Aufsatz 
Festspiel zur Einweihung des neuen Hauses der Viktoria-Schule und des Lehrerinnen-Seminars in Darmstadt / Dichtung von C. Keil, Musik von W. Petr
Entstehung
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Den 9ten Dezember(1843) bei Gelegenheit des feierlichen Empfangs J. J. K. K. H. H. des Thronfolgers von Rußland Alexander Nikolajewitſch und höchſt deſſen Gemahlin Maria Alexandrowna ſtand auch ein Theil der Schülerinnen der erſten höheren Mädchenſchule Abth. I. Spalier. Sieben Mädchen überreichten ein Feſtgedicht.*)

Durch Dekret vom 22ten July 1844 wurde Paulus Müller, Gr. Freiprediger, zum Lehrer an der erſten höheren Mädchenſchule ernannt.

Am 28ten Auguſt(1844) fand die feierliche Enthüllung des Ludwigs⸗Monuments ſtatt, und auch die Kinder der erſten höheren Mädchenſchule nahmen an dieſer erhebenden Feier theil.

Am 1. Januar 1845 wurde das Schulgeld in den höheren Mädchenſchulen in der Weiſe erhöht, daß in den beiden oberen 2 fl. und in den mittleren 1 fl. 30 Kr. monatlich entrichtet wird. Was die Kinder betrifft, deren Eltern nicht innerhalb der Gemarkung Darmſtadt wohnen(Beſſungen zählte nicht zu Darmſtadt), ſo ſoll das Schulgeld in folgender Weiſe erhoben werden:

1. Für die zwei Abtheilungen der erſten höheren Mädchenſchule mit jährlich 36 fl. oder monatlich 3 fl. 2. Für die zwei Abtheilungen der zweiten höheren Mädchenſchule mit jährlich 30 fl. oder monatlich 2 fl. 30 Kr. 3. Für die dritte höhere Mädchenſchule das bisherige jährliche Schulgeld mit 24 fl. oder monatlich 2 fl.

Im Jahre 1845/46 beſtand alſo die höhere Mädchenſchule aus 5 Klaſſen, ſie war Zſtufig, da die Klaſſe I und II in Parallelklaſſen geteilt waren.

Freiprediger Friedrich Ritſert, der jüngere Bruder des verſtorbenen Ernſt Ludwig R., unterrichtete Klaſſe Ta im Mayſchen Stift, Freiprediger Paulus Müller Klaſſe Ib im Kyritzſchen Stift, Freiprediger Göhrs Klaſſe IIa im Hauſe des Tanzmeiſters Lepitre, Vikar Keim Klaſſe IIb(51 Schülerinnen) im Freyſchen Hauſe und Lehrer Fuchs Klaſſe III im Kyritzſchen Stift. Die öffentlichen Prüfungen wurden bis zum 12ten Mai 1846 abgehalten, die Verſetzung der Schülerinnen fand am 28ten Mai ſtatt, das Schuljahr ſchloß alſo mit der an Pfingſten ſtattfindenden Konfirmation.

Am 5ten Auguſt 1847 zogen die beiden Mittelklaſſen aus den gemieteten Sälen in die alte Realſchule über.

Im Jahre 1850 /51 wurde, wie oben erwähnt, der Turnunterricht eingeführt, und zwar erteilte Oberſtudien⸗ aſſeſſor Adolf Spieß(geb. zu Lauterbach in Oberheſſen) denſelben zunächſt in Klaſſe Ja und Ib. Wir laſſen hier den Bericht eines Augenzeugen, des um unſer Schulturnen hochverdienten kürzlich verſtorbenen Turninſpektors Schulrat Marx folgen, der den Turnunterricht nach Spieß lange Jahre an der Viktoriaſchule erteilte; derſelbe ſchreibt:

Im Jahre 1848 wurde Spieß von dem Miniſterium Gagern als Organiſator des Schulturnens in Heſſen berufen und ſiedelte im Mai nach Darmſtadt über. Eine ſeiner erſten Maßregeln war die Beſchaffung und Einrichtung eines einigermaßen geeigneten Lokales, um mit einigen Klaſſen des Gymnaſiums, der Realſchule und der höheren Mädchenſchule den Turnunterricht ſofort beginnen zu können. Das Geſuchte fand ſich in einer mitten in der Stadt gelegenen Gartenwirtſchaft***) mit verhältnismäßig kleinem Saale, aber mit einem großen Garten, welcher mit einigen Reihen der ſchönſten Platanen beſtanden war. An der Langſeite des Saales wurde ein etwa 2 Meter breiter Geräteraum

*) Dasſelbe lautete: Worte der Huldigung bei dem feierlichen Empfang Ihrer Kaiſerlichen Hoheiten, des Thronfolgers von Rußland Alexander Nikolajewitſch und Höchſtdeſſen Gemahlin Maria Alexandrowna, gebornen Prinzeſſin von Heſſen in der Reſidenz Darmſtadt 1843. Überreicht im Namen der Stadt am 9. Dezember 1843.

Im Feſtesſchmuck, mit tiefgefühltem Grüßen, Drei Jahre zarter Wünſche ſind entſchwunden, Empfängt die Stadt Dich, hohes Fürſtenpaar! Doch war die Zeit auch an Erfüllung reich: Ein Wiederſehen will den Schmerz verſüßen, Gott, der einſt Eure Herzen hier verbunden, Der einſt des Abſchieds treuer Zeuge war. Schmückt Euern Stamm mit blühn'dem Doppelzweig. Der Bürger Reih'n ſo dieſe Pfort' umſchließen, In weiter Fern' ward Euer Glück empfunden, Sie bringen Euch des Willkomm's Jubel dar: Und unſer frommer Dank war Eurem gleich: Von Ehrfurcht und von Liebe nur gedrungen, In dieſem Einklang heiliger Gefühle Weih'n Eurer Huld ſie ihre Huldigungen. Grüßt Darmſtadt Euch an Eurer Reiſe Ziele.

Zieht freudig ein, vom Bürgergruß begleitet, Nach jenem Kreis, wo Euch die Sehnſucht winkt. Schon ſind des Vaters Arme ausgebreitet, Die er beglückt um ſeine Kinder ſchlingt, Ein Freudenfeſt hat ihm der Herr bereitet, Der ihm die Langvermißten wiederbringt: Und dieſes Feſt in des Palaſtes Hallen Auch uns iſt es ein Feſt, den Heſſen allen.

***) Die jetzige Reſtauration Sitte, Karlsſtraße.