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8 Schulklaſſen mit einjährigem Kurs und eine Selekta für das 14—16te Lebensjahr, alſo eine 9klaſſige Schule, die für 10 Schuljahre berechnet war. Im Februar 1876 wurde die Schule als höhere Schule anerkannt und reſſortiert ſeitdem von Großherzoglichem Miniſterium des Innern. Auch hier iſt die ſtädtiſche Verwaltung durch ein Kuratorium von 5 Mitgliedern vertreten. Am 23ten September 1884 wurde das neuerrichtete Schulhaus bezogen. An die Stelle des am 26ten Dezember 1895 verſtorbenen Direktors Dr. Sommerlad trat Dr. Forbach am 11ten Februar 1896, an deſſen Stelle wiederum Dr. Otto am 1ten Oktober 1897. Seit Oſtern 1897 ſind an der höheren Mädchenſchule nicht verbindliche kaufmänniſche Kurſe eingerichtet. Die Klaſſenzahl betrug Oſtern 1898 10, Geſamtzahl der Schülerinnen 1897/98 269.
Noch enger an die beſtehenden höheren Knabenſchulen lehnte ſich, was die Lehrkräfte anbelangt, bei ihrer Gründung die höhere Mädchenſchule zu Worms lan. Faſt alle Lehrer waren in den erſten Jahren nach der Gründung(1874) Lehrer des dortigen Gymnaſiums und der Realſchule. Dieſe Schule wurde am 27ten Oktober 1874 eröffnet.„In der Stadt Worms beſtanden vor der Gründung der höheren Töchterſchule drei Privatſchulen für den höheren Mädchenunterricht, von welchen jede einen mehr oder weniger ausgeſprochenen confeſſionellen Charakter hatte. Das Inſtitut der Fräulein Keim, Tochter des in Ruheſtand verſetzten evangeliſchen Dekans Herrn Keim, war und iſt noch ausſchließlich von evangeliſchen Schülerinnen, das der engliſchen Fräulein ausſchließlich von katholiſchen und das ſ. Z. von Rabbiner Dr. Adler gegründete, von deſſen Wittwe weitergeführte und vor kurzem in den Beſitz von Frl. E. Stohmann übergegangene Inſtitut überwiegend von jüdiſchen Schülerinnen beſucht“ heißt es im erſten Programm der höheren Mädchenſchule zu Worms vom Jahre 1875/76.
Da die Stadt es ablehnte, oder ihre„finanziellen Kräfte es nicht erlaubten“, eine öffentliche höhere Mädchenſchule zu errichten, ſo beſchloß eine Anzahl Einwohner verſchiedener Konfeſſionen, eine ſolche Schule aus eignen Mitteln zu gründen und zu leiten, unter der Vorausſetzung, dieſelbe der Stadt zuübergeben, ſobald letztere bereit ſei, ſie zu übernehmen. Das im Auguſt 1874 gewählte Kuratorium beſtand aus 14 Mitgliedern. Zunächſt wurde das Inſtitut des Frl. Stohmann mit 120 Schülerinnen übernommen, 63 ſonſtige Schülerinnen traten ein, ſo daß die öklaſſige Schule in dem von einem Mitglied des Kuratoriums, Herrn C. W. Heyl, zur Verfügung geſtellten Kraftſchen Haus am Fruchtmarkt am 21 ten Oktober 1874 eröffnet werden konnte.*)
O. 1876 weiſt die neue Gründung 7 Klaſſen auf bei 24 Lehrkräften; es waren dies meiſt nur mit wenigen Stunden beſchäftigte Lehrer anderer Schulen und die Geiſtlichen, mit Ausnahme der katholiſchen, die eine Beteiligung abgelehnt hatten; unter den 24 Lehrkräften befanden ſich 6 Lehrerinnen. Dr. Marr leitete die Schule bis O. 1880, worauf dieſelbe dem Direktor ‚des Gymnaſiums unterſtellt wurde. Unter der Leitung des Direktors Dr. A. Becker hatte die Schule 1882 neun Klaſſen für 10 Schuljahre, 23 Lehrer, darunter 8 Damen, und 230 Schülerinnen.
O. 1884 übernahm der Direktor des Gymnaſiums und der Realſchule Dr. Boßler die Leitung.
Am 4ten April 1886 wurde die höhere Mädchenſchule dem Miniſterium unmittelbar unterſtellt, die Stadt übernahm die Verwaltung, wie anderwärts wurde ein aus 5 Mitgliedern beſtehendes Kuratorium beſtellt; die erweiterte Keimſche Privatſchule ging in der höheren Mädchenſchule auf, und die Schule erhielt mit der vollendeten Reorganiſation als 10 klaſſige Schule einen eigenen Leiter in der Perſon des Direktors Dr. E. Rauſch.
Den Reigen der im Großherzogtum Heſſen beſtehenden öffentlichen höheren Mädchenſchulen ſchließt der Ent⸗ ſtehungszeit nach die höhere Mädchenſchule zu Mainz.
Wenn ſchon in Worms die konfeſſionellen Verhältniſſe und die beſtehenden ſehr gut beſuchten Privatſchulen die Gründung einer ſtädtiſchen höheren Mädchenſchule verzögerten, ſo waren dieſe Gründe in Mainz noch viel auffallender und ſtärker. Zwar war ſchon im Jahre 1771 von Steigenteſch*) auf die Notwendigkeit der Errichtung einer„weiblichen Realſchule“ hingewieſen worden, doch kam es erſt im Jahre 1889 zu der Eröffnung dieſer Schule, die in derſelben Weiſe wie die 4 übrigen Schulen 10 Klaſſen(meiſt Doppelklaſſen) hat, außerdem eine Selekta und 1 Seminarklaſſe, welch letztere der dritten Klaſſe des Seminars in Darmſtadt gleichſteht. Das Lehrerkollegium beſtand 1897/98 aus 30 Lehrern und Lehrerinnen, die Schülerinnenzahl war 582. Neben dieſer ſtädtiſchen höheren Mädchenſchule hat Mainz außer dem großen Inſtitut der engliſchen Fräulein 2 größere Privatmädchenſchulen.
Die höheren Mädchenſchulen im Großherzogtum Heſſen haben ſich, im großen und ganzen, ähnlich wie im übrigen Deutſchland entwickelt. Die Punkte, welche überall mehr oder weniger als weſentlich für den Fortſchritt hervortreten, finden wir durch einen kurzen Vergleich zwiſchen dem Zuſtand der höheren Mädchenſchule von einſt und jetzt.**“*)
*) Vergl. Programm O. 1876. **) Siehe Programm des Gymnaſiums zu Gießen, Beilage 1897/(98. r) Siehe Sommer, in Wychgrams Handbuch und Nöldeke, Feſtſchrift.


