Aufsatz 
Denkschrift zur Feier des hundertjährigen Bestehens des Ernst-Ludwigs-Seminars zu Bensheim : Hundert Jahre Seminar. Schülerverzeichnis /
(Nach Urkunden bearb. von [Johannes] Ledroit)
Entstehung
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Vorderanſicht des neuen Seminars.

Erdarbeiten zu Ende; mit den Maurerarbeiten wurde ſofort begonnen und anfangs 1909 war der Bau bereits unter Dach. Länger dauerte es mit der Herſtellung der Inneneinrichtung, ſo daß das neue Heim erſt am 8. Sept. 1911 ſeiner Beſtimmung übergeben werden ⸗konnte. Die Bau⸗ koſten betrugen 775000 Mk. und die Koſten der Inneneinrichtung 102 000 Mk. Die Hauptſumme zahlte der Staat, aber auch die Stadt Bensheim beteiligte ſich.

Namentlich vom Haupteingange aus bietet das ſchloßartige im Ueber⸗ gangsſtil von Renaiſſance und Barock erbauteneue Seminar einen äſthe⸗ tiſch angenehm berührenden und zugleich großartigen Anblick. Der rote Sand⸗ ſtein und gelbe Verputz des Gebäudes erzeugen zuſammen einen ungemein warmen Ton, und einen gewiſſen Zug ins Romantiſche geben der emporran⸗ kende wilde Wein und Efeu dem Bau. Beſonders entzückende Bilder bietet das Haus zur Zeit der Roſenblüte, denn wo irgend nur Raum iſt. wurden Roſenſträucher angepflanzt, den Stein lebendig zu machen Harmoniſch gliedert ſich der Bau ins Landſchaftsbild ein, der Baumeiſter ließ ihn nicht zu hoch emporgehen, damit die Villen und Berge der Umgebung einen hübſchen Hintergrund bilden. Hier hat entſchieden ein Künſtler gewaltet.

Vom Bau aus ſelbſt genießt man in allen Ecken und Enden ent⸗ zückende Landſchaftsbilder nach der Ebene und dem Gebirge. Der durch einen Erker und zwei Giebel harmoniſch gegliederte Mittelbau wird von zwei mächtigen mit Kuppeln bedeckten Seitenbauten flankiert. Er enthält die wichtigſten Räume für den Unterrichtsbetrieb, im Dachgeſchoß und in den Kuppeln das Internat und im Kellergeſchoß Heizung und Badeeinrichtung.

Der am Nordende nach dem Gebirg zugehende Flügel umfaßt neben Schulräumlichkeiten Turnſaal, Singſaal, Speiſeſaal und Küche. In einem netten Häuschen wohnt die Oekonomin mit Perſonal. Der Seitenflügel am Südende enthält Schulräumlichkeiten. Ihm iſt zunächſt die Direktorwohnung angebaut. Nach der Stadt zu ſchließt ſich der Bau der Uebungsſchule an. Ein geräumiger Schulhof mit ſchattenſpendenden Bäumen wird von Mittel⸗ und Seitenbauten umſchloſſen. Die Uebungsſchule hat ebenfalls einen hübſchen Hof, mit den wichtigſten Laubbäumen bepflanzt. Nach Weſten zu breiten ſich zwei mächtige Teraſſen mit Pavillons aus. Jenſeits derſelben liegen der große Spielplatz, Verſuchsgärten und Park.

Die Weihe bes neuen Heims vollzog ſich am 28. September 1911 in höchſt feierlicher Art.