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Husblick 1021.
Faſt ſchien es, als ſollte das Seminar nach dem Wiederaufbau einer beſſeren Zukunft entgegengehen, da ward das Urteil desſelben geſprochen, die Lehrerbildung nach ganz neuen Grundſätzen geregelt. Zuerſt ſollen die jungen Leute allein der wiſſenſchaftlichen Vorbildung ſich widmen, das Maturum an einer der beſtehenden höheren Lehranſtalten oder der zu begründenden Aufbauſchule erringen, und dann an einer Univerſität oder Hochſchule in einem zweijährigen pädagogiſchen Kurſe die Fachausbildung erfolgen. Alſo wie faſt überall in unſeren Tagen grundſätzliche Aenderung.
Die Seminare ſind hierdurch zum Abbau verurteilt, im Jahre 1926 gehen vorausſichtlich unſre letzten Zöglinge ab. Aber das Seminar ſoll nach und nach in eine Aufbauſchule verwandelt werden. Jene neue Schulgattung, in der nicht die Fremdſprachen ſondern das deutſche Kulturgut im Mittelpunkte der Bildung ſteht, aber doch eine fremde Sprache, das Franzöſiſch, verbindlich und in den Oberklaſſen eine andere, Engliſch oder Lateiniſch, nach freier Wahl vertreten iſt. Als neue Bildungselemente, neu für die höhere Schule, führt die Aufbauſchule Muſik und Handfertigkeit ein, hat alſo einige Anklänge an das Seminar, iſt aber mit dieſem nicht zu verwechſeln, indem ſie ſonſt nur rein wiſſen⸗- ſchaftliche Ausbildung und keine Fachausbildung bietet.
Immerhin, das ſagen wir wieder den Anhängern des Seminars zu einer gewiſſen Beruhigung, werden ſich noch weiter hier viele Zöglinge finden, die ſpäter den Lehrerberuf ergreifen; denn die Aufbauſchule ſchließt direkt an die Volksſchule an.—
Die Muſik wird hier richtig als ein ganz hervorragendes Bildungsmittel anerkannt, als ein Bildungsmittel, das nicht nur hohen Wert in Bezug auf die Urteilskraft hat, ſondern auch hohen äſthetiſchen Wert beſitzt.
Ob die Aufbauſchule Zukunft hat, bezweifeln viele, wir nicht, wenn uns die Lehrer von den Volksſchulen geeignetes Material zuführen, nur ausgezeichnete Schüler. Dann werden wir verſuchen, aus dem Borne des Deutſchtums in erſter Linie bei unſerer Erziehung zu ſchöpfen, unſere Bildung wie die anderer Völker auf mehr nationale Grundlage zu ſtellen und den begabten Söhnen des Volkes freie Bahn ſchaffen.
Reicher Segen entſproß in den vergangenen hundert Jahren dem Seminar, Segen nicht nur für die Seminariſten, ſondern auch für das ganze Land wieder durch ſie.
Wenn unſer Heſſenvolk keinem anderen deutſchen Stamm an Bildung nachſteht, verdankt es dies auch zum Teile den Lehrern, die hier ihre Ausbildung genoſſen haben. Möge ähnlicher Segen mit des Herren Hülfe auch der Aufbauſchule erſprießen.
Lehrer und Beamte im jubiläumsjahre.
Seminar:
Prof. Dr. Johannes Ledroit, Direktor. Muſikdirektor Michael Döbert.
Studienrat Prof. Heinrich Geißler. Studienrat Prof. Dr. Ludwig Spilger. Studienrat Prof. lic. theol. Wilhelm Gaul. Studienrat Dr. Georg Kilian.


