Aufsatz 
Unser Landheim zu Niedernhausen i. O. / Hrsg. Eleonorenschule (Lyzeum und Frauenschule) zu Darmstadt
Entstehung
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Wer ſeinen Geſchmack bilden und erhalten will, der gehe in die Natur hinaus und laſſe ſie möglichſt lange auf ſich

wirken! Sie wird ihn wappnen gegen ungeſunde und ſchiefe Geſchmacksausbildung.

A. Haller.

Unſer Gäſtebuch. Ich weiß nicht, was mir hier gefällt, In dieſer engen, kleinen Welt Mit holdem Zauberbann mich hält? Vergaß ich doch, vergaß ich gern, Wie ſeltſam mich das Schickſal leitet...

So ſteht's geſchrieben in unſerem Gäſtebuch mitten unter all den vielen Dank⸗- und Lobſprüchen auf die ſelige Zeit im Landheim. Es iſt wirklich etwas Beſonderes um dieſenholden Zauberbann, der über dem Heim ſchwebt, der alle gefangen hält und erlöſt zugleich, der die Reiferen mitten in ſchwerſter Zeit niederſchreiben läßt:

Fernab von allem Treiben, allem Haſten

Fühlt man hier nicht der Sorge Druck und Pein.. und der die vorübergehenden Beſucher und Freunde zu oft künſileriſchen Beiträgen ins Gäſte buch begeiſtert, zu warm empfundenen Zitaten und reizenden Zeichnungen.

And die Schülerinnen alle, ſie jubeln laut, und ihre beglückte Stimmung ſpiegelt ſich in all den vielen übermütigen Freudenhymnen des Gäſtebuchs. Da hören wir, wie ſie ſingen und tanzen und ſchau ſpielern bei Regenwetter, wie ſie wandern und Sport treiben an ſchönen Tagen. Da verſichern ſie immer wieder:

So herrlich war es doch noch nie Bei einem Landheimaufenthalt,

Man ißt, trinkt, rodelt und läuft Ski und ſcheuet weder Naß noch Kalt...

Da meinen ſie im Frühling überzeugt:

Der Mai iſt für's Landheim die ſchönſte Zeit... und im Sommer dichten ſie begeiſterte Lieder mit dem Kehrreim:

Denn es iſt ja ſo fein Im Landheim zu ſein, Wenn im Walde die Heckenroſen blühn....

Immer auf's neue drängt es die Jungen, zu ſagen und zu ſingen von ihren vielen Freuden, von der herrlichen Natur und von der Kameradſchaftlichkeit mit ihren Lehrkräften. Tatſächlich fühlt man aus all ihren launigen Anſpielungen, wie jedesmal die Beziehungen zwiſchen Lehrern und Schülern enger werden, wie Humor und gemeinſames Erleben immer feſtere Bande knüpfen.

Kein Wunder, daß da auch überall der Dank für dieſe ſonnige Schöpfung durchbricht, das Lob auf den einſtigen Gründer des Heims, den Träger dieſer glorreichen Idee, und außerdem auf den Hausherrn, deſſen ewig wiederkehrende Schriftzüge im Gäſte buch wie der ruhende Pol in der Erſcheinungen Flucht wirken,den geliebten Rex.

Dem Manne, der dies Heim erſann, Kein Lob zu hoch erklingen kann! I. Krãmer Crühere Frauenschülerin)].

Wie wir unſer Landheim verwalten.

Die Eleonorenſchule ſchuf ſich 1922 ihr Landheim aus eigener Kraft. Kurz entſchloſſen mietete ſie ein gerade frei werdendes, der ev. Kirche zu Niedern⸗ hauſen im Odenwald gehöriges Anweſen. Die Leitung übernahm ein aus dem Lehrkörper gebildeter Aus ſchuß. Ein Teil der Einrichtung wurde mit dem Haus übernommen, vieles ſtifteten Eltern und Gönner, anderes wurde gekauft, z. B. die 25 Betten aus Militärbeſtänden mit den dazu gehörenden Stroh⸗ ſäcken.

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Die erſten notwendigen Geldmittel wurden auf gebracht durch Sammlungen unter den Schülerinnen, durch Vortragsabende und Stiftungen. Die laufenden Ausgaben für Miete uſw. ſollten durch Aufenthalts⸗ gebühren beſtritten werden, die trotz ihrer geringen Höhe fürs erſte auch ausreichten. Dann aber zehrte die immer größer werdende Inflation die geringen vorhandenen Mittel auf, ſo daß in Zeiten, in denen das Heim nicht belegt war(und die gab es damals!),