Aufsatz 
Festspiel zur Einweihung des neuen Hauses der Viktoria-Schule und des Lehrerinnen-Seminars in Darmstadt / Dichtung von C. Keil, Musik von W. Petr
Entstehung
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die höheren Mädchenſchulen übernahm. Die nöthige Einheit ſollte durch den Schulvorſtand, in welchem die Schulinſpectoren Sitz und Stimme haben, gewahrt werden.

Es wird alſo von dieſer Zeit an der Mitprediger Dr. Fridolin Wagner, Lehrer der 1ten Klaſſe der höheren Mädchenſchule, als Schulinſpektor Leiter der höheren Mädchenſchule.

Um dieſe Zeit zeigen die einzelnen Klaſſen ſehr hohe Schülerinnenzahlen, ſo 1865 /66. Kl. I 66, Kl. II 76, Kl. III 78. Dabei muß bemerkt werden, daß eine größere Anzahl von Schülerinnen zwei Jahre in Klaſſe I verbleibt, daß der Austritt jedoch gewöhnlich noch mit der Konfirmation erfolgt.

Unter der Leitung des Schulinſpektors Dr. Fridolin Wagner entwickelte ſich nun die höhere Mädchenſchule zu einem großen einheitlichen Organismus. Zwar trat er vom 9. November 1863 bis 6. April 1864 von ſeiner Stellung zurück und verſah während dieſer kurzen Zeit eine Lehrerſtellee am Gymnaſium zu Darmſtadt, doch konnte Pfingſten 1867 ein neuer Lehrplan für die höhere Mädchenſchule, der von den Lehrern beraten und von dem Leiter entworfen worden war, in Kraft treten, der dann bis zur Reorganiſation des Jahres 1876 befolgt wurde, und den wir in dem erſten von unſrer Schule veröffentlichten Programm des Jahres 1868 abgedruckt finden. Dieſes Programm enthält außer dem Lehrplan eine kurze Geſchichte der Schule, Schulnachrichten und eine Abhandlung über weibliche Bildung von Dr. Fridolin Wagner.

Nur einiges heben wir zur Kennzeichnung des damaligen Standes der Mädchenſchulfrage heraus.

Zunächſt verdient die tabellariſche Überſicht der Lehrfächer mit Angabe der Klaſſen und der wöchentlichen Stundenzahl unſer Intereſſe; ſie lautet:

Lehrfächer Kl. I Kl. II Kl. III Kl. IV Kl. V Kl. VI Kl. VII Religion 3 3 3 4 4 4 4 Deutſche Sprache 4 4 4 6 6 7 6 Franzöſiſche Sprache 6 6 6 5 5 2 Engliſche Sprache 2 2 Se Geſchichte 2 2 2 2 V 2 2 Geographie 2 2 2 1 8 Naturgeſchichte 1 1 1 1 1 1 Naturlehre 1 1 1 Rechnen 2 2 2 2 2 2 4 Mythologie 1 Anſchauungsunterricht 4 Schönſchreiben 1 2 2 2 2 2 4 Geſang 2 D en Dae e e weene errerdeie Zeichnen 2 2 2 2 Weibliche Handarbeiten

(i. Kl. VI u. VII m.

franz. Sprechübungen) 2 2 2 2 2 4 4 Turnen 2 2 2(2) Summa der wöchentlichen 33 33 31 31 26 26(7) 26

Lehrſtunden (ohne Confirmandenſtunden)

Die Maximalſtundenzahl war alſo in Kl. I und II einſchließlich der beiden Konfirmandenſtunden 35. Es mögen hier einige Stellen aus dem Lehrplan auszugsweiſe folgen.

In Klaſſe VII, welche 2 Jahrgänge vereinigte, wird das Leſen nach der Schreibleſemethode gelehrt. Von dem mit 4 Stunden bedachten Anſchauungsunterricht heißt es, erſoll die Kinder mit einer Reihe von Gegenſtänden und Erſcheinungen aus Natur⸗ und Menſchenleben genauer bekannt machen, ihr Auge daran bilden und ſie zum Nachdenken und guten Sprechen anleiten.

Auszugehen hat der Anſchauungsunterricht vorzugsweiſe von wirklichen Erſcheinungen und Anſchauungen, doch können auch gute Bilder gelegentlich dabei benutzt werden. Für Singen ſind keine beſondere Stunden in Kl. VII