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ſpätungen eingetragen. Nachſitzen fand als Strafe nicht ſtatt, doch wurden wir oft und weit über die geſetzliche Zeit in der Schule gehalten.
Ferien. Die Pfingſtferien am Jahresſchluß dauerten 10, Sommer⸗ und Herbſtferien je 14, Weihnachts⸗ ferien 10—14 und Oſterferien 8 Tage. Am Faſtnachtdienstag war der Nachmittag frei. Aus Veranlaſſung von Hitze wurde niemals freigegeben. Es dachte aber auch niemand daran. Auch von Überbürdung war niemals die Rede, obgleich alle Arbeiten damals noch abgeſchrieben, viele Lieder und Sprüche auswendig gelernt und in der Geſchichte viele Zahlen gelernt wurden. Ich erinnere mich, daß uns bei alledem noch recht viel Zeit zum Spielen blieb. Aber das häusliche und geſellſchaftliche Leben ſpielte ſich auch damals viel beſcheidener ab als heutzutage.
War auch die Schulzeit damals auf 8 Jahre beſchränkt, und die Methode des Unterrichts in vielen Fächern nicht den heutigen Erfahrungen entſprechend, war meiſt keine Konzentration gewahrt, ſo wurde doch das, was gelehrt wurde, meiſt recht gründlich gelehrt, und wer nur recht wollte, konnte auf dieſen Grund weiter bauen. Iſt mir doch im ſpäteren Leben manche ehemalige Mitſchülerin oder Schülerin früherer Jahrgänge begegnet, die ſich ſpäter eine recht reiche und harmoniſche Bildung erworben hatte. Ich habe in verſchiedenen Gegenden den Vergleich mit den Leiſtungen andrer höherer Mädchenſchulen ziehen können und nicht zum Nachteil der unſeren. Spielte auch im Geſchichtsunter⸗ richt das Anekdotenhafte eine unverdient große Rolle, ſo wurde doch Begeiſterung geſchaffen, die nicht abgeſchwächt wurde, als ſpäter ſo manches auf der Schulbank Erlernte vor der Kritik ernſter Geſchichtsſchreiber nicht beſtehen konnte. Viele Schülerinnen fingen damals nach Verlaſſen der Schule das Engliſche an, nahmen noch Privatunterricht im Fran⸗ zöſiſchen, in deutſcher Litteratur, Geſchichte und anderen Fächern, hörten ſpäter Vorträge im Alicelyceum ꝛc. Aber das Bedürfnis, in geſchloſſenen Lehrgängen das damals in der Schule Gebotene zu erweitern, gab zunächſt Vevanlaſſung, daß die Herren Wagner, Dingeldey, Schönfeld und Ritſert private Fortbildungskurſe eröffneten, und daß ſpäter 2 Fort⸗ bildungsklaſſen der Schule ſelbſt angegliedert wurden, bis die Neuorganiſation im Jahre 1876 deren völlige Einver⸗ leibung brachte.“


