Aufsatz 
Festspiel zur Einweihung des neuen Hauses der Viktoria-Schule und des Lehrerinnen-Seminars in Darmstadt / Dichtung von C. Keil, Musik von W. Petr
Entstehung
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III. 1839 1864.

Wenn wir die erſte Phaſe der Entwickelung der höheren Mädchenſchule in die Zeit vom Jahre 17831829 legen und dieſe Zeit abſchließen mit dem Jahre, in welchem wegen der Überfüllung der beſtehenden Mädchenſchulen zwei neue Klaſſen gebildet wurden, die als höhere Bürgerſchulen organiſiert waren und einen Lehrplan aufweiſen, der etwa dem der heutigen Mädchenmittelſchule entſprach, ſo gehen wir nun zu dem zweiten Abſchnitt in der Geſchichte der Viktoria⸗Schule über, den wir bis zum Jahre 1876 rechnen, weil in dieſem Jahre die Umwandlung der beſtehenden Klaſſen in die vollentwickelte 10 klaſſige höhere Mädchenſchule auf Grundlage der bekannten Weimarer Beſchlüſſe des Jahres 1872 erfolgte.

Dieſer Zeitraum wird durch das Jahr 1861 in zwei Abſchnitte geteilt, weil dieſes Jahr einſchneidende Ver⸗ änderungen brachte, die durch den Umzug der einzelnen bis dahin räumlich getrennten Schulklaſſen in ein gemeinſames großes Schulhaus bedingt waren.

Die Weiterentwickelung vom Jahre 18291861 wird charakteriſiert durch eine bedeutende Zunahme der Schülerinnenzahl, die eine Vermehrung der Klaſſen mit ſich brachte, weniger durch innere Neuorganiſationen oder tief⸗ gehende Änderungen des Lehrplans. Wir wollen deshalb nur die Hauptpunkte hervorheben und verweiſen im übrigen auf die angehängte Tabelle, welche eine Überſicht über die an der Schule wirkenden Lehrkräfte gibt.

Doch ſei uns zunächſt geſtattet, einige Ereigniſſe zu berühren, an denen die Schülerinnen der höheren Mädchen⸗ ſchule in den dreißiger Jahren beteiligt waren. Wir laſſen unſere Quellen, Einträge in der Matrikel der Klaſſe I., ſelbſt ſprechen:

Bei dem feierlichen Empfange des Allerdurchlauchtigſten Regentenpaars, Ludwig II. und Wilhelminens bei deſſen Rückkehr aus der Provinz Oberheſſen am 12. Juli 1830*) ſtanden die Schülerinnen der hieſigen Bürgerſchulen und viele aus Privatmädchenſchulen in dem von den nach Zünften geordneten Bürgern gebildeten Spalier, meiſt in weißer Kleidung mit rothen Bändern, und ſtreuten theils Blumen, theils hielten ſie Guirlanden. Die Anzahl der Mädchen belief ſich auf 1130. Sieben durch Wahl beſtimmte Mädchen aus den hieſigen Stadtmädchenſchulen überreichten ein von Herrn Gymnaſſiallehrer Baur verfertigtes, von Herrn Kriegskanzliſten Lindheim auf Pergament geſchriebenes, in weißen Atlas gebundenes Gedicht.

Von dieſen 7 Mädchen wurde nach der engeren Wahl derſelben, welche die Lehrer beſtätigten, Regine Klaasky, Schülerin der erſten höheren Mädchenſchule, zur Überreichung des Gedichtes beſtimmt. Nachdem die Großherzogl. Familie in das Palais zurückgekehrt war, zogen die Mädchen in geordneten Reihen durch das Palais an dem innerhalb desſelben verſammelten Hofe vorbei. Auf alle machte dieſer Zug den größten Eindruck. Klaasky erhielt von der Frau Groß⸗ herzogin durch die Hand des Herrn Bürgermeiſters Hofmann eine koſtbare goldene Uhr zum Geſchenk.

*) Die Bürger ſangen hierbei folgendes Lied:

Mel. Heil, unſrem Bunde Heil.(Mit gedämpfter Stimme.) Stimmt an im Feierklang Tag, der vom Himmel ſank Geiſter aus lichten Au'n Jauchzenden Hochgeſang, Feurig ertöne Dank Segnend hernieder ſchau'n,

Jubelnde Luſt! Dem, der ihn ſchuf. Stimmen mit ein. Was aller Herz durchglüht, Hell, wie der Sterne Pracht, Himmliſcher Harfen Klang Leuchtend aus Blicken ſprüht, Strahl' uns des Tages Nacht! Tönet zum Jubelſang, Ström' hin im Jubellied Ihm, der den Tag gemacht, Den wir aus Herzensdrang Aus Bürgerbruſt! Schall' Dankesruf! Den Beſten weih'n. (Aus voller Bruſt) Der unſer Schickſal wog, Ström' aus im Feierklang Schütz' unſern Großherzog, Jauchzender Hochgeſang: Erhalt' uns Ihn! Den Beſten! Heil! Gnädig uns zugewandt, Hoch lebe Ludwig! Hoch! Gott, an der Mutter Hand, Hoch Wilhelmine! Hoch! Schütz' Ihn für's Vaterland, Hoch leb' Haus Heſſen! Hoch!

Erhalt' uns Ihn! Heil! dreimal Heil!