Jahrgang 
1894
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F. Gottesdienst.

Die Seminaristen beteiligten sich regelmässig an dem Gottesdienst ihrer Religionsgemeinde.

G. Zur Geschichte der Anstalt.

Das Schuljahr nahm seinen Anfang am 24. April v. und schliesst mit dem 20. März d. J.

Durch Allerhöchstes Dekret. vom 18. Februar 1893 wurde der Gr. Seminarlehrer Franz Joseph Kempf auf sein Nachsuchen behufs Rücktritts in den Kirchendienst, mit Wirkung vom 11. April, aus dem Staatsdienst entlassen. Vom gleichen Tage an wurde ihm die Pfarrstelle zu Planig übertragen. Die Anstalt verlor damit einen treuen und gewissenhaften Lehrer, der ihr durch eine Reihe von ‚Jahren seine ganze Kraft mit bestem Erfolg gewidmet hatte. Dass ihm die Rück- kehr ins Pfarramt auch die erhoffte innere Befriedigung gewähren möge, war der einstimmige Wunsch des Kollegiums, das ihn nur ungern aus seiner Mitte scheiden sah.

An seine Stelle trat zufolge hoher Verfügung vom 1. März 1893 als provisorischer Seminar- lehrer Herr Kaplan Johannes Borig, vorher Lehrer am Progymnasium zu Seligenstadt.

Durch Allerhöchstes Dekret vom 19. September wurde dem provisorischen Seminarlehrer Heinrich Mathes die von ihm verwaltete Stelle definitiv übertragen.

Am 3. Mai besuchte Herr Seminardirektor Dr. Rückert aus Hildburghausen die Anstalt, um die äusseren Einrichtungen derselben kennen zu lernen,

Des weiteren beehrte sie am 8. Mai der Hochwürdige Bischof von Mainz, Herr Dr. Haff- ner, mit seinem Besuche.

Herr Geheimer Oberschulrat Greim unterzog am 7. und 8. September den Unterrichts- betrieb in allen Klassen und bei sämtlichen Lehrern einer eingehenden Besichtigung.

In Erfüllung ihrer militärischen Dienstpflicht waren eingezogen: Herr Mathes zu einer 14-tägigen Landwehrübung vom. 6. Juli an und Herr Maurer vom 15. September an zu einer 6-wöchigen Reserveübung.

Der Gesundheitszustand liess in diesem Jahre zu wünschen übrig. Doch erlitt der Unter- richt keinerlei Unterbrechung, obgleich Lehrer und Schüler vielfach unter Influenza und Halsaffek- tionen zu leiden hatten. Die Diphtheritis, an der zwei Zöglinge ein Interner und ein Externer erkrankten, beschränkte sich glücklicherweise auf diese beiden Fälle.

Im Unterrichtsbetrieb traten einige kleine Anderungen ein. Vor allem wurde für die metho- dische Unterweisung der Zöglinge des Oberkurses mehr Raum geschaffen dadurch, dass der speziellen Methodik in den Hauptunterrichtsfächern sowie der Vorbesprechung und Beurteilung der Unterrichts- übungen besondere Stunden zugewiesen wurden. Auch der Lektüre pädagogischer Klassiker wurde im Mittel- und Unterkurse je eine Stunde wöchentlich gewidmet. Ferner ermöglichte die Beschaf- fung zweier neuen Instrumente für den Unterricht im Klavierspiel einen intensiveren Betrieb. Der Belebung des naturwissenschaftlichen Unterrichts dienten regelmässige, während der guten Jahres- zeit allwöchentlich unternommene Exkursionen in die Umgebung von Alzey. Endlich konnte die Anleitung der Schüler zur Anfertigung einfacher Lehrmittel und Apparate in zweckmässigerer Weise gestaltet werden, nachdem für den fakultativen Unterricht in Papp-, Holz- und Metallarbeiten sach- verständige Lehrer in den Herren Buchbinder Machwirth und Elektrotechniker Erckmann gewonnen worden waren.

Die nationalen Fest- und Gedenktage wurden in der üblichen Weise gefeiert.

Auch in diesem Jahre wurde die Anstalt mit einigen Geschenken an Büchern und Lehr- mitteln bedacht, wofür den gütigen Gebern hiermit verbindlichst gedankt wird.