Jahrgang 
1891
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gewann er Interesse an gelehrten Studien und entschlofz sich fiir eine derartige Laufbahn. Er wählte-·

Mathematik und Naturivissenschaften. Gut beanlagt und unermiidlich thätig, genügte er rasch den Vor--

bedingungen für sein Studium und konnte bereits 1d58 die Universität als Lehramtsaeeessist verlassen.

Die erste desinitive Anstellung fand Götz 1861 an der neugegründeten Realschule in Alsfeld, an.. welcher er bis zu seinem Tode thätig blieb, zunächst als Lehrer, dann, seit 1873, als Director der Schule-, Sein Unterrichtsfach war hauptsächlich die Mathematik in den oberen Classeii.

Die Anstalt besaß in dem Verewigten einen anerkannt tüchtigen Pädagogen, dem es gelang, bei den Zöglingeii Interesse und Verständnis für den Unterricht zu wecken. Eiii wirklicher Erzieher, trat er- der Jugend zugleich als väterlicher Freund und treuer Berater gegenüber. Auch bei ernstem Einschreiten,. «was ihm aber stets schwere Stunden bereitete, ließ er keine gereizte Stimmung die Herrschaft über sich- gewinnen..Deßhalb konnte er sich auch des allgemeinen Vertrauen-Z der Schüler ersreue11.

Das Lehrercollegiuin durfte sich beglückwünschen, unter einem solchen Directorium zu stehen; war doch der Verstorbene jedem Einzelnen ein humaner Vorgesetzter, ein wohlwollender Freund, ein warmer- Fürsprecher in allen gerechten Anliegeii.

. Schlicht und anspruchslos in seinem Auftreten, jedem prahlerischen, nur auf Schein berechneten-

Wesen gründlich abhold, war Götz eine überall gern gesehene Persönlichkeit, der man stets mit Hoch-

achtung begegnete.

Durch Ernennung des Verstorbenen zum Mitglied der Kreisschulcommission wurde ihm Gelegenheitf gegeben, auch das Volksschulwesen aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Er fühlte sich durch Ueber- tragung dieses Mandats hoch erfreut und stellte, soweit möglich, Zeit und Kraft in den Dienst dieses Amtes-

Götz war der Z. Director hiesiger Realschule, auch den Jahren nach der jüngste. Währeiid seine Vorgänger, in höhere Stellunen befördert, noch heute in Segen wirken dürfen, fand seiii Leben einen. unerwartet raschen Abschluß. s iemand konnte bei der Gesundheit und Kraft des Verblicheneneinen so- schnellen Tod voraussehen· Die Jnfluenza, welche zu Anfang vorigen Jahres ihren Todeszug durch die Welt hielt, sollte für ihn verhängnisvoll werden· Von dieser Krankheit befallen, setzte der pflichttreue Mann seine Thätigkeit in selbstvergessender Weise fort. Die Krankheit schien bereits gehoben. Da stellte sich plötzlich Gesichtsrose ein, ein Uebel, das ihn in früheren Jahren häufig befallen, das er aber jedesmal leicht überwunden hatte· Sein ohnehin geschwächter Gesundheitszustand besaß dazu nicht mehr die Kraft.. Er fiel der Krankheit zum Opfer.

Am 4. März, in den Nachmittagsstunden,s geleiteten wir die Leiche unter großer Beteiligung zu Grabe. Die Anstalt hält die Erinnerung an den Heimgegangeneii liebend fest, nnd noch lange wird man von seinem ersprießlichen Wirken mit Dank und Anerkennung reden.«"

Zum Nachfolger des leider so früh Verstorbeneii wurde durch Allerhöchstes Dekret vom 29. März v. J. der Realgymnasiallehrer Dr. Ernst Scheuerniann ernannt. Die Ein- weisuug in sein neues Amt geschah noch während der Ferieii, am 14. April, durch deii Ver- treter der Staatsbehörde, Herrn Ober-Schulrat Soldan.

Ernst Scheuerniann, geb. zu Birkenau im Odenwald am Bl. Oktober 1856, erhielt den ersten Unterricht von seinem Vater, dem ev. Lehrer J. Scheuermanu daselbst, besuchte von Herbst 186571 das Benderfche Jnstitut in Weinheim a. d. B. und daraus ein Jahr das Gymnasium zu Bensheim. Nachdem- er daselbst im Sommer 1872 die Reifeprüsiing bestanden, privatisierte er ein Jal)r, beschäftigt mit ge-. fchichtlichen, alt-sprachlichen und mathematischen Studien. Herbst 1875 bezog er die Universität Gießen zum Studium der Mathematik und Naturwissenschaften. Auf grund der am 30. April 1877 bestandenen Staats-Prüfung wurde er zum Doktor der Philosophie promoviert und vorn Oktober dieses Jahres als Lehrer am Realgymnasium zu Gießen provisorisch angestellt. Von Herbst 18798() genügte er seiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger und wurde dariiacls mit Wirkung svom 1. Oktober 1880 definitiv zum Lehrer am Realgymnasium zii Gießeii ernannt.

An Stelle des ebenfalls verstorbenen Gr. Reallehrers, Herrn Härter, trat durch- Allerhöchstes Dekret vom 20. April v. J. der Dirigeiit und erste Lehrer an der erweiterten Volksschule zu Rimbach im O., Herr Konrad Grein, nachdem der bis dahin mit der « Stellvertretung beaustragte Lehramtsaccessist, Herr Wilhelm Walger, durch Ministerialver- füguiig vom 11. April zum provisoriscseii Lehrer an der Realschule in«Darnistadt ernannt

worden war.. Konrad Grein wurde geboren zu Zell« bei Alsseld am 23. Janiiar 1859. Voir 187277 besuchte

er die Realschule zu Alsfeld und bis zum Herbst 1879 das Realgymnasium zu Darmstadt, uin darauf

an der Landesuniversitiit zu Gießen Mathematik und Natnrivifsenschaften zu studieren. Nach bestandenem

Examen, den 16. April 1883, begann er seinen Aeceß an dem Realgymnasium und der Realschule zu

Gießen und nahm nach Vollendung desselbeir eine Lehrerstelle aii der Gr. Badischeii Höhereii Bürgerschule

und Venderschen Anstalt zu Weinheim a. d. B. an. Nach drei Jahreii schied er aus dieser Stellung und

wurde im Sommer 1887 vorübergehend an dem Progymtiafium und der Realschule zu Alzey und an

dem Realgymnasium zu Darmstadt provisorisch verwendet. Den 1. Oktober.1887 wurde ihm die Stelle

eines ersten Lehrers und Dirigenten der- erweiterten Volksschule zu Rimbach i. O. provisorrsch und den-« I. Mai des folgenden Jahres definitiv übertragen.-