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F. Gottesdienst.
Die Seminaristen beteiligten sich regelmässig an dem Gottesdienst ihrer Reli- gionsgemeinde.
G. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr begann am 22. April v. Js.; auch es hat wieder eine Personal- veränderung gebracht. Durch Allerhöchstes Dekret vom 29. Februar 1896 wurde der Gr. Seminarlehrer Heinrich Mathes zum Kreisschulinspector des Kreises Alsfeld er- nannt. Mit ihm verlor die Anstalt einen treuen, fleissigen und gewissenhaften Lehrer, der, wenn er auch nur wenige Jahre hier gewirkt, doch recht Erspriessliches geleistet hat. Zu seinem Nachfolger wurde der Lehr er an der höheren Mädchenschule zu Mainz Jakob Dieterich mit Wirkung vom 1. April 1896 ernannt. Dadurch wurde der Anstalt ein Lehrer wiedergegeben, der ihr schon von 1884—1890 als Hilfslehrer angehört hatte,
Am 22. Juni” v. Js. beehrte der Hochw. Bischof von Mainz, Herr Dr. Haffner unsere Anstalt mit seinem Besuche und wohnte 2iner Religionsprüfung der kath. Schüler bei. Sonstige besondere Ereignisse sind aus diesem Schuljahre nicht zu berichten. Der Ge- sundheitszustand der Lehrer und Schüler. war im allgemeinen gut.
Laut Bekanntmachung des Reichsamts des Innern vom 22 Juli 1. Js.(veröffent- licht in dem Anhang zu Nr. 26 des Centralblattes für das Deutsche Reich, S. 168) ist den Grossh. Schullehrerseminarien die Berechtigung verliehen worden, den Zöglingen der obersten Klasse, welche die Entlassungsprüfung unter Vorsitz eines staatlichen Kommissars bestanden haben, das wissenschaftliche Befähigungszeugnis für den einjährig- freiwilligen Militärdienst auszustellen. Damit wurde einem längst"geheg»ten und durch- aus berechtigten Wunsche des Lehrerstandes endlich entsprochen.
Durch hohe Verfügung vom 1. Februar 1897 zu Nr. M. d. J. S. 2741, betr. die Aufsicht über die Präparandenanstalten, hat Grossh. Ministerium des Innern bestimmt, dass die Grossh. Präparanden-Anstalten vom 1. April d. J. ab nicht mehr den Grossh. Kreisschulkommissionen, sondern der Grossh. Direktion des Schullehrer-Seminars der betreffenden Provinz unterstellt sein sollen. Es gehen damit alle Funktionen in Bezug auf die Beaufsichtigung und Verwaltung der Präparandenanstalten, die gegenwärtig von den Kreisschulkommissionen, bezw. ihren Vorsitzenden und technischen"Mitgliedern aus- geübt wurden, auf die Direktionen der betreffenden Seminarien über. Hierdurch wird zwischen Seminar und Präparandenanstalt ein innigerer Zusammenhang hergestellt, eine
engere Beziehung angebahnt, die sich für die Ausbildung unserer Zöglinge als eine"recht erfolg- und segensreiche erweisen möge.
Die Geburtstage Sr. Kgl. Hoheit des(srossherzogs und Sr. Majestät des Kaisers, sowie der Sedantag wurden wie üblich durch Festakt und darauf folgendes gemeinsames Festmahl gefeiert.
Um in die unvermeidliche Einförmigkeit und Eintönigkeit des Internatslebens etwas mehr Leben und Abwechslung zu bringen und unseren Zöglingen zuweilen auch die Erfrischung eines edleren geselligeh(zenusses zuteil werden zu lassen, wurden in diesem Winter wöchentlich Vortragsabende veranstaltet, an denen Vorträge allgemein bildenden und belehrenden Inhaltes von den Zöglingen des Oberkurses gehalten wurden, die mit Klavier-, Violin- und Gesangsvorträgen abwechselten. Die von Lehrern und Schülern auf diese Veranstaltungen” verwandte, nicht unerhebliche Mühe und Arbeit lohnt sich hoffentlich dadurch, dass diese Abende allen Beteiligten in recht angenehmer Erinnerung bleiben.
Zum Schlusse sei noch allen denen, die unserer Anstalt durch Ueberweisung von Büchern und Lehrmitteln ihr Wohlwollen bewiesen, bestens gedankt.


