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hinausging, hat ſich dieſelbe bis auf das 16. und 17. Lebensjahr und, rechnen wir das Seminar hinzu, bis auf das 19. und 20. ausgedehnt. Die Schülerinnenzahl in den einzelnen Klaſſen iſt gefallen, denn ein Maximum von 50 Schülerinnen dürfte heute wohl nie überſchritten werden, ein Maximum von 40 aber die Regel bilden; dagegen ſteigt die Schülerinnenzahl der Schule mit der Zahl der Klaſſen von Jahr zu Jahr. Den größten Unterſchied finden wir jedoch, wenn wir die Schulhäuſer von damals und jetzt vergleichen. Wie kümmerlich die Mädchen damals untergebracht waren, geht aus dem Umſtand hervor, daß man Säle in Wirtshäuſern und Privathäuſern mietete, um dem Raummangel abzuhelfen; heute beſitzt die Stadt Darmſtadt ein Heim für ihre höhere Mädchenſchule, welches zu den beſteingerichteten Neubauten unſeres engeren, ja wir dürfen es wohl ſagen, zu den beſteingerichteten Schulen des deutſchen Reiches gehört.
Die große Opferwilligkeit der Stadt Darmſtadt wird deshalb nicht allein innerhalb der Grenzen unſeres engeren Vaterlandes die gebührende Würdigung finden und ihren großen Einfluß ausüben, ſondern ſie wird ihre ſegensreichen Folgen für andere, auch außerheſſiſche höhere Mädchenſchulen haben.
Wenn wir oben bemerkten, daß wir aus der bisherigen Entwickelung des höheren Mädchenſchulweſens als bemerkenswerte ſtetige, noch weitergehende Richtlinien die Steigerung in der Verwendung weiblicher Lehrkräfte, die Steigerung des Unterrichtsalters für das weibliche Geſchlecht und die damit zuſammenhängende beſſere Ausbildung der weiblichen Lehrkräfte annehmen müſſen, wenn wir ferner bedenken, daß die Ausbildung des Zjährigen Seminars dem Bildungs⸗ trieb vieler Lehrerinnen nicht mehr genügt, daß gegenwärtig ſchon viele Univerſitäten im deutſchen Reich ihre Hörſäle nicht allein in Ferienkurſen den Frauen geöffnet haben, dann dürfen wir als nächſten praktiſch zu erreichenden Punkt auf dem Gebiete der Frauenbildungsfrage von unſerem gemäßigten Standpunkt zum Schluß den Wunſch ausſprechen, es möge das Reich oder ein Einzelſtaat oder eine Stadt oder Private, ſtatt Mädchengymnaſien einzurichten, einen kleinen Anfang zur Gründung einer Frauenhochſchule machen, auf der den Damen Gelegenheit geboten wird, eine akademiſche Bildung zu erlangen, die, wenn auch nicht derjenigen der Männer gleichartig ſo doch annähernd gleichwertig zu halten wäre und die ſich aufzubauen hätte auf die in einem Zjährigen Seminar erworbene Vorbildung. Nur ſo werden wir über die ungeſunden Utopien derjenigen hinauskommen, welche in blindem Übereifer die in unveränderlichen, ewigen Natur⸗ geſetzen begründeten Unterſchiede in den Anlagen beider Geſchlechter läugnen und Emanzipationsbeſtrebungen huldigen, die für die geſunde Weiterentwickelung des deutſchen Volkes nicht ohne Gefahr ſind.


