F. Gottesdienst.
Die Seminaristen beteiligten sich regelmässig an dem Gottesdienst ihrer Reli- ionsgemeinde. {we}
G. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr begann am 16. April v. und schliesst mit dem 9. April d. J.
Durch Allerhöchstes Dekret vom 12. Mai 1894 wurde dem provisorischen Seminarlehrer Johannes Borig die von ihm verwaltete Stelle definitiv übertragen.
In den Tagen vom 3. bis 5. September fand unter dem Vorsitz des Herrn Geheimen Oberschulrats Greim die erste Prüfung der Schulamts-Aspirantinnen an unserer Anstalt statt. Es unterzogen sich derselben 9 Aspirantinnen, die alle für be- standen erklärt wurden.
Die im vorigen Jahresbericht erwähnten Aenderungen im Unterrichtsbetrieb wurden, weil sie sich bewährt hatten, beibehalten. Auch’ der fakultative Handfertigkeits- unterricht, an dem sich jetzt fast alle Schüler(96 von 101) beteiligen, ist in derselben Weise weitergeführt worden. Dem Turnunterricht hat man in diesem Jahre versuchs- weise erheblich mehr Zeit eingeräumt wie früher. Dies schien als Gegengewicht gegen die intensive geistige Anspannung unserer Zöglinge dringend geboten und wurde in der Weise bewerkstelligt,. dass‘sämtliche Schüler neben den obligatorischen Turnstunden während des ganzen Jahres so lange wenigstens, als nicht der Eislauf hinreichenden Ersatz bot, täglich eine halbe Stunde Frei-, Ordnungs- und Gerätübungen anstellten oder Be- wegungsspiele ausführten. In die dabei erforderliche Aufsicht teilten sich die Herren Dr. Heineck und Maurer mit dem Unterzeichneten. Freundlichem Entgegenkommen des Badeanstaltsbesitzers Herrn Graf dahier ist es zu danken, dass alle Schüler der Anstalt während des Sommers unentgeltlich baden und schwimmen konnten; die an Herrn Graf dafür zu bezahlende Vergütung wurde mit Genehmigung Grossherzogl. Ministeriums auf die Seminarkasse übernommen. Ebenso wurde den Zöglingen gegen ge- ringes Entgelt der Eislauf ermöglicht.
In den äusseren Einrichtungen der Anstalt konnten im Laufe dieses Jahres eine Reihe nützlicher und notwendiger Verbesserungen vorgenommen werden. So wurden vor allem die nach der Wetterseite gelegenen Fenster des Wohnbaues mit Läden ver- sehen und damit einem dringenden Bedürfniss abgeholfen. In den Lehrsälen kam das Gasglühlicht zur Einführung, das sich bis jetzt sehr gut bewährt hat, u. a. m.
Wegen der baulichen Herstellungen im Wohn- und Lehrbau mussten die Herbst- ferien um 14 Tage verlängert werden; sonst erlitt der Unterricht keinerlei Unterbrechung. Der Gesundheitszustand der Zöglinge war im allgemeinen gut.
Die Geburtstage Seiner Königlichen Hoheit des Grossherzogs und Sr. Majestät des Kaisers, sowie der Sedantag wurden in der üblichen Weise durch Festakt und darauffolgendes gemeinsames Festmahl gefeiert.
Für die der Anstalt überwiesenen Geschenke an Büchern und Lehrmitteln sei hiermit den gütigen Gebern bestens gedankt


