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Genauere Durchnahme der Lehre von der Wärme, dem Licht, der Elektricität und dem Magnetismus.— Ueber⸗ all werde der Zuſammenhang der Naturlehre mit dem Leben gezeigt und namentlich auf die wichtigſten Erfindungen der neueren Zeit, wie Eiſenbahnen, Dampfmaſchinen, elektriſcher Telegraph, Anwendung des Galvanismus u. ſ. w. auf⸗ merkſam gemacht.“
Die Mythologie. 1 St. bildete einen beſonderen Lehrgegenſtand, es wurde„die griechiſche Götterlehre und das Wichtigſte der germaniſchen Mythologie mit Anwendung auf die Kunſtſchöpfungen alter und neuerer Zeit, namentlich in der Poeſie“ durchgenommen. Unter Zeichnen. 2 St. heißt es:„Die erſte Claſſe bildet die einzelnen hervortretenden Talente möglichſt aus und beſchäftigt die weniger talentvollen Schülerinnen nach ihren Fähigkeiten“ und unter Weib⸗ liche Handarbeiten. 2 St.:„Weißzeugnähen, feine Straminarbeiten und Stickereien. Die Lehrerin begünſtige mehr das Nothwendige und Nützliche und halte die Kinder möglichſt ab, ſtets nur Luxusarbeiten zu fertigen, damit ſie nicht über dem Stickrahmen den Sinn für das Kochen und Waſchen und überhaupt für die wirklich nothwendigen häuslichen Ar⸗ beiten verlieren“.
Bei Turnen. 2 St. wird bemerkt:„Reigen, ſowohl Tanz- als Geſangreigen, als Verbindung der ſchwierigſten Ordnungs⸗ und Schrittübungen. Hangeln an der Leiter(nur wagrecht). Stabübungen, Hantelübungen, Hang- und Stützſchaukel, Kreisſchwingel, Gehſchaukel und Spiele.
Vorzugsweiſe ſoll auf Gewandtheit und Anmuth in der Bewegung hingearbeitet und in den Uebungen Alles ſtreng vermieden werden, was das weibliche Schicklichkeitsgefühl verletzen könnte“.
Beigefügt iſt dieſem erſten Programm vom Jahre 1868, wie erwähnt, eine Abhandlung von Dr. Fridolin Wagner:„Ueber Umfang und Grenzen der weiblichen Bildung mit beſonderer Verüikſichtigung der an die höheren Mädchenſchulen zu ſtellenden Forderungen.“
Die Abhandlung zeigt, wie groß damals ſchon das Intereſſe weiter Kreiſe an der Entwickelung der höheren Mädchenſchulen war, und vertritt auf Grundlage der Arbeiten von Schornſtein, Flaſhar, Kühner, Woebken u. a. den gemäßigten Mittelſtandpunkt derjenigen Mädchenſchulpädagogen, welche wenige Jahre ſpäter in Weimar zuſammentraten und die erſte feſte Grundlage für die Entwickelung der 10klaſſigen höheren Mädchenſchule in den bekannten Beſchlüſſen legten. Vor allen Dingen vertritt der Verfaſſer den noch heute gültigen Standpunkt, daß die höhere Mädchenſchule keine Fach⸗ und Berufsſchule ſein ſoll, ſondern eine Anſtalt, die allen Mädchen eine allgemeine höhere Bildung zu ver— mitteln hat.
Für die Zeit von 1868 bis Michaeli 1876 ſind wir wieder auf unſere Matrikel angewieſen, da erſt Oſtern 1878 der zweite Jahresbericht der höheren Mädchenſchule erſchien, welcher über die Zeit von Michaeli 1876 bis Oſtern 1878 berichtete.
Das Bemerkenswerteſte geben wir nach der Matrikel wieder.
Seit 1869 fängt das Schuljahr Oſtern an.„Oſtern 1869 wurde dem bisher proviſoriſchen Inſpicienten der Höheren Mädchenſchule Dr. Fr. Wagner die Leitung der Anſtalt mit dem Amtstitel„Schulinſpector“ definitiv über⸗ tragen. Zugleich wurde derſelbe, um eine beſſere Beaufſichtigung der Lehrer und Schulklaſſen möglich zu machen, von einem Theil der Lehrſtunden entbunden.“
Das Jahr 1870 ſcheint ohne größere Störungen für die Schule verlaufen zu ſein, ebenſo 1871. Oſtern 1871 wurden zwei neue Klaſſen errichtet, je eine Parallelklaſſe zu Klaſſe III und VIII, ſodaß die Schule nunmehr 8 auf⸗ ſteigende Klaſſen beſaß. Wichtigere Veränderungen brachte dagegen das Jahr 1873.„Im Herbſt des Jahres 1873 wurden verſetzt: 1. Diakonus Dingeldey, welcher am 1. November dritter Stadtpfarrer wurde, 2. Diakonus Pfnor, welcher als Oberlehrer an die Stadtmädchenſchule kam, und 3. Mitprediger Mitzenius, welcher zum Mitprediger in Gießen befördert wurde.— Für dieſe drei theologiſchen Lehrer treten als proviſoriſche Lehrerinnen mit Vikariatsgehalt ein: Fräulein Friederike Zaun, Babette Römer und Marie Stockhauſen. Drei dadurch erledigte Stellen einer Induſtrielehrerin erhielt Fräulein Minna Nöllner.“
Es treten hier zum erſtenmal Lehrerinnen gleichberechtigt als Klaſſenlehrerinnen neben die theologiſchen und ſeminariſtiſch gebildeten Volksſchullehrer, während vorher Damen nur als Induſtrielehrerinnen(oder Geſanglehrerinnen) nebenbei franzöſiſche Konverſation lehrten. Es wird alſo ſeit dieſem Zeitpunkt das Franzöſiſche nicht mehr in der Hand⸗ arbeitsſtunde„parlando“ gelehrt. Ebenſo verſchwindet der Unterricht„in der Orthographie der Fremdwörter“.


