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Das Miniſterium verfügte hierauf am 24. Oktober 1819, daß eine 4 te Mädchenſchule für die Vorſtadt errichtet, die Lehrerſtelle mit einem„illiterato zu beſetzen ſei, daß das Schulgeld in den drey erſten Mädchenſchulen, welche mit literatis beſetzt ſeyen und künftig mehr von den Kindern der vermögenden Einwohner wieder beſucht werden, ſoweit zu erhöhen, daß die drey daran angeſtellten Lehrer zuſammen jährlich 425 fl. abgeben könnten“.
Nach einiger Zeit wurde dann ein Schullokal für 100 Kinder im Hauſe des Benjamin Walloth gemietet und die Stelle dem Lehrer Ludwig Karl Hechler mit dem dafür verordneten Gehalt von„jährlich einhundert Gulden Geld aus dem Pfarr⸗ und Schulverbeſſerungsfonds, weiteren zweihundert Gulden Geld aus dem Superintentendurfonds, ſowie fünf Klafter Holz jährlich aus den ſtädtiſchen Waldungen und zwar dieſe mit der Verbindlichkeit, das Schulzimmer davon mitheitzen zu müſſen— ingleichen freyer Wohnung und dem verordnungsmäßigen Schulgeld von zwei Gulden jährlich für jedes Kind zahlungsfähiger Eltern“ am 21. Februar 1820 übertragen.
Aus dem leider unvollſtändigen Aktenmaterial erſehen wir, daß der Hauptgrund, die höheren Mädchenſchulklaſſen wieder von den Volksſchulklaſſen zu trennen, die bedeutende Üüberfüllung war, an welcher dieſe litten. 600 Schülerinnen beſuchten dieſe 3 Schulklaſſen; auf einen Lehrer, die alle 3„literati“ ſind, kommen 200 Schulkinder. Wie war es möglich, dieſelben in 3 Schulſälen, die zur Verfügung ſtanden, zu unterrichten, wie waren dieſe Maſſen untergebracht?
Wir ſehen aus dieſen Berichten ferner, daß das Schulgeld 2 und 4 fl. beträgt, daß eine ganze Anzahl von Winkelſchulen(kleinen Privatſchulen) beſtand, und daß dieſelben als bedenkliche Einrichtungen betrachtet wurden.
Hier drängt ſich uns nun die Frage auf: wo und wie waren die Schulhäuſer, in denen, wie in unſeren heutigen Landſchulen, ſich auch die Lehrerwohnungen befanden?
Wahrſcheinlich waren die Schulklaſſen urſprünglich in dem alten ſtädtiſchen Schlachthauſe untergebracht; wir erfahren wenigſtens, daß eines Tages ein verwundeter Ochſe ſich in das Schullokal zu flüchten verſuchte; doch ſchon ums Jahr 1800 ſcheint die Überfüllung“) eine ſo große geweſen zu ſein, daß, vielleicht hierdurch angeregt, zwei edle Menſchenfreunde Stiftungen vermachten, welche beſtimmt waren, der weiblichen Jugend der Haupt⸗ und Neſidenzſtadt Darmſtadt zu gute zu kommen, wir meinen die Schenkungen des durch den Stadtpfarrer Kyritz angekauften damaligen Bürgerhoſpitals am Beſſunger Thor und die des in der Alexranderſtraße(im Birngarten) gelegenen Hauſes durch den Großherzoglichen Regierungsrat Ludwig Georg May.
Am 13. Dezember 1809 bezog die Klaſſe I und III das ſogenannte Kyritzſche Stift, nachdem der Klaſſe II am 14. November 1808 das Mayſche Schulhaus eingeräumt worden war. In dieſen beiden Häuſern verblieben dieſe Klaſſen bis zum Jahre 1861.**)
Aber auch dieſe Abhülfe genügte nur kurze Zeit; aus einem Schreiben des Gr. Kirchen⸗ und Schulrats zu Darmſtadt proteſtantiſchen Teils vom 19. Mai 1829 erfahren wir, daß:„Die zweite Mädchenſchule von 195— gegenwärtig 205— Kindern beſucht werde“; daran knüpft der Referent die Bemerkung:„Es iſt dies eine wahre Grauſamkeit gegen Kinder und ihre Lehrer. Denn abgeſehen davon, daß der Unterricht nothwendig darunter leiden muß, ſo ſind auch die Geſundheit und das Leben der Kinder, welche in einem kleinen(!) Schulzimmer zuſammengepreßt ſind, beſonders in den heißen Sommermonaten auf das höchſte gefährdet. Und auch der kräftigſte Lehrer muß bei einer ſo großen Anſtrengung des Geiſtes und des Körpers unter der drückenden Laſt nothwendig erliegen.“
Das was wir bisher von Schulen, d. i. Schulklaſſen, geſagt, bezieht ſich nur auf die evangeliſchen Stadtſchulen.
Wie der Beſuch aller Schulen Darmſtadts ſich im Jahre 1829, wo 2 höhere Stadtmädchenſchulen auftreten, entwickelt hatte, zeigt folgende genaue Überſicht, die im Herbſt 1829 amtlich***) aufgeſtellt wurde, und die uns einen klaren Einblick in die damaligen Schulverhältniſſe gewährt:
*) Auch die Knabenſchulen waren in derſelben Weiſe überfüllt. In einem Schreiben des Gr. Kirchen⸗ und Schulrats vom 21. Dez. 1827 wird geltend gemacht,„daß 1073 Schulkinder in 7 Schulen vertheilt ſeyen, und daß eigentlich noch 3 Schulen erforderlich ſeyen, von welchen jede immer noch 100 Kinder aufnehmen müßte.“
**)„Schenkungen des verſtorbenen Kirchenraths Kyritz und des Regierungsraths May, durch welche die Stadt zwey Schulhäuſer mit drey Schulzimmern und drey Lehrerwohnungen erhalten“. Die Gr. Regierung der Provinz Starkenburg an den Gr. Landrat, 25. März 1830.
***) Beilage zu einem Schreiben der Großh. Regierung der Prov. Starkenburg an den Großh. Landrat vom 25. März 1830.


