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theilungen geſchieden waren, und zwar nicht nach dem Alter, ſondern nach dem Stande in Honoratioren- und Bürger⸗ kinder, welche getrennt ſaßen und nicht untereinander certirten“*), wenn wir ferner berückſichtigen, daß der Lehrer ein Theologe war, und annehmen dürfen, daß ſchon damals Schulgeld entrichtet werden mußte(i. J. 1819 2 fl. u. 4 fl.), im Gegenſatz zu den Armen⸗ und Freiſchulen, ſo dürfen wir die neugegründete Schule, trotzdem daß der Lehrplan dem unſerer heutigen Volksſchulen entſprochen haben mag und keinen Raum für franzöſiſchen Unterricht hatte, als eine beſſere Bürgerſchule bezeichnen. Jedenfalls wurde die neue Schule bald ſtark beſucht und„um den Anfang des Jahrhunderts in 2 Schulen zerlegt, ſo jedoch, daß der neuen Schule als Elementarklaſſe die jüngeren Honoratioren- und Bürgerkinder zugetheilt wurden, dieſe neue Schule ſomit gerade ſo zuſammengeſetzt wurde, wie die obere Klaſſe, deren Vorbereitungs⸗ oder Elementarklaſſe die neugegründete von einem unſtudirten Lehrer verwaltete Schule war. 1802 wurde ſodann die I. Claſſe noch einmal getheilt, und zwar wurden wiederum die jüngeren Kinder ausgeſchieden und in eine II. Claſſe vereinigt, welche von einem Theologen beſetzt wurde.“*)
Auf dieſe einfache Weiſe entwickelte ſich die urſprünglich einklaſſige Schule zur dreiklaſſigen, und dieſe 3 Klaſſen beſtanden bis zum Jahre 1829 neben anderen neuerrichteten Stadtmädchen- und Freiſchulen, den konfeſſionellen, den Privat⸗ und Militärſchulen, die der unten folgende Bericht des Jahres 1830 erwähnt.
An der erſten Schule, wie an der zweiten wirkten eine ganze Reihe tüchtiger junger Theologen, welche als Kandidaten dieſe Lehrerſtellen verſahen, bis ſie in das Pfarramt oder den höheren Kirchen- und Schuldienſt übertraten. So an der erſten Klaſſe nach Kärcher Georg Andreas Frey 1784—1789(geſt. als Pfarrer zu Großbieberau 1830), Friedrich Ludwig Wagner 1789— 1795(geſt. 1835 als Kirchen⸗ und Schulrat, Verfaſſer des weitverbreiteten„Hand— buchs des Wiſſenswürdigſten“ und der„Lehren der Weisheit und Tugend,“ neubearbeitet von ſeinem Sohne Oberſtudien⸗ rat K. Wagner), Johann Adam Weylandt 1795—1801, Heinrich Philipp Ludwig 1801— 1812(geſt. 1864 als Ober⸗ konſiſtorialrat und erſter Stadtpfarrer zu Darmſtadt), Johann Stücker 1812—1816(geſt. 1851 als zweiter Stadtpfarrer zu Darmſtadt), Jakob Vogel 1816—1828(ſpäter Pfarrer und Kirchenrat zu Niederramſtadt). An der zweiten Schul⸗ klaſſe wirkten ſeit 1800 Freiprediger Schäfer und Karl Ludwig Sackreuter bis 1828(geſt. als Pfarrer zu Raunheim).***)
Aus einem Bericht der Gr. Heſſ. Regierung vom 2. Oktober 1819+), der uns einige intereſſante Aufſchlüſſe über den Stand der Mädchenſchulen vom Jahre 1815—1819 gibt, entnehmen wir Folgendes:
„Die Errichtung einer neuen(der 4 ten) Nädchenſchule in hieſiger Reſidenz betreffend.
Die Ueberfüllung der hieſigen Stadtſchulen für die weibliche Jugend veranlaßte ſchon im Jahr 1815 Großh. Kirchen- und Schulrath die Vermehrung dieſer Schulen mit 2—3 in Berathung zu ziehen. Aus Mangel an Mitteln blieb indeſſen die Realiſirung bisher ausgeſetzt, und erſt im März d. J. hat das Hochpreisl. Geh. Staats⸗Miniſterium die Errichtung einer Mädchenſchule, für die Vorſtadttheile der Pankratienſtraße in der Vorausſetzung genehmigt, daß die Koſten und Beiträge von Kirchen⸗ und Schulfond ſowie aus dem Schulgeld beſtritten werden können.——
Der Stadtrath hat ſchon im Jahr 1816 vorgeſchlagen, das Schulgeld von den Kindern der Honoratioren zu erhöhen, welche an den Stadtſchulen kein Recht hätten.—
Wahr iſt es, daß die Gebäulichkeiten von der Stadt gegeben ſind, daß die beiden Schulen anfänglich und bis zu deren in neuerer Zeit geſchehenen Verbeſſerung, durch Anſtellung wiſſenſchaftlich gebildeter Lehrer, nur von Kindern aus den niederen Volksklaſſen beſucht wurden, daß alſo, wo nicht das Recht, doch der urſprüngliche Zweck dahin nicht gerichtet geweſen zu ſeyn ſcheint, daß ſie für Kinder gebildeterer Stände zum Unterricht dienen ſollte.—
Meines Erachtens dürfte es daher am ſchicklichſten ſeyn, das Schulgeld an den Stadtſchulen, an denen wiſſen— ſchaftlich gebildete Lehrer angeſtellt ſind, und das bisher 2—4 fl. betrug, auf 4 und 8 fl. zu erhöhen und hieraus einen Fond für die neu zu errichtende Schule zu bilden. Rechnet man, daß nur 500 Mädchen(ſtatt der bisherigen 600 und 700) dieſe Schulen beſuchen, und daß ⅛ das um 4 fl. erhöhte Schulgeld bezahlen würden mit 1331 fl., und von dem ½⅛6, ſo nur 2 fl. erhöht wird, 332 fl. einkämen; außerdem dazu den Beitrag aus dem Pfarr⸗ und Schulverbeſſerungs⸗ fond 100 fl., aus der Vorſtadtſchule 200 fl., Summa 1963 fl., ſo wäre die volle Summe aufgebracht, welche der Gr. Kirchen⸗ und Schulrat und die Stadtgeiſtlichkeit zur Errichtung von 3 Schulen für notwendig hält, und alle Winkel⸗ ſchulen könnten geſchloſſen werden.“
*) Promemoria der an den Oberklaſſen der Stadtſchulen und an der höheren Stadtmädchenſchule angeſtellten Mitprediger über die am 1. Januar 1863 ins Leben getretene Regulirung der Gehalte ſtädtiſcher Lehrer.(Als Manuſkript gedruckt.)
**) Promemoria S. 22.
***) Vergl. Programm der höheren Mädchenſchule zu Darmſtadt. Oſtern 1868.
†) Aus Akten, die ſich auf die Viktoria⸗Schule beziehen, und die uns von Herrn Schulrat Müller in liebenswürdigſter Weiſe zur Verfügung geſtellt wurden; anderes fand ſich in den Akten der hieſigen Bürgermeiſterei.


