An den Urlaubsantritt des erkrankten Direktors hatte man die sichere Hoffnung geknüpft, dass «die nun mögliche Ruhe und Pflege bald Kräftigung seiner Gesundheit und Besserung seines Leidens be- wirken werde. Leider sollte sich diese Hoffnung nicht erfüllen; denn schon am 9. Februar wurde er von einem Schlaganfall auf ein schweres Krankenlager geworfen, von dem ihn der Tod am 18. Februar ‚erlöste. Er starb in noch kräftigem Mannesalter nach, kaum vollendetem 52. Lebensjahre.
Dr. Karl Germann wurde am 10. Dezember 1847 im benachbarten Orte Hangen-Weisheim ge- boren, wo sein Vater damals Lehrer war. Von Ostern 1862 ab besuchte er die Gymnasien zu Kreuznach und Worms ünd bestand an letzterer Anstalt Ostern:1867 sein Maturitätsexamen. Auf der Universität Giessen widmete er sich zuerst 2 Semester der Theologie, sodann der klassischen Philologie. Im Dezember 1372 bestand er in letzterem Fache seine Fakultätsprüfung und war als Lehrer der. klassischen Sprachen ‚zuerst an der Realschule zu Offenbach und dann am Gymnasium in Darmstadt thätig. Ostern 1886 wurde er mit der Direktion unserer Anstalt betraut. In die Zeit dieser Amtsthätigkeit fällt die Feier les fünfzigjährigen Bestehens der Anstalt. Die damit verbundenen festlichen Veranstaltungen wusste er so zu leiten, dass sie eine höhere Weihe erhielten und den Teilnehmern dauernd in schöner Erinnerung bleiben werden. Aus gleichem Anlass veröffentlichte er in den Schulprogrammen von 1891 und 1892 die Geschichte der Anstalt in ausführlicher und klarer Darstellung. Die Anstrengungen seines Berufes hatten schon manchmal in früheren Jahren seinen Gesundheitszustand geschwächt, aber seine grosse Willensstärke liess ihn trotzdem nicht ermüden in der Erfüllung seiner Pflichten, und es war für ihn ein schwerer Entschluss noch kurz vor seinem Tode um den dringend notwendigen Urlaub nachzusuchen.
Die Lehrer und Schüler der Realschule geleiteten ihn zur letzten Ruhestätte. Der Unterzeichnete legte im Namen des Lehrerkollegiums und der Schüler Kränze an der Bahre nieder und würdigte seine Verdienste um die Anstalt mit folgenden Worten:
„Die Lehrer verbinden mit diesem Zeichen der Trauer den Ausdruck des Dankes für das Wohl- wollen, das der Verstorbene ihnen als Vorgesetzter, für die Treue, die er ihnen als langjähriger und bewährter Mitarbeiter, und für die aufrichtige Teilnahme, die er ihnen aus wahrer und echter Freund- ‚schaft in allen Fällen des Lebens bewies. Die Lehrer werden Treue mit Treue vergelten und Treue bewahren auch über das Grab!
Mit Gefühlen dankbarer Liebe widmen die Schüler der Anstalt ihr Zeichen der Trauer. Reiche Gaben an Geist und Gemüt machten den Verstorbenen zu einem tüchtigen Lshrer und edlen Erzieher; denn er konnte belehren aus den reichen Schätzen seines Wissens und anregen und pflegen die edlen "Triebe der jugendlichen Seelen aus der Fülle seines Gemüts. Die Humaniora, die er lehrte, hatten für ihn nicht allein den Wert einer vollendeten Form, sondern einen idealen Gehalt, der sein ganzes Wesen und Wirken verklärte. Darum war er dem Schwachen eine kräftige und unermüdliche Stütze, darum war er den menschlichen Schwächen und jugendlichen Fehlern ein milder Beurteiler und nachsichtiger Richter. Die Anerkennung und der Dank für sein Wollen war das volle Vertrauen seiner Schüler und ser Lohn ist ein treues Gedenken auch über das Grab.
Mit Würde und Pflichttreue hat der Verstorbene das ihm anvertraute Amt verwaltet und seine Anstalt geleitet in versöhnlich christlichem Sinn und vaterländischem Geist. Sein Wirken ist nicht ver- geblich gewesen. Es wird der Anstalt zur Ehre, zum Ansehen und Segen gereichen auch über das Grab.“
Mit Genehmigung der oberen Schulbehörde fällt am Schlusse dieses Schuljahres die öffentliche "Prüfung aus.
Herr Rentner Leon Erckmann aus Wiesbaden, ein früherer Schüler unserer Anstalt, bedachte die Schule mit einem ansehnlichen Geldgeschenk. Die Summe wurde‘ im Sinne des hochherzigen Spen- ‚ders zur Ausstattung des Physiksaales verwendet. Wir wiederholen hier unsern Dank auch öffentlich.
Wegen der mit der Einführung des neuen Lehrplans eintretenden Aenderungen in der Aufnahme der Schüler verweisen wir auf unsere Bekanntmachung.
Allen denjenigen, welche die Bibliothek, die naturwissenschaftlichen Sammlungen und die Münz- ‚sammlung unserer Anstalt mit Zuweisungen bedachten, sagen wir hiermit verbindlichsten Dank.
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