Jahrgang 
1890
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Am 1. und 2. Juli beehrte Herr Oberschulrat Soldan unsere Anstalt mit seinem Besuche, wohnte dein Unterricht in den verschiedenen Unterrichtsfächern bei und nahm Einsicht von allen, Einrichtungen der Schule und von den Sammlungen.

An zwei Tageii des Sommers, nämlich am Z. Juni und am 11. Juli mußte wegen zu großer Hitze der Nachmittagsunterricht ausgesetzt werden.

Von den im Laufe des Schuljahres unternommenen Ausflügen erwähnen wir besonders den vom 27. Juni. Die Klassen I und Il besuchten unter Führung des Direktors und der Herren Weyell und Schnellbächer das Schloß Biberstein und dieMilseburg in der Rhön; Klasse lll und lV fuhren unter Leitutig der Herreii Härter, Schreiner und Veith nach Lauter- bach und gingen von da über Stockhausen nach Salzschlirf, von wo aus die Rückfahrt erfolgte. Klasse V und VI besuchten die Waldungen in der Umgebung der Hardtmühle unter Führung der Herren.Dr.« Hager und Garnier. Die Vorschule führte Herr Frey nach Eudorf und über den Ludwigsberg zurück.

Der Gesundheitszustand war während des Sommerhalbjahres im ganzen gut, im Winter- halbjahre hingegen kamen bei Lehrern und Schülern häufigere Erkrankungen vor. Ein wohl befähigter und braver Schüler der Vl. Klasse, Gustav Garnier, der schon im Sommer wegen eines Herzleidens mehrere Monate dem Unterrichte ferngeblieben war, wurde am 24. Dezember durch den Tod voki feinem Leiden erlöst. Lehrer und Mitschüler gaben ihm das Geleite zu seiner letzten Ruhestätte.

Als am 6. Januar der Unterricht wieder seinen Anfatig nahm, waren mehrere Lehrer und viele Schüler an der Jnfluenza erkrankt, so daß wir genöthigt waren, am folgenden Tage die Schule wieder zu schließen. Erst am 20. Januar konnte sie wieder eröffnet werden-

Durch Ministerialverfüguug vom 16. bezw. 20. Januar wurde Herr Härter zur Wieder- herstellung seiner angegriffenen Gesundheit auf V« Jahr beurlaubt und dem Lehramtsaccessisten Herrn Walger die dadurch nöthig gewordene Aushilfeleistung übertragen.

Unsere Hoffnung, Herrn Härter binnen kurzem wieder neu gestärkt in unserer Mitte zu sehen, ging leider nicht in Erfüllung; am 4. Februar traf uns die traurige Nachricht von seinem am 2. Februar in Jena erfolgten Tode. Wir verlieren in ihm einen äußerst pflichteifrigen und gewissenhaften Mitarbeiter und treuen Kollegen, die Schüler einen auf ihre Ausbildung sorgsam bedachten Lehrer. Sein Andenken wird an unserer Anstalt stets in Ehren bleiben.

Leider sollte dies nicht der einzige und letzte Trauerfall sein, den die Chronik aus dem Lehrerkollegiuin zu verzeichnen hat, und zwar ist es der Direktor der Anstalt selbst, der uns unerwartet schnell, nach nur einwöchentlicher Erkrankung, am 1. März durch den Tod entrissen wurde. Am 4. März wurde die sterbliche Hülle des in engeren und weiteren Kreisen tief be- trauerten Mannes unter Begleitung der ganzen Schule, der sich in dankenswerther Anhänglichkeit eine große Zahl seiner ehemaligen Schiiler angeschlossen hatten, und unter zahlreicher Betheiligung seitens der Bevölkerung Alsfelds zur ewigen Ruhe bestattet, wobei der fungirende Geistliche, Herr Pfarrer Trautwein, zugleich Religionslehrer der Anstalt, und der Unter-zeichnete die mannigfachen Tugenden des Verewigten und sein segensreiches Wirken in der Schule, der er im Ganzen 29 Jahre als Lehrer angehört und 16 Jahre als Direktor vorgestanden hatte, sgebührendermaßen feierten.«

Auch sein Gedächtnis wird bei uns im Segen bleiben.

An Geschenken wurden uns zugewendet:»«

Von einem hiesigen Leseverein zwei Zeitschriften, nämlich:»Das Ausland,« Jahr- gang 1887, und»Die Natur,« Jahrgang-1888, wofür wir den freundlichen Gebern unsern verbindlichen Dank auszusprechen nicht verfehlen.