36
Aufſicht über das ſittſame Betragen der Kinder anvertraut. Einer derſelben bethet Meßgebete laut und langſam vor, bis ſpäter auch mit gemeinſchaft⸗ lichem Geſang abgewechſelt werden kann, um den dahier üblichen, ſchlechten Volksgeſang nach und nach zu verbeſſern“. Sonntags hielt der Direktor nach der hl. Meſſe einen Kanzelvortrag.
Während des Neubaues der Bensheimer Pfarrkirche 1826—30 wurde die Kirche für den Pfarrgottesdienſt benützt und nachher war wieder Kinder⸗ gottesdienſt darin, wie oben angegeben; auch eine Katecheſe wurde von nun an am Sonntag Nachmittag gehalten; es war dies die Aufgabe des II. Seminarlehrers. Aber ſchon 1832 wird die Kirche als baufällig ge⸗ ſchloſſen. Die Seminariſten wohnen dem Gottesdienſte in der Pfarrkirche bei, hören aber an Sonn⸗ und Feſttagen im Seminar einen homiletiſchen Vortrag..
Lange Verhandlungen gingen der im Jahre 1840 erfolgten Wieder⸗ herſtellung der Kirche voraus, man wollte anfangs die Kirche niederreißen oder zu Schulſälen umbauen, entſchloß ſich aber endlich doch wieder zur Reſtauration. Kindergottesdienſt ſcheint aber nicht mehr abgehalten worden zu ſein; denn 1846 verlangt die Pfarrgemeinde ziemlich ſchroff ihre Paramente zurück. Doch das Ordinariat entſcheidet zu Gunſten des Se⸗ minars, weil die Pfarrgemeinde doch auch an dieſen Gottesdienſten teil⸗ nimmt.
In den Statuten des Seminars von 1865 iſt noch der tägliche Beſuch des Gottesdienſtes verlangt. Im Protokollbuch des Seminars ſteht unter 29. Oktober 74 dagegen:„Der Beſuch des Werktagsgottesdienſtes iſt nicht mehr geboten ſondern jedem freigeſtellt“. Der Sonn⸗ und Feſttags⸗ Gottesdienſt bleibt beſtehen. Von 1907 an nehmen die Gymnaſiaſten wieder am Gottesdienſt teil, es zahlt daher der Benefiziat⸗ und Schul⸗ fonds einen Teil der Koſten. Als 1911 das neue Seminargebäude bezogen wurde, blieb die Kirche noch im Beſitz des Staates bezw. Seminars und der Sonntagsgottesdienſt ging ruhig in den gewohnten Bahnen weiter. 1920 geht die Kirche um 20 000 Mk. in den Beſitz der P. P. Kapuziner über, die aber den Sonntagsgottesdienſt an Seminar und Gymnaſium weiter geſtatten müſſen. Sie erhalten dafür jährlich aus dem
Benefiziat⸗ und Kirchenfonds 700 Mk. vom Seminar 200„ „ Gymnaſium 200„—
Die evangeliſchen Schüler beſuchten von der Zeit an, da ſolche dem Bensheimer Seminar angehören, den Pfarrgottesdienſt, wo Prof. Flegler manchmal predigte.
Cehrkräfte, die als bertreter meiſt für erkrankte Hferren an der Hnſtalt wirkten.
1890 für Sem.⸗L. Helm: Dr. Philipp Huppert, Leiter des Konvikts.
1893 für Sem.⸗L. Dr. Moſer: derſelbe.
1903 für Sem.⸗L. Buxbaum: Schulverwalter Karl Bentz von der Stadt⸗ ſchule in Worms.
1904 für Hilfs⸗L. Gutzler: Schulverwalter Johann Hoffmann.
1905 für Muſik⸗L. Döbert tritt Hilfs⸗L. Gutzler ein und für dieſen Schul⸗ verwalter Georg Born aus Fränkiſch⸗Crumbach.


