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Ein gefährlicher Gegner aber entſtand dem dortigen Minenbetrieb in dem Grafen von Northumberland, der erklärte, die hier zu Tag geförderten Erze gehörten ihm, die Arbeiter ſeien Frevler an ſeinem Land. 1) Weder die Mahnungen der Grafen Pembroke und Leiceſter, er möchte dem Befehl der Königin gehorchen und die Ausfuhr der Erze geſtatten, ²) noch ein perſönlicher Befehl Eliſabeths, den Bergbau in Newlands fernerhin nicht zu verhindern, geſetz⸗ liche Anſprüche, die er etwa an die Mineralien habe, ſollten berückſichtigt werden, vermochten den Starrſinn des Grafen zu beugen. ³) Er ſcheute im Gegenteil keine Vorſtellung bei allen einflußreichen Perſönlichkeiten und wandte ſich ſogar an die Königin ſelbſt mit der Bitte, den Befehl in Betreff der Erzgräberei auf ſeinem Gelände in Newlands aufzu⸗ heben, 4) und Daniel Hechſtetter klagte alsbald der Königin in einem lateiniſchen Brief, der Graf habe die Minen⸗ arbeiten in Newlands überhaupt ganz geſperrt.*) Verhandlungen, die Pembroke, Leiceſter und Cecil mit ihm durch George Nedham führten, hatten aber wenigſtens das Ergebnis, daß er ſich bereit erklärte, 200 Eimer des gegrabenen Erzes herauszugeben. ²) Nedham empfahl der Königin, gewiſſe Landſtrecken mit dem Grafen von Northumberland um⸗ zutauſchen,7) und auch Hechſtetter und Hans Louver befürworteten bei Eliſabeth einen Entſcheid mit dem Grafen. 8) Die Verhandlungen in dieſer Beziehung aber zogen ſich in die Länge. Am 19. Oktober 1568 erſuchte Northumberland den Staatsſekretär, ihm endgültig zu ſagen, ob er einen vernünftigen Vergleich wegen der Minen erhalten werde oder nicht, im Weigerungsfalle müſſe er auf ſeinem Recht und ſeinen Anſprüchen hierin beſtehen. ²) Indeſſen der Graf ſorgte ſelbſt für die Löſung dieſer Frage. Sein Aufſtand und ſeine Ächtung im Jahre 1569 gaben Eliſabeths bergmänniſchen Plänen freien Spielraum in dem Gebiet des Grafen.
Auch an Schwierigkeiten anderer Art fehlte es nicht. Ein Wm. Humfrey, ein Nebenbuhler im Bergbau, ſuchte Hechſtetter und Louver bei Cecil zu verdächtigen, als wollten ſie aus Eigennutz manche Kunſtfertigkeiten für ſich behalten, ¹⁰) und auch Thurland äußerte einmal Cecil gegenüber den Verdacht, die Fremden wollten die Entdeckung von Gold- und Silbererz in Keswick geheim halten. ¹¹) Der Staatsſekretär aber zeigte für derartige Anklagen augenſcheinlich kein Ver⸗ ſtändnis. Er war von Anfang an den fremden Sachverſtändigen äußerſt günſtig geſinnt, während der ſonſt in gewinn⸗ bringenden Unternehmen ſo gewiegte Graf Leiceſter ihrem Unternehmen zunächſt nicht das nötige Verſtändnis entgegenbrachte. 12)
Unter Begünſtigung von ſeiten der engliſchen Regierung entwickelten ſich die Werke außerordentlich raſch. Je mehr man arbeitete, um ſo ergiebiger erwieſen ſich die Erzlager des Landes. Hechſtetter war überraſcht über den Erz⸗. reichtum des Königreichs. 13) Thurland klagte zwar über die Koſtſpieligkeit der Unternehmen, aber er mochte auch ſeinen Troſt in der Fülle von Kupfer finden, das ſich, wie er Cecil von Roſe Caſtle aus meldete, im Land vorfand. ¹⁴)
Unter dieſen Umſtänden vermochten weder die Ränke der Lady Ratcliffe, noch die Beſchädigungen durch eine große Flut im Herbſt 1567 das Gedeihen des jungen Unternehmens zu hemmen. ¹⁵) Thurland ſcheint ſich durch einen Vergleich mit ſeinen Gläubigern abgefunden zu haben; er wurde Vorſtand der Minen, ¹⁶) und unter Leitung ſeiner deutſchen Helfer erhoben ſich Schmelzhäuſer und Schmelzöfen. 17) Am 7. März vermochte er bereits dem Staatsſekretär einen Plan der Schmelzen von Keswick, Newlands und der anderen Minen zuzuſchicken. 18) Schon im Herbſt desſelben Jahres konnten Hechſtetter und Louver der Königin Proben des hier hergeſtellten feinen und vollkommenen Kupfers ſchicken mit der Meldung, ſie wollten jetzt auch den Verſuch machen, ob das Erz Silber und Gold enthalte. ¹9) Auch in Schottland hatte man Nachforſchungen nach Metallen angeſtellt und Gold in Crawford Muir gefunden. Der unternehmende Thurland gab deshalb Eliſabeth den Rat, ſich mit der Königin von Schottland wegen der Pacht der fraglichen Gelände zu einigen, damit nicht etwa Fremde die Sache in die Hand nähmen. ²⁰) Den größten Bergbau ſcheint damals Keswick gehabt zu haben. Nedham berichtet von dort über 6 Schmelzöfen, die täglich im Betrieb ſeien, 21) und hier war auch die Zahl der deutſchen Knappen eine ſo große, daß Hechſtetter für ſie einen Pfarrer verlangte, der ihnen in der Mutterſprache Gottes⸗ dienſt hielte. 22) Trotzdem hätte man noch mehr Abeiter brauchen können, ſo vielverſprechend waren die Werke, ²³) und der Alderman Ducket hegte keinen Zweifel, daß das Reich aus dem Bergbau Nutzen ziehen würde. ²⁴) Er ſelbſt war
¹) Lemon, Cal. of St. P. Dom. 1547— 80; 283, 31; 290, 39.
2) 288, 18. 3) Das. 25. 4) 289, 32.
5) Das. 35. Hechst. a. Elisb. 20 März 1567..
6) Das 290, 40. ⁷) 292, 68. 8) 300, 15. 9) 320, 20. 1⁰) 261, 73. 11) 272, 80. 12) 270, 57. ¹13) 310, 86. Hechst. a. Cecil 25. Juni 1568.
14) 278, 64. ¹5) 302, 44; 310, 80. 16) 276, 79; 257, 22. ¹1) 279, 79. ¹8) 289, 27. 19) 300, 14 u. 15. 20) 279, 79 u. 80. 21) 298, 56.
22) 310, 80. Hechst. a. Cecil 25. Juni 1568. 23) 300, 14. 24) 301, 26.


