, Julius Cäſar
Franzöſiſch: U III Bruno, Oe tour de la France O II Daudet, 11 Erzählungen(Bielefeld, Velhagen& Klaſing) U II Conteurs de nos jours, 1. Reihe.(Berlin, Flemming u. Wiskott) Engliſch: O III Marryat, Maſterman Ready(Hannover, Meyer⸗Prior) U II Stevenſon, Treaſure Island(Frankfurt a. M., Dieſterweg)


