Jahrgang 
1889
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Die bibliſchen Umdichtungen Surrens, 5 Kapitel aus dem Prediger Salomonis und 4 Pſalmen(88, 73, 55, 8) fallen in die letzten Lebensjahre des Dichters, und die Erlebniſſe in dieſer Zeit laſſen die ernſte Gemütsſtimmung, die in dieſen Dichtungen vorwaltet, recht wohl recht⸗ fertigen. Wie die Wyatt'ſchen Pſalmen, ſo ſind auch die bibliſchen Umdichtungen Surreys, die jedenfalls durch das von Wyatt gegebene Beiſpiel entſtanden ſind, keine wörtlichen Üüberſetzungen, ſondern eine freie Nachbildung derſelben, in der er auch eigene Erfahrungen niederlegt. Haupt⸗ ſächlich klagt er über die Falſchheit der Freunde, die Argliſt der Feinde und die Unbeſtändigkeit der weltlichen Größe, und hierdurch wird der religiöſe Charakter etwas verdrängt. Zur Charakteri⸗ ſierung des Geſagten ſtelle ich den Anfang des dritten Kapitels hierher:

Like to the steerless boat that swerves with every wind The slipper top of worldly wealth, by cruel proof I find. Scarce hath the seed, whereof that nature formeth man, Received life, when death him yields to earth where he began!

The grafted plants with pain, whereof we hoped fruit,

To root them up, with blossoms spread, then is our chief pursuit. That erst we reared up, we undermine again;

And shred the sprays, whose growth sometime we laboured with pain Each froward threat'ning chere of fortune makes us plain;

And every pleasant show revives our woful hearts again. A. E. p. 87.

Den beiden erſten Pſalmen geht je ein Prolog voraus, aus denen hervorgeht, daß Surrey die Pſalmen umdichtete aus beſonderen Veranlaſſungen,aus dem tiefſten Grunde ſeines Gemüts heraus, auf Grund ſeiner Lebensanſchauung und Lebenserfahrung, ſich zum Troſt und zur Erbau⸗ ung.*) Und aus dieſen Geſichtspunkten ergiebt ſich auch die Wahl der Pſalmen. Der Prolog zum 88. Pſalmen enthält ganz ähnliche Empfindungen, wie das Gedicht auf p. 66, welches beginnt:

The storms are past; the clouds are overblown.

Seine eigenen Erfahrungen und Lebensſchickſale treten hier noch deutlicher hervor als in den Umdichtungen der 5 Kapitel aus dem Prediger Salomonis, und demgemäß finden ſich auch viele Zuſätze, die ſich in den Pſalmen Davids nicht finden. Statt vieler Beiſpiele füge ich den Schluß des 55. Pſalmen an:

Gewöhnliche Broſaüberſetzung: V. 21. The words of his mouth

urre mdichtung: were smoother than butter,. 5 ys A 6 ot 18 4.: Butter falls not so soft as doth his patience long, but war was in his heart: his 4:: 1 And overpasseth fine oil running not half so smooth. words were softer than oil,

yet were they drawn swords V. 22. Cast thy burden upon the Lord, and he shall sustain thee: he shall never suffer the righteous to be moved

But when his sufferance finds that bridled wrath provokes, His threatened wrath he whets more sharp than tool can file.

V. 23. But thou, o God, shalt bring Friar! whose arm and tongue presents the wicked sort, them down into the pit of Of those false wolves, with coats which do their ravin hide; destruction: bloody and de- That swear to me my heaven, the footstool of the Lord, ceitful men shall not live out Though force had hurt my fame they did noth touch my life. half their days: but I will Such patching care I loath, as feeds the wealth with lies.**) trust in thee 4. FE. p. 107. 708.

*) S. Febſe a. a. O. p. 33. **) Dieſer Zuſatz läßt jedenfalls auf ein ganz beſtimmtes Erlebnis des Dichters ſchließen.