Aufsatz 
Unser Landheim zu Niedernhausen i. O. / Hrsg. Eleonorenschule (Lyzeum und Frauenschule) zu Darmstadt
Entstehung
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A

Kannen, Schüſſeln, Waſchzeuge uſw. ſauber ſind. Der Klaſſengeiſt verlangt Anterordnung; er duldet nicht unfreundliches Benehmen, tadelt Eigenwilligkeit, ver⸗ weiſt Anduldſamkeit, entwickelt Gemeinſchaftseigen ſchaften auch beim Einzelkind. Einem verwöhnten Kinde mag es anfangs merkwürdig vorkommen, daß es ſelbſt ſeine Schuhe putzen muß. Zaghaft erfaßt es anfangs den Putzlumpen und erfüllt dann gern,

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bei den Gängen, bei der Hausarbeit, bei der Abend⸗ unterhaltung, beim Spiel im Hof und Garten. Zu dieſer Gemeinſchaft gehört auch der Lehrer; bei uns iſt es der Klaſſenlehrer. Er teilt vollſtändig das Leben der Schülerinnen. In der Schule lernt er an ihnen nur einzelne Seiten kennen, die für den Anterricht wertvoll ſind, hier aber den ganzen Menſchen. Manche Schülerin gewinnt hier gewaltig; der Lehrer

Schlafſaal.

vom Gemeinſchaftsgeiſt getrieben, auch weniger will kommene Obliegenheiten.

Dieſes Gemeinſchaftsgefühl zu pflegen, iſt eine wichtige Aufgabe des Erziehers. Alles ſoll er vermeiden, was die Verſchiedenheit der häuslichen Verhältniſſe hervorheben könnte. Im Landheim ſoll es nicht reich und arm geben. Wir nehmen alle Schülerinnen mit, auch wenn ſie die Koſten des Aufenthaltes nicht tragen können. Wer Kuchen aus dem Etternhauſe erhält, muß lernen, daß Mitteilen Freude macht. Die Schüle⸗ rinnen ſollen ſich gemeinſam freuen. Von beſonders gemeinſchaftsbildender Kraft iſt das Spiel, der Geſang. Hier muß die einzelne ſich einfügen. Es wird darum auch draußen viel geſungen, mit und ohne Zupfgeige,

bekommt einen tieferen Einblick in ihr Weſen, und um ſo wichtiger und verantwortungsvoller wird ihm ſeine erzieheriſche Aufgabe. Die Schülerin empfindet dies dankbar. Freilich ſind dies Dinge ſo feiner Art, daß ſie dem Außenſtehenden ſich oft verſchließen. Wer aber ein offenes Auge hat, merkt es an vielen Einzelheiten. Hier entwickelt ſich das Vertrauensverhältnis, das wir erſtreben und im Anterricht nicht immererlangen. Gerade die Seele des Mädchens enthüllt ſich leichter bei ſolch engem Verkehr, wie ihn das Landheim bietet; es ent wickelt ſich die emporſchauende Liebe zum Lehrer oder zur Lehrerin, die uns Erzieher mit ihrer Blüte belohnt.

Erwächſt das Gemeinſchaftsgefühl auf dieſer ſitt lichen Grundlage, ſo iſt auch der Boden bereitet für

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