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IV. Zur Geschichte der Anstalt.
Organisation: Das heutige Lyzeum führt zur mittleren Reife als Grundbedingung für die Ausbildung zu den meisten weiblichen Berufen und zur Hochschulreife. Auch im verflossenen Schuljahr hat eine recht erhebliche Zahl von Schülerinnen von diesen Möglich- keiten Gebrauch gemacht, indem sie die für den Besuch der Frauenschule, des technischen Seminars und des Oberbaues der Studienanstalten und der Oberrealschule erforderlichen Bildungsgrundlagen sich aneigneten.
Wir werden im kommenden Schuljahr die erforderlichen Verzweigungen noch stärker herausbilden, indem wir für zukünftige Haustöchter und Frauenschülerinnen den Sprachunterricht mehr nach der praktischen Verwendbarkeit hin ausbilden und das bürgerliche Rechnen mehr als seither in den Vordergrund stellen. Für solche, die die Hochschulreife auf dem Oberbau der Oberrealschule erlangen wollen, ist nach wie vor Verstärkung des mathematisch- naturwissenschaftl. Unterrichts vorgesehen.
Auch in diesem Jahre weisen wir die Eltern ernstlich darauf hin, dass der vorzeitige Abbruch des Bildungsganges— vor Erlangung der mittleren Reife— in verschiedener Beziehung von Schaden ist. Einmal hat sich die höhere Schule bei ihrem erweiterten Bildungsinhalt auch die Ziele rein zeitlich etwas weiter hinausgesteckt. Ein vorzeitiger Abbruch bedeutet ein Aufhören ohne Abschluss, und der Besuch der Volksschule wäre, da dort ein Abschluss bei enger gesteckten Ziele erreicht wird, segensreicher gewesen. Es sind nicht wenig frühere, vorzeitig abgegangene Schülerinnen, die nach Jahren um Rat fragen, wie etwa das Ziel der Schule doch noch zu erreichen wäre, da die Zeitverhältnisse sie schonungslos vor die Schaffung eines Lebensinhalts gestellt haben.:
Persönliches: Ostern 1927 wurde Studienassessor Anna Heiland an die Eleonoren- schule— Oberlyzeum— in Worms versetzt. Studienreferendar Dr. Wilhelm Wamser trat an ihre Stelle.— Dr.Wamser wurde am 10.11.97 zu Butzbach in Oberhessen geboren. Im August 1914 bestand er die Reifeprüfung am Realgymnasium zu Giessen. Zunächst im Kriegssanitätsdienst tätig, begann er Ostern 1915 das Studium der Chemie an der Universität Giessen, das, mehrmals unterbrochen durch kürzere und längere Tätigkeit als Chemiker an Pulverfabriken und militärische Einziehung mit der Promotion zum Dr. phil. am 4. Ill. 22 beendet wurde. Nach 3'/, jähriger Tätigkeit als Assistent am chemischen Universitätslaboratorium zu Giessen bestand er im Sommersemester 1926 das Staatsexamen für das höhere Lehramt mit der Lehrbefähigung in Chemie u. Geographie für Oberstufe und Physik für Mittelstufe. Nach praktischer Ausbildung während des Wintersemesters 1926/27 am päd. Seminar der Oberrealschule zu Giessen trat er an unserer Anstalt in die volle Lehrtätigkeit.
Gesundheitliches: Auch in diesem Winter waren verhältnismässig langandauernde Schulversäumnisse zu verzeichnen. Im allgemeinen war aber der Gesundheitszustand bei Lehrern u. Schülerinnen zufriedenstellend.
Allgemeines: Am 15. XI. 27 besuchte Herr Staatsrat Block unsere Anstalt und wohnte dem Unterricht in den meisten Klassen bei.
Am 31. VIII. 27 erfolgte die Wiederimpfung der Zwölfjährigen durch den Herrn Kreisarzt Medizinalrat Dr. Rapp.
Hitzfrei war am 17. 6, u. 2. 1X. 27.
Zum Wintersport wurde am 16. XIL, 19. XII. und 20. XII. nachmittags freigegeben. Morgenspaziergänge in die nähere Umgebung fanden statt am: 3, V.; 30. VII. 27.X.; 15. XII. 1927 u. 3. II.; 6. II. 1928, Jahresausflüge am 31..V. 1927. Die Klassen hatten verschiedene Wanderziele: I. Bensheim— Felsberg— Reichenbach— Knoden— Lindenfels(1. Tag). Lindenfels— Weinheim— Wachenburg— Windeck(2. Tag). Uebernachtet wurde in der neuen Jugendherberge in Lindenfels.


